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Ayrina

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Monday, April 6th 2009, 1:39pm

Dubh Rún (8. Kapitel - Auszeit)


by In Other Words - Danke!!!





Titel: Dubh Rún - Dunkle Geheimnisse

Autor: Ich, Ayrina

Genre: Fantasy, Drama

Disclaimer: Die Twilight-Figuren sowie das Twilight-Universum gehören nicht mir, sondern Stephenie Meyer. Ich leih sie mir nur aus, um sie dannach ohne Blessuren zurückzugeben. Ich verdiene mit dieser Geschichte kein Geld.

FSK: 12

Slash: Nein!

Hauptcharaktere: Cathrin (Cathy) Brennan (OC), Nick (OC), Sean (OC), Dorothy O'Brian (OC); Cullens

Inhalt:
Der eintönige Alltag von Cathy gerät aus den Fugen, als ein junger, eigenwilliger Mann in ihr Leben tritt. Immer wieder taucht der schöne Fremde in ihrem Leben auf und scheint Dinge über sie zu wissen, die ihr selbst fremd sind.
Doch dann holt Cathys Vergangenheit sie ein. Eine Vergangenheit, die sie selbst nicht kennt und die doch ihre gesamte Zukunft verändern wird.
Plötzlich befindet sie sich in einem Kampf, der schon lange vor ihrer Geburt seinen Anfang gefunden hat.
Doch immer häufiger muss sie sich fragen, ob sie tatsächlich auf der richtigen Seite steht. Wem kann sie in den dunklen Zeiten trauen, wo Licht und Schatten so schnell zu einem undurchsichtigen Grau verschwimmen?

Kapitel: 7/??

Prolog
1. Ein neuer Morgen
2. Neuanfang
3. Glück im Unglück?
4. Neue Hoffnung
5. So nah...
6. Schatten in der Dunkelheit
7. Ein erster Blick
8. Auszeit


TRAILER

Dies ist meine erste Twilight-FF und ich würde mich über Kommis, Kritik und Anregungen sehr freuen! Vielen Dank schon mal im Vorraus.
Eure Rini :love:
Vielleicht konnte sie einfach sterben. Einfach darauf warten, dass ihr Herz aufhörte zu schlagen.
Doch dieses Glück war ihr nicht vergönnt. Ihr Herz schlug weiter. Das Pochen kam ihr unnatürlich laut vor. Wahrscheinlich würde er es hören. Vielleicht würden
sie es auch hören. Vielleicht würden sie einfach kommen und sie erlösen.

Dubh Rún
(FF)

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Ayrina

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2

Monday, April 6th 2009, 1:42pm

Prolog


Sie rannte.
Ihre Füße flogen förmlich über das nasse Gras. Der Regen schlug ihr ins Gesicht und mischte sich mit ihren Tränen.
Beruhige dich, ertönte jene geliebte, jene verhasste Stimme in ihrem Kopf.
Alles wird gut. Die Worte hallten in ihrem Kopf, schienen jeden anderen Gedanken zu ersticken und nahmen ihr die Sicht.
Doch es spielte keine Rolle. Sie kannte den Weg. Sooft war sie den schmalen Pfad zu den Klippen entlang gewandert. So viele Male war sie mit leichtem Herzen den zahllosen Windungen gefolgt, bis irgendwann der atemberaubende Blick der Steilküste vor ihr lag. Sooft hatte sie hier ihren Gedanken nachgehangen, hatte das Gefühl gehabt, der Himmel läge ihr zu Füßen oder ihre Welt bräche zusammen. Hatte das Gefühl gehabt, alles habe sich gegen sie verschworen.
Wie dumm sie doch gewesen war.
Wie blind.
Sie hatte ja keine Ahnung gehabt. Wie unbedeutend ihre Sorgen von damals nun im Licht der neuen Wahrheit erschienen.
Sie stolperte über eine Wurzel und stürzte auf den schlammigen Boden. Ihre Finger versanken in dem Matsch und von Weinkrämpfen geschüttelt starrte sie auf die vertrauten und doch so fremden Finger. Alles an ihr erschien ihr auf einmal fremd.

Sie hatte keine Kraft mehr aufzustehen. Sie fühlte sich wie eine Marionette, der die Fäden durchtrennt worden waren. Hilflos lag sie da und versuchte die Welt um sich herum zu ordnen.
Alles war gelogen. Nichts war so, wie man es sie all die Jahre hatte glauben lassen. Sie konnte niemandem trauen.
Am allerwenigsten sich selbst.

Sie spürte kaum, wie der Regen auf ihren gekrümmten Rücken prasselte. Ihr braunes Haar wirkte nun fast schwarz und hing in nassen Strähnen an den Seiten ihres Gesichtes herab. Wie ein Schleier umgab es sie, als könnte so die Wahrheit ferngehalten werden. Doch das war unmöglich. Keine Mauer hätte sie vor dem schleichenden Gift der Wahrheit schützen können. Wie Säure fraß es sich in ihre Ohren und verdrängte alles andere aus ihren Gedanken.

Sie schüttelte den Kopf, doch alles was sie damit erreichte, war dass das dumpfe Pochen in ihrem Hinterkopf zu einem stechenden Schmerz wurde.
Lüge!, schrie sie innerlich, doch ihr Widerstand war nichts weiter, als eine Feder die gegen einen Sturm ankämpft. Es war von Anfang an zum Scheitern verurteilt.
„Warum?“, flüsterte sie und ihre Stimme klang ihr seltsam fremd in den Ohren.
„WARUM?“ Diesmal schrie sie die Frage dem tosenden Sturm ins Angesicht, doch sie sollte keine Antwort erhalten. Das Peitschen des Windes und das Prasseln des Regens erschienen ihr wie Hohn und Spott. Lachten sie aus, wie sie verzweifelt auf dem schmalen Pfad kauerte.
Kraftlos sackte sie zur Seite und drehte sich auf den Rücken. Hart und kalt traf der Regen sie nun ins Gesicht und sie schloss die Augen.

Vielleicht konnte sie einfach sterben. Einfach hier liegen bleiben und darauf warten, dass ihr Herz aufhörte zu schlagen.
Vielleicht konnte sie dem Grauen, das ihr Leben bereitzuhalten schien auf diese Weise einfach entfliehen.
Doch dieses Glück war ihr nicht vergönnt. Ihr Herz schlug weiter. Das Pochen kam ihr unnatürlich laut vor. Wahrscheinlich würde er es hören. Vielleicht würden sie es auch hören. Vielleicht würden sie einfach kommen und sie erlösen. Die furchtbare Gefahr erschien ihr auf einmal als die rettende Erlösung.

Sie lag einfach nur da, mit geschlossenen Augen und wartete. Wartete auf das Ende, die Erlösung.
Wartete auf die endlose Ewigkeit.
Vielleicht konnte sie einfach sterben. Einfach darauf warten, dass ihr Herz aufhörte zu schlagen.
Doch dieses Glück war ihr nicht vergönnt. Ihr Herz schlug weiter. Das Pochen kam ihr unnatürlich laut vor. Wahrscheinlich würde er es hören. Vielleicht würden
sie es auch hören. Vielleicht würden sie einfach kommen und sie erlösen.

Dubh Rún
(FF)

3

Monday, April 6th 2009, 6:08pm

Joah... nicht schlecht für den Anfang. Gefällt mir schonmal richtig gut.

Ich find's spannend wie du mit vielen Worten wenig beschreiben kannst, also es schön umschreiben kannst um noch mehr Gefühl hineinzulegen. Deine bildhafte Sprache gefällt mir auch sehr gut. Z.B. die nassen Schleier in Bezug auf die Wahrheit oder das schleichende Gift der Wahrheit. Schöne Wortwahl. ^^

Deine erste Twilight-FF? Hast du schon Erfahrung mit anderen Gebieten?

Ich werd ein Auge auf dich werfen, ich glaub, da wird noch ne Menge guter Sachen kommen. *g*
Come the end of this June
I’m gonna leave this city for good.
I’m gonna black out all of the pages I wrote
and move on to some better ages, I hope

Beautiful, More So by Spencer Bell

Ayrina

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4

Monday, April 6th 2009, 6:28pm

ohhh, mein erstes Kommi, das freut mich aber sehr! Ich danke dir für dein lob. Es freut mich sehr, dass die Geschichte dir gefällt.

ich habe schon einige HP-FFs geschrieben, aber eine Twilight-FF hat mich sehr gereizt. Es würde mich sehr freuen, wenn du weiterliest.
Vielen Dank nochmal!!

Alles Liebe
Rini :love:
Vielleicht konnte sie einfach sterben. Einfach darauf warten, dass ihr Herz aufhörte zu schlagen.
Doch dieses Glück war ihr nicht vergönnt. Ihr Herz schlug weiter. Das Pochen kam ihr unnatürlich laut vor. Wahrscheinlich würde er es hören. Vielleicht würden
sie es auch hören. Vielleicht würden sie einfach kommen und sie erlösen.

Dubh Rún
(FF)

Sammy Serdena

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5

Tuesday, April 7th 2009, 3:14pm

UiUiUi, hört sich seeeeehhhhr interessant an! Schreib schnell weiter, bin doch so neugierig und ungeduldig :rolleyes:
Love gives someone the power to break you.




6

Tuesday, April 7th 2009, 6:21pm

Sehr schön geschrieben! Vor allem die genauen Beschreibungen, die einen total fesseln, da könnte man doch gleich Stunden lesen...^^ Respekt!
Wer glaubt etwas zu sein hat aufgehört etwas zu werden

Ayrina

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7

Wednesday, April 8th 2009, 7:47am

@ Sammy: Freut mich, dass dir der Prolog gefallen hat! Ich hoffe, du liest weiter und das erste Kapitel gefällt dir auch! :D

@Alice: Danke für dein Lob! Ich hoffe, ich kann auch weiterhin überzeugen! :)

___________________________________________________________________


1. Ein neuer Morgen

Cathy lag mit offenen Augen in ihrem Bett und starrte die Decke an. Feine Risse zogen sich durch die Tapete und ihre dunklen Augen folgten den schmalen Linien. Leise drang das Ticken des altmodischen Weckers zu ihr und sie konzentrierte sich auf den gleichmäßigen, monotonen Klang. Sie schloss die Augen und versuchte, sich wieder zurück in den Schlaf zu flüchten, doch es gelang ihr nicht.

Tick tock, tick tock, tick tock…

Deutlich zeigte die Uhr ihr, wie die wenigen Stunden der Nacht verflogen. Der Mond zeichnete ein bleiches Viereck auf den abgewetzten Holzboden vor ihrem Bett. Es musste schon weit nach Mitternacht sein und Cathy stöhnte leise auf.
Sie wandte den Kopf zur Seite und ließ den Blick über das hohe Fenster schweifen. Die dunkelblauen Vorhänge wehten leicht im lauen Wind der Sommernacht. Es war erstaunlich warm, doch das war nicht der Grund, dass Cathy nicht schlafen konnte.
Wenn sie die Ohren spitzte, konnte sie in der Ferne das Rauschen des Atlantiks hören. Das Tosen, mit dem die Wellen sich an den rauen Klippen brachen.

Ihre Gedanken wanderten zu dem heutigen Tag. Ihr letzter Schultag. Heute würde sie endlich ihren Abschluss erhalten. Das letzte Jahr war stressig und hart gewesen, doch es hatte sich gelohnt. Heute Abend würde sie ihren Abschluss in den Händen halten. Wie lange hatte sie darauf gewartet. Vor ihrem Schrank hing ordentlich gebügelt ihre Schuluniform. Sie würde sie heute zum letzten Mal tragen.

Tick tock, tick tock, tick tock…

Als das Ticken des Weckers kurzzeitig den Rhythmus änderte, wusste sie, dass wieder eine Stunde vergangen war. Wie viele hatte sie noch, bis sie endlich aufstehen konnte? Sie warf einen Blick auf das blasse Viereck aus Mondlicht und schätzte die Entfernung zum Schreibtisch ab. Es fehlten vielleicht noch dreißig Zentimeter. Demnach war es also vier Uhr.
Sie richtete den Blick wieder zur Decke. Seit einigen Wochen war sie von einer inneren Unruhe ergriffen, die ihr Nacht um Nacht den Schlaf raubte. Sie wusste nicht, woher es kam. Am Anfang war sie oft in die Küche gegangen um sich ein Glas Milch zu holen, aber nach einiger Zeit hatten ihre Eltern sich Sorgen gemacht und sie mit Fragen und Fürsorge überschüttet, so dass sie seitdem die endlosen, schlaflosen Stunden in ihrem Zimmer verbrachte.

Reglos lag sie da und wartete, dass die Zeit verging. Noch zwei Stunden, dann würde sie aufstehen, sich kaltes Wasser ins Gesicht spritzen, sich die Haare kämmen und mit einem strahlenden Lächeln in die Küche gehen. Sie würde frühstücken, ihren Tee trinken und sich auf den Weg machen. Unterwegs würde sie mit dem Fahrrad bei dem kleinen Imbiss halten und dort ihren extra großen, starken Kaffee bestellen. Sie würde nie verstehen, warum ihre Eltern sich so gegen Kaffee in ihrem Haus sträubten, aber in dieser Hinsicht waren sie konsequent. Sehr zum Leidwesen von Cathy.

Tick tock, tick tock, tick tock…
Noch eine Stunde. Vom langen Stilliegen schmerzte ihr Rücken und ihre Augen brannten vom Starren an die Decke. Langsam stahl sich das warme Licht der Morgendämmerung seinen Weg in das kleine Zimmer und vertrieb die Schatten der Nacht. Die ersten Vögel begannen ihr morgendliches Lied und die Stille der Nacht wich immer mehr den Stimmen des neuen Tages.

Als der Wecker endlich klingelte, war ihre Hand schon da, ehe das durchdringende, metallische Klingeln den schmalen Raum erfüllen konnte. Während sie ihn ausschaltete, fragte sie sich, warum sie diese Farce überhaupt aufrechterhielt. Seit langer Zeit hatte sie schon nicht mehr gut genug geschlafen, um morgens Hilfe beim Aufwachen zu benötigen. Vielleicht war es die kleine Stimme der Hoffnung in ihrem Inneren, die unaufhaltsam sagte, dass sie eines Tages doch wieder in Ruhe schlafen konnte. Doch so richtig glaubte Cathy nicht mehr daran.

Sie schwang die Beine aus dem Bett und stand auf. Barfuß ging sie über den warmen Holzboden zu dem kleinen Bad, das direkt an ihr Zimmer grenzte. Ein Luxus, um den sie viele Mädchen in ihrer Klasse beneideten. Cathy fand es einfach nur praktisch. Ansonsten war ihr die Faszination, die offenbar für den gesamten Rest der weiblichen Bevölkerung von einem Badezimmer ausging einfach nur fremd. Manchmal sogar ein wenig suspekt. Sie vermied den Blick in den Spiegel sooft es ging. Sie wusste, was sie darin sehen würde und sie mochte es nicht.
Doch heute würde es sich nicht vermeiden lassen und so zwang sie sich, die Augen auf die junge Frau im Spiegel zu richten. Sie verzog das Gesicht.
Ihr rostbraunes Haar war wirr und lag wie meist nicht so, wie Cathy es gerne hätte. Davon, was allgemein hin als Frisur bezeichnet wurde, war sie Lichtjahre entfernt. Halbherzig fuhr sie sich mit den Fingern durch die langen Wellen, doch das Ergebnis war nur geringfügig besser. Mit einem Seufzen griff sie nach dem dunklen Haarband und band ihr Haar zu einem Knoten zusammen.
Etwas besser, aber sehr viel mehr war einfach nicht zu machen.
Sie fragte sich nicht zum ersten Mal, ob sich die Natur bei ihr einfach nicht hatte entscheiden können. Ihr Haar war von einer langweiligen Durchschnittsfarbe, mit dem sie sich fast überall hätte eingliedern können, doch ihre Haut war so hell, wie es höchstens Menschen aus dem Norden hatten. Als krassen Gegensatz dazu hätten ihre dunklen, fast schwarzen Augen jedem Südländer Konkurrenz gemacht. Alles schien willkürlich und unpassend zusammengewürfelt.
„Weder Fisch noch Fleisch.“, murrte sie und streckte ihrem Spiegelbild die Zunge raus.
Nichts Besonderes zeichnete das unscheinbare Gesicht im Spiegel aus.
Sie hatte keine niedlichen Grübchen, wenn sie lächelte, wie Maggy aus ihrer Klasse. Sie hatte nicht das gewisse Funkeln in den Augen, wie Nora, das begehrteste Mädchen der Schule. Sie hatte nichts.
Seufzend wandte sie sich ab.
Schnell schlüpfte sie in die Schuluniform, warf einen letzten, bedauernden Blick auf das Bett und ging in die Küche.

Ihre Mutter stand am Herd und briet Speck und Würstchen fürs Frühstück. Als sie die Schritte ihrer Tochter hörte drehte sie sich um und strahlte Cathy an.
„Guten Morgen, Schatz! Hast du gut geschlafen?“
„Wie ein Murmeltier“, log Cathy und lächelte zurück.
„Tee steht dort drüben.“ Ihre Mutter deutete kurz auf eine Kanne auf der Anrichte, bevor sie sich wieder der Pfanne widmete.
Cathy nahm sich Tee, goss etwas Milch dazu und rührte gedankenverloren in ihrer Tasse. Ihr Blick lag auf dem Rücken ihrer Mutter. Tara Brennan war nicht mehr die Jüngste. Nächstes Jahr würde sie sechzig Jahre alt werden und ihr Haar wurde schon an vielen Stellen weiß. Doch dazwischen konnte man noch das strahlende Blond erkennen, das sie einst zur begehrtesten jungen Frau des ganzen Ortes gemacht hatte. Sie weigerte sich strikt, sich das Haar zu färben und Cathy bewunderte sie für diese Einstellung.
Ihre Mutter war für Cathy schon immer der Inbegriff der Lebensfreude gewesen. Es gab keinen Tag, an dem nicht mindestens einmal ihr Lachen durch das kleine Haus an der irischen Steilküste schallte.
Auch jetzt stand sie summend am Herd und wiegte sanft die etwas fülligen Hüften.
Dann packte sie Cathy einen großen Berg Speck und Würstchen zusammen mit einem Ei auf den Teller und ließ sich ihr gegenüber nieder.
„Und bist du aufgeregt?“, fragte sie und ihre grünen Augen blitzten. Cathy schob sich eine Scheibe Speck in den Mund und zuckte mit den Schultern.
„Wir kennen doch unsere Ergebnisse ohnehin schon. Das ist doch nur noch Formsache.“
Erschüttert schüttelte Tara den Kopf.
„Das ist die völlig falsche Einstellung. Es ist dein offiziell letzter Tag als Schülerin. Ein neuer Lebensabschnitt fängt an. Das wird einer der wichtigsten Tage deines Lebens sein.“
Cathy lächelte ihre Mutter an, doch bei dem Gedanken, dies könnte einer der wichtigsten Tage ihres Lebens sein, wurde ihr ganz schlecht.
Was für großartige Aussichten.
Sie warf einen Blick zur Uhr und beschloss, dass es dringend Zeit wurde, aufzubrechen. Mit einem entschuldigenden Lächeln erhob sie sich und drückte ihrer Mutter einen Kuss auf das Haar.
„Ich muss los. Wir sehen uns heute Nachmittag.“
Und schon war sie durch die Tür verschwunden.
Sie holte ihr altes, klappriges Fahrrad aus dem Schuppen und machte sich ein letztes Mal auf den Weg zur Schule.
Das letzte Mal.
Nun wurde sie doch ein wenig wehmütig. Das meiste würde sie nicht vermissen. Die Lehrer waren spießig und langweilig und es gab nicht einmal die viel gerühmte Ausnahme. Ihre Mitschüler waren ganz nett, doch über eine oberflächliche Bekanntschaft war es nie hinausgegangen. Einzig und allein Dorothy O’Brian die zwei Häuser weiter wohnte, war ihr eine echte Freundin. Das quirlige, schwarzhaarige Mädchen ging auf ein Internat an der Ostküste und sie sahen sich nur in den Ferien. Dennoch verstanden sie sich fast ohne Worte.

In drei Wochen würden sie zusammen nach Cork gehen, eine WG gründen und endlich auf eigenen Füßen stehen. Doro hatte auch schon einen Job als Kellnerin gefunden, Cathy hingegen hatte noch keine Ahnung, was sie tun wollte. Sie würde die Dinge einfach auf sich zukommen lassen.

Sie zog das kleine Gartentor hinter sich zu und zum ersten Mal an diesem Tag umspielte ein ehrliches Lächeln ihre Lippen.
Vielleicht konnte sie einfach sterben. Einfach darauf warten, dass ihr Herz aufhörte zu schlagen.
Doch dieses Glück war ihr nicht vergönnt. Ihr Herz schlug weiter. Das Pochen kam ihr unnatürlich laut vor. Wahrscheinlich würde er es hören. Vielleicht würden
sie es auch hören. Vielleicht würden sie einfach kommen und sie erlösen.

Dubh Rún
(FF)

This post has been edited 1 times, last edit by "Ayrina" (Apr 17th 2009, 8:27am)


8

Wednesday, April 8th 2009, 9:33am

Du hast mich nicht enttäuscht. Du beschreibst die Tatsachen sehr schön und man kann die einzelen Handlungen sehr gut verstehen-Ein ganz dickes Lob! Ich freue mich auf die nächste Fortsetzung!
Wer glaubt etwas zu sein hat aufgehört etwas zu werden

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9

Thursday, April 9th 2009, 8:22pm

So, jetzt bin ich endlich mal dazu gekommen, die Geschichte mit dem interessanten Titel zu lesen. (Gälisch?)

Also dein Prolog ist wirklich grandios. Deine Wortwahl ist superschön. Du bringst die Emotionen da total gut raus. Die Verzweiflung kommt in allen Aktionen und Beschreibungen total gut rüber.
Im Grunde klingt schon deine Zusammenfassung toll. "...wo Licht und Schatten zu einem undurchsichtigen grau verschwimmen" :love:

Und dann das 1. Kapitel. Immer noch toll! :) Bin sehr gespannt, was Cathy's Problem ist. Wieso sie nicht schläft etc. etc.! Und dann aber auch auf ihr neues Leben in Cork, was Dorothy für ein Charakter ist....

Ha, sowieso finde ich es super, dass deine Geschichte in Irland spielt. :thumbup:

stupid lamb

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10

Thursday, April 9th 2009, 10:03pm

Haay Ayrina :-)

Wirklich ein sehr spanender Aufbau am Anfang, das gefällt mir sehr gut. Vorallem, als du umschreibst, wie Cathy die Risse an der Decke beobachtet. In dieser Sequenz, kann man sich richtig gut hineinfühlen, Kompliment. Bin schon gespannt, wie es damit weiter geht! Schöne Sache...

liebe Grüsse



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Ayrina

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11

Wednesday, April 15th 2009, 8:07am

@Alice
Danke für dein Lob. Es freut mich, dass das Kapitel dir gefallen hat und ich hoffe, du bleibst auch weiterhin dran!!

@ColdRoses
Natürlich ist der Titel irisch(bzw. Gälisch). Ich mag das irgendwie! Es freut mich wirklich sehr, dass es dir gefällt (trotz OC). Aber die Originalcharaktere werden noch eine wichtige Rolle spielen. nur später und vielleicht anders, als man vermutet.
Das Cathy ein Problem hat hast du richtig bemerkt, aber was es genau ist, das wird erst später deutlich. Da musst du dich noch etwas gedulden! ;) Danke für dein liebes Kommi und dein liebes Lob! Ich hab mich sehr gefreut!

@stupid lamp
Danke für dein liebes Lob. Es freut mich,d ass du bei meiner FF vorbeigesehen hast und ich würde mich freuen, wenn du dran bleibst! Danke für dein Kommi!

Alles Liebe
Eure Rini :love:
Vielleicht konnte sie einfach sterben. Einfach darauf warten, dass ihr Herz aufhörte zu schlagen.
Doch dieses Glück war ihr nicht vergönnt. Ihr Herz schlug weiter. Das Pochen kam ihr unnatürlich laut vor. Wahrscheinlich würde er es hören. Vielleicht würden
sie es auch hören. Vielleicht würden sie einfach kommen und sie erlösen.

Dubh Rún
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12

Wednesday, April 15th 2009, 8:10am

2. Neuanfang


Umarmungen.
Glückwünsche, Freudentränen und noch mehr Umarmungen.
Alles in allem war das wohl alles, was sie von diesem Tag in Erinnerung behalten würde. Seit sie ihr Zeugnis bekommen hatte, lag sie ständig jemandem in den Armen. Zuerst bei ihren Eltern, die sie gar nicht mehr loslassen wollten. Eine kleine Träne stahl sich aus den blauen Augen ihrer Mutter und selbst ihr Vater, ein gestandener Mann der nur selten Gefühle zeigte, räusperte sich und Cathy wandte schnell den Blick ab, als sie das verräterische Glitzern in seinen Augen sah.
Stolz drückte Frank Brennan seiner Tochter die Schulter.
Cathy lächelte gequält und wünschte sich nichts mehr, als endlich all das hinter sich zu lassen. Seit mehr als zwei Stunden musste sie lächeln und sich von Leuten umarmen lassen, die sie sonst das ganze Schuljahr über nicht beachtet hatten. Besonders die schöne und eitle Nora schien plötzlich alle in ihr Herz zu schließen. Dabei hatte sie einen gewissen Teil der Schülerschaft bis dahin noch nicht einmal eines abfälligen Blickes gewürdigt. Cathy hasste diese Falschheit und Heuchelei.
„Können wir endlich gehen?“, fragte sie ihre Eltern genervt und wollte sich gerade auf den Weg zum Auto machen, als ihre Mutter sie an der Schulter festhielt.
„Ich glaube, da will dir noch jemand gratulieren.“ Ihre Stimme hatte einen seltsamen Klang angenommen und mit einem genervten Augenrollen wandte Cathy sich um. Wie viele Umarmungen musste sie denn noch über sich ergehen lassen? Hatte sie nicht langsam alle durch?
Ehe sie etwas erkennen konnte, hatte ein schwarzhaariges Mädchen die Arme um sie geschlungen und drückte sie fest an sich. Anders als die meisten Umarmungen dieses Tages fühlte diese sich ehrlich an. Aufrichtung und … vertraut?
“Doro?“, fassungslos sah Cathy das Mädchen vor sich an. „Du wolltest doch erst übermorgen kommen?“
Das Mädchen vor ihr zuckte grinsend die Schultern und entblößte einer Reihe weißer, fast perfekter Zähne. Nur der linke, obere Eckzahn stand ein wenig schief und gab ihrem Lächeln dadurch immer einen etwas frechen Ausdruck.
„Tja“, antwortete sie jetzt lachend. „Ich konnte mir diesen Tag doch nicht entgehen lassen.“ Sie beugte sie etwas näher zu Cathy und senkte bedeutungsvoll die Stimme. „Außerdem wollte ich dich diese ganze Tortur nicht alleine durchstehen lassen.“
Cathy legte noch einmal die Arme um sie und flüsterte ihr ein aufrichtiges „Danke“ ins Ohr.
„So, dann lasst uns mal verschwinden. Wir haben bei Harper’s einen Tisch bestellt und es wird langsam Zeit.“, schlug Cathys Vater vor und dankbar folgte sie ihm zu dem kleinen gemütlichen Restaurant in der Stadt.


Es war schon spät, als sie an diesem Abend endlich ins Bett kam. Sie war müde und ihr fielen fast die Augen zu. Doch in ihrem Kopf schwirrten zu viele Gedanken herum, als das an Schlaf zu denken gewesen wäre.
Morgen würde es soweit sein. Sie würde ihre Sachen nehmen und nach Cork gehen.
Mit Doro. Ursprünglich hatten sie geplant, das Cathy vorginge und versuchte, eine Wohnung zu finden. Doro würde dann einige Tage später nachkommen. Darüber, dass sie den ersten Schritt in ihr neues Leben nun gleich zusammen tun würden, war Cathy alles andere als traurig. Der Gedanke, allein in eine fremde, große Stadt zu gehen, hatte ihr Bauchschmerzen bereitet.
Sie würden zunächst in einem Hostel unterkommen und sich dann auf die Suche nach einer kleinen, günstigen Wohnung machen. Viel Geld würden sie nicht zur Verfügung haben, etwas, was die ganze Sache nicht einfacher machte, aber sie würden es schon hinbekommen. Es war ein Abenteuer und sie waren mehr als bereit, die Herausforderung anzunehmen.
Mit einem glücklichen Lächeln schloss Cathy die Augen und schlief fast augenblicklich ein.

Undeutliche Bilder, Stimmen die sie nicht kannte und die ihr doch auf unbestimmte Art und Weise vertraut waren. Farben, die ihre Augen nie zuvor gesehen hatten und denen sie keinen Namen geben konnte, die jedoch gleichzeitig so wunderschön waren, dass sie diesen Anblick nie wieder missen wollte.
Der Strudel umschloss sie, zog sie immer tiefer in ihren Bann. Eine Stimme hob sich von dem engelsgleichen Summen hervor und sagte etwas, dass sie nicht verstand. Immer drängender, immer unruhiger wurde jene wunderschöne Stimme und sie bekam Angst. Irgendetwas stimmte nicht. Die Bilder, die sie umgaben verschwammen zu einer alles verschlingender Dunkelheit und eine ungreifbare, doch tödliche Gefahr schien in den Schatten zu lauern. Schien nur darauf zu warten, sie in einem unbedachten Moment zu erwischen und sie zu vernichten. Sie wollte zurückweichen, wollte fliehen doch um sie herum war nichts als Schwärze. Die Stimmen waren verschwunden und sie war allein. Die unsichtbare Bedrohung kam näher, streckte ihre Finger nach ihr aus und ein kalter Schauer lief ihr den Rücken herab. Ein eisiger Griff schien sie zu umklammern und sich langsam um ihr Herz zu schließen. Es schlug langsamer, immer länger wurden die Abstände, bis es schließlich ganz verstummte.

Cathy schlug die Augen auf. Sie schwitzte nicht und sie schrie nicht. Diese Dinge hatte sie schon lange hinter sich gelassen. Auch wenn der Traum nichts von seinem Schrecken verloren hatte, so war sie doch nach all den Monaten an die grauenhaften Bilder gewöhnt. Wie jeden Tag verschwanden die Bilder auch diesmal, bevor sie sich genau an sie erinnern konnte. Die Stimmen und die Bedrohung verschwanden im Unterbewusstsein und warteten dort ungeduldig auf die nächste Nacht. Sie waren wie undeutliche Schemen am Rande des Gesichtsfeldes. Je mehr man versuchte, sich auf sie zu konzentrieren, umso undeutlicher wurden sie, bis sie vollständig mit der Umgebung verschmolzen waren.
Doch auch wenn die Bilder und Stimmen verschwanden, das ungute Gefühl der drohenden Gefahr blieb und fraß sich zu ihrem schnell schlagenden Herzen. Reglos lag Cathy auf ihrem Bett und starrte an die Decke. Geduldig wartete sie darauf, dass ihr Herzschlag sich beruhigte. Wie jede Nacht folgten ihre Augen den Linien an der Decke und sie fragte sich, ob sie sich in den vergangenen 24 Stunden verändert hatten. War der eine Riss nicht einen Bruchteil länger als gestern? War jener kleine Spalt nicht ein Stück breiter? Nichts hatte Bestand. Alles war dazu bestimmt zu verfallen. Nichts hielt für die Ewigkeit. Früher oder später bekam alles seine ersten Risse. Die Perfektion begann zu bröckeln und zeigte die darunter liegende Schwäche, die Makel, die alles in dieser Welt hatte. Egal wie viel Farbe man darüber strich, irgendwann schienen sie immer durch. Bei manchen Dingen eher, bei manchen später.
Sie wandte den Blick zu dem bleichen Viereck des Mondlichts auf dem Boden und lauschte auf das Ticken des Weckers. Wahrscheinlich drei Uhr. Leise seufzend wandte sie wieder den Blick zur Decke und wartete reglos, dass die letzten Stunden der Nacht vergingen und der Tag sie aus den Fängen der Dunkelheit rettete.

Als sie einige Stunden später den letzten Koffer in den alten, rostigen Käfer hievte und mit aller Kraft die Heckklappe zuwarf, ergriff ein wohliges Gefühl freudiger Erwartung sie. Endlich. Endlich würde sie ihr neues Leben beginnen. Endlich würde sich etwas ändern. Sie wandte sich zu ihren Eltern um, die sich gerade herzlich von Doro verabschiedeten. Ihre Mutter konnte wieder einmal die Tränenflut nicht stoppen, die ihr aus den blauen Augen floss. Sie war schon immer nah am Wasser gebaut und ihre einzige Tochter ziehen zu lassen, brach ihr wahrscheinlich das Herz. Doch auch ihr Vater hatte mit diesem Moment zu kämpfen. Er hatte sich nun schon sooft durch das schwarze Haar gestrichen, dass es wirr in alle Richtungen abstand. Mit einem liebevollen Lächeln trat Cathy zu ihm und legte ihm die Arme um den Hals.
„Machs gut Daddy“, flüsterte sie und ihr Vater schloss die Arme ein wenig fester um seine Tochter.
„Pass auf dich auf, Engelchen.“, flüsterte er und seine Stimme war rau.
„Mach ich“, versicherte Cathy und löste sich von ihm. Mit einem traurigen Lächeln strich ihr Vater ihr über die Wange.
Dann straffte er die Schultern und zwang sein Gesicht zu einem Lächeln. Cathy brach es fast das Herz. Doch das Schlimmste stand ihr noch bevor. Sie holte ein letztes Mal tief Luft und sah dann in die traurigen, tränennassen Augen ihrer Mutter.
„Ach Mum“, sagte sie leise und schloss die kleine, etwas rundliche Frau in ihre Arme. Fest klammerte ihre Mutter sich an sie, als würden sie sich nie wieder sehen.
„Ich komme euch ganz oft besuchen“, versprach Cathy und vergrub ihr Gesicht ein letztes Mal in den hellen Haaren ihrer Mutter.
„Das musst du auch“, schluchzte sie, dann schob sie ihre Tochter ein Stück von sich.
„Passt bloß auf euch auf, hörst du?“
„Natürlich. Wir rufen an, sobald wir gelandet sind“, rief Doro vom Wagen und Cathy trat zu ihr. Sie winkte ihren Eltern ein letztes Mal zu, bevor sie mit ihrer Freundin in den Wagen stieg.
Mit einem Knallen startete der Motor und als das kleine Haus ihrer Eltern hinter der Kurve verschwunden war wandelte sich der Abschiedsschmerz in freudige Erwartung.
Sie blickte zu Doro und sah in ihren Augen die gleiche Ungeduld und Aufregung, die sie auch ergriffen hatte. Doro grinste und Cathy lachte auf.
„Dann kann das Abenteuer ja beginnen“, sagte Doro und klatschte vor Ungeduld in die Hände.
„Auf in unser neuer Leben!“, rief Cathy und trat aufs Gas.
Die Kilometer flogen dahin. Die Sonne stand hoch am blauen Himmel und bald wurde es heiß in dem kleinen Wagen. Sie waren fast allein auf der Autobahn nach Cork, doch je näher sie der Stadt kamen, umso voller wurden die Straßen.
Entnervt stöhnte Cathy auf, als Doro zum hundertsten Mal den Sender des Autoradios umstellte.
„Hast du dann bald das passende Lied gefunden?“, maulte sie und versuchte sich auf den Verkehr vor sich zu konzentrieren. Es war Donnerstagmittag. Wieso um alles in der Welt wollten so viele Leute nach Cork? Es waren nur noch etwa zehn Kilometer bis zu dem kleinen Hostel, wo sie für die ersten Tage ein Zimmer gemietet hatten, aber seit einer guten halben Stunde floss der Verkehr nur noch im Schneckentempo vorwärts.
„Wenn die alle ne Wohnung suchen, können wir uns gleich ein Zelt kaufen.“, murrte sie weiter und versuchte das Rauschen zu ignorieren, als Doro ohne auf ihr Schimpfen zu achten weiter nach einem vernünftigen Sender suchte.
„Hah!“, rief das Mädchen triumphierend, als sie Pokerface von Lady GaGa fand. Sie drehte die Lautstärke nach oben und begann mehr laut, als schön mitzusingen. Cathy musste nun doch grinsen und bald wippte ihr Kopf leicht im Takt. Beim Refrain stimmte sie dann in Doros Gesang mit ein. Nicht sonderlich besser aber auch nicht leiser.
Da sie wegen der Hitze die Fenster heruntergekurbelt hatten, warfen ihnen die anderen Autofahrer bald belustigte und manchmal auch genervte Blicke zu. Doch das kümmerte sie nicht. Plötzlich spielte der Verkehr keine Rolle mehr. Sie hatten alle Zeit der Welt. Ihr neues Leben fing gerade erst an. Sie würden sich eine niedliche, kleine Wohnung suchen und einen Job finden. Sie würden endlich auf eigenen Beinen stehen.

Als sie sich dann geschlagene zwei Stunden später endlich auf die schlichten, recht unbequemen Betten des kleinen Hostels fallen ließen, machte sich die Erschöpfung doch bemerkbar.
„Ich bin hundemüde“, murmelte Cathy und schloss die Augen.
„Nichts da“, widersprach Doro und zog sie hoch. „Ich will mir die Stadt ansehen und du kommst mit.“
Mit einem Seufzen ließ Cathy sich auf die Beine ziehen, schnappte sich ihre Tasche und gemeinsam verließen sie das Zimmer. Das Hostel war klein und offenbar nicht mehr das neuste. Die Fotos auf der Homepage hatten die Besitzer offenbar gründlich nachbearbeitet. Die Wände waren mit Flecken übersäht, die auf einen alten Wasserschaden hinwiesen. Der hässliche, braune Teppich war stellenweise durchgelaufen und löchrig und in dem ganzen Haus roch es modrig. Außer ihnen waren offenbar nur noch fünf andere Gäste da. Ein junges Paar aus Frankreich und drei junge Männer aus England. Die alte Frau am Empfang blickte sie mürrisch an, als sie das Hostel verließen und Cathy verzichtete darauf ihren Schlüssel an der Rezeption abzugeben. Irgendwie hatte sie das Bedürfnis, so wenig Kontakt wie möglich mit der unfreundlichen Empfangsdame zu haben.
Sie beeilten sich, aus dem stickigen Hotel herauszukommen und sogen dankbar die frische Luft ein, als sie auf die Straße traten. Lachend hakte Doro sich bei Cathy unter und zusammen erkundeten sie die Stadt, in der sie in Zukunft leben würden.
Vielleicht konnte sie einfach sterben. Einfach darauf warten, dass ihr Herz aufhörte zu schlagen.
Doch dieses Glück war ihr nicht vergönnt. Ihr Herz schlug weiter. Das Pochen kam ihr unnatürlich laut vor. Wahrscheinlich würde er es hören. Vielleicht würden
sie es auch hören. Vielleicht würden sie einfach kommen und sie erlösen.

Dubh Rún
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13

Wednesday, April 15th 2009, 8:54am

Sehr schön gemacht!
„Hah!“, rief das Mädchen triumphierend, als sie Pokerface von Lady GaGa fand.
Das entspricht ganz meinem Geschmack, gute Wahl!
Die Albträume hast du so beschrieben, so dass man sie sich wortwörtlich vorstellen kann. :respect:
Bitte schreibe bald weiter!
Wer glaubt etwas zu sein hat aufgehört etwas zu werden

stupid lamb

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14

Wednesday, April 15th 2009, 6:04pm






Tolle Fortsetzung :-)! Die Traumphase, ist sehr gut nachempfindbar, gut beschrieben Kompliment. Cathys Mam, erinnert mich voll an meine eigene Ma. Musste gleich lächeln, als ich den Part der Verabschiedung las hehe.Hey, ich lese deine Geschichte wirklich gern, du hast einen unterhaltsamen Schreibstyl, der super lesbar ist.

Freue mich auf eine Fortsetzung, bin schon gespannt, wen Cathy so nues kennenlehrnt ;-))



liebe Grüsse



stupid lamb






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Ayrina

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15

Friday, April 17th 2009, 8:22am

@Alice
Schön, dass dir die Traumphase und das Lied gefallen haben. Ich fand es in dem Moment irgendwie passend! ;)
Danke für dein Kommi und dein Lob. Ich hoffe, das nächste Kapitel gefällt dir auch.

@Stupid Lamb
Hihi, freut mich, dass Cathys Mum dich an deine eigene erinnert. Ja, in manchen Sachen ist sie die typische Mutter. Besonders wenn es darum geht, das einzige Kind ziehen zu lassen. ;) es freut mich, dass das Kapitel dir gefallen hat. Vielen Dank für dein Lob!

Alles Liebe
eure Rini :love:
Vielleicht konnte sie einfach sterben. Einfach darauf warten, dass ihr Herz aufhörte zu schlagen.
Doch dieses Glück war ihr nicht vergönnt. Ihr Herz schlug weiter. Das Pochen kam ihr unnatürlich laut vor. Wahrscheinlich würde er es hören. Vielleicht würden
sie es auch hören. Vielleicht würden sie einfach kommen und sie erlösen.

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16

Friday, April 17th 2009, 8:24am

3. Glück im Unglück?


Missmutig strich Cathy die Adresse auf ihrem Zettel ab. Von zehn Anschriften waren nun nur noch zwei offen. Die Wohnungssuche gestaltete sich als schwieriger, als sie und Doro erwartet hatten. Seit drei Wochen wohnten sie jetzt schon in dem heruntergekommenen Hostel und langsam wurde es richtig teuer. Doch irgendwie schien sich ganz Cork gegen sie verschworen zu haben. Dabei waren ihre Ansprüche nun wirklich nicht übertrieben. Sie wollten eine kleine Wohnung mit zwei Zimmern, die sie nicht sämtliche Ersparnisse im ersten Monat kostete und in einem einigermaßen vernünftigen Zustand war. Doch offenbar war das zuviel verlangt.
Sie kramte wieder ihren Stadtplan aus der Tasche und suchte die nächste Adresse.
„Großartig“, grummelte sie. Zu Fuß war sie bis dorthin eine gute halbe Stunde unterwegs. Da Doro das Auto brauchte, um in das kleine Café zu kommen, wo sie kellnerte, musste Cathy die Wohnungssuche zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln bestreiten. Am Anfang war das kein Problem, doch inzwischen überlegte sie es sich zweimal, ob sie das Geld für den Bus wirklich ausgeben wollte. Sie wusste nicht, wie viel Geld sie brauchen würde, ihre neue Wohnung wenigstens behelfsmäßig einzurichten und wollte so viel Geld wie möglich sparen.
Seufzend packte sie den Stadtplan wieder ein und schielte zu dem grauen Himmel. Seit zwei Tagen regnete es ununterbrochen und Cathys Laune war auf dem Tiefpunkt. Sie holte ihren Schirm heraus und trat aus dem Hauseingang des alten, verfallenen Mietshauses. 800 Euro kalt für eine kleine Zweizimmerwohnung, die Wände voller Schimmel und der Boden abgewetzt. Cathy schüttelte sich vor Ekel, als sie an die eben besichtigte Wohnung dachte. Schnell schritt sie aus und brachte so viel Abstand wie möglich zwischen sich und das Haus. Ein frischer Wind war aufgekommen und ließ sie frösteln. Nur wenige Menschen waren unterwegs, die meisten waren arbeiten oder saßen gemütlich in ihren Wohnungen.
Die Glücklichen, dachte Cathy bitter. Plötzlich erfasste ein heftiger Windstoß ihren Schirm und eh sie es verhindern konnte, brach der obere Teil ab und hing wie ein trauriges Zweiglein an einem toten Baum.
„Verdammter Mist!“, fluchte sie laut und pfefferte den Schirm in einen nahen Mülleimer. Innerhalb weniger Sekunden war ihr Haar klatschnass und hing ihr in Strähnen über das Gesicht. Wütend stapfte sie weiter durch den Regen, den Kragen der dünnen Jacke hochgeschlagen, die Hände tief in den Taschen vergraben. Vielleicht hätte sie doch den Bus nehmen sollen. Da wäre es wenigstens trocken gewesen. Wie um sie zu verhöhnen fuhr in diesem Moment der Bus an ihr vorbei, Genau auf ihrer Höhe fuhr er durch eine tiefe Pfütze auf der Straße und Cathy versuchte gar nicht erst auszuweichen. Es hatte ohnehin keinen Zweck. Verzweifelt spürte sie, wie das aufspritzende Wasser ihr rechtes Hosenbein komplett durchnässte. Am liebsten hätte sie geschrieen. Stattdessen stapfte sie weiter durch den strömenden Regen. Wenn diese Wohnung jetzt nicht ein traumhaftes Appartement zu einem Spottpreis war, das diese ganze Tortur verdient hatte, würde sie irgendetwas gegen die Wand schmeißen.
Der Weg kam ihr unendlich lang vor. Als sie um die letzte Ecke bog, sah sie ein hohes, schönes Mehrfamilienhaus. Es wirkte gepflegt, die Wände in einem zarten Gelb, das selbst jetzt bei diesem grauen Wetter eine angenehme Wärme auszustrahlen schien. Es hatte große Fenster und lag in einer ruhigen Seitenstraße. Von außen war es alles, was Cathy sich erträumt hatte und noch mehr.
„Perfekt.“, flüsterte sie und ein lächeln glättete die grimmigen Züge. Sie beschleunigte ihre Schritte und ihr Herz schlug vor Aufregung. Sollten sie endlich Glück haben?
Bevor sie den kleinen weißen Klingelknopf neben dem Namen des Vermieters drücken konnte, öffnete sich die Tür und ein großer, beleibter Mann trat heraus. Er hatte einige Unterlagen in der Hand und war in einen ordentlichen und offensichtlich recht teuren Anzug gekleidet. Cathy wollte den Blick schon abwenden, als sie auf einem der Ordner in seiner Hand den Namen McCollin las. Ehe der Vermieter an ihr vorbei war sprach sie ihn an.
„Mr. McCollin?“, fragte sie freundlich.
Irritiert warf der Mann dem durchnässten Mädchen vor sich einen abschätzigen Blick zu.
„Ja?“, sagte er vorsichtig.
„Mein Name ist Cathrin Brennan und ich bin hier wegen der Wohnungsbesichtigung.“ Sofort trat ein förmlicher, bedauernder Blick in die graublauen Augen des Mannes.
„Oh, das tut mir leid. Die Wohnung ist vor zehn Minuten vermietet worden.“ Cathys Magen krampfte sich zusammen. Das durfte doch nicht wahr sein. Wäre sie mit dem Bus gekommen, hätte sie vielleicht eine Chance gehabt. Sie verfluchte sich, sie verfluchte Cork und sie verfluchte das ganze, verdammte Schicksal, das sich gegen sie verschworen zu haben schien.
„Oh.“, sagte sie nur. Zu mehr hatte sie nicht die Kraft.
„Das tut mir wirklich leid.“, wiederholte Mr. McCollin und schob sich nun an ihr vorbei. Er spannte seinen schwarzen Schirm auf und lief zu dem dunklen Audi, der vor dem Haus parkte. Enttäuscht sank Cathy auf die Stufen vor der verschlossenen Tür und lehnte sich mit dem Rücken an das Holz. Vielleicht sollten sie die ganze Sache abblasen und wieder zu ihren Eltern gehen. Vielleicht waren sie einfach nicht dafür bestimmt in Cork zu leben. Seufzend lehnte sie den Kopf an die Tür und schloss die Augen. Unablässig prasselte der kalte regen auf ihr Gesicht, doch es war ihr egal. Es war ihr egal, dass der kühle Wind sie frösteln ließ. Dann wurde sie eben krank. Und wenn schon? Alles war in diesem Moment egal. Sie lauschte auf die leisen Geräusche der nahen Hauptstraße und suchte vergeblich nach dem Funken Hoffnung in ihrem Inneren, der ihr die Kraft gab, weiterzumachen.
Sie wusste nicht, wie lange sie auf den Stufen saß. Der Regen hatte noch immer nicht nachgelassen und fiel in großen Tropfen auf das dunkle Pflaster des Weges.
„Hast du dich ausgeschlossen?“ Die Stimme riss Cathy aus ihren Gedanken und erschrocken fuhr sie zusammen. Sie schirmte die Augen mit der Hand gegen den Regen ab und sah nach oben. Vor der Tür stand ein junger Mann mit braunem Haar und zwei großen Einkaufstüten. Er hatte einen Schlüssel in der Hand und wollte offenbar zu der Tür, die sie versperrte.
„Schön wär’s“, murmelte sie und erhob sich. Sie machte dem jungen Mann Platz und zog die nasse Jacke etwas enger um sich.
Er schaute sie prüfend an und zog fragend eine Augenbraue hoch.
„Alles okay?“, fragte er freundlich und Cathy sah ihn offen an. Er sah gut aus. Nicht eines jener langweilig-schönen Hollywoodgesichter, aber seine Augen waren freundlich und strahlten etwas aus, was ihr sympathisch war.
„Nein“, antwortete sie ehrlich. „Aber ich komm schon klar. Danke.“ Er schloss die Tür auf und lächelte.
„Kann ich dir vielleicht einen Kaffee zum Aufwärmen anbieten? Oder einen Schirm? Ich hab auch ne Dusche, falls es dir hier nicht nass genug ist.“ Er zwinkerte und Cathy konnte nicht verhindern, dass sie lachen musste.
„Ich weiß nicht“, wehrte sie nicht sehr überzeugend ab.
„Komm erst mal rein. Du kannst es dir drin noch überlegen.“ Er hielt ihr die Tür auf und nach kurzem Zögern trat Cathy ein. Es war unerwartet kühl in dem hohen Flur. Die Wände waren in warmem Beige und dunklem Braun gehalten. Die Treppe aus grauem Stein war sauber und es roch angenehm frisch. Jetzt ärgerte sie sich noch mehr, dass sie zu spät gekommen war und bereute es fast, das Haus betreten zu haben.
„Komm mit“, forderte der junge Mann sie auf und Cathy folgte ihm. Er ging eine kleine Treppe runter und schloss eine weitere Tür auf.
Sie betraten ein kleines Appartement. Es bestand nur aus einem Zimmer mit einer kleinen Kochnische und versteckt hinter einem Raumteiler konnte Cathy ein Bett erkennen. Die einzige weiter Tür in dem Raum führte wahrscheinlich in ein Badezimmer. Es war unordentlich, aber auf eine charmante Art und Weise. Neben einem Regal lagen mehrere Stapel von zerlesenen Büchern, auf dem Sessel stapelte sich Wäsche und mitten im Raum lagen mehrere Notenblätter verteilt. Eine Gitarre lehnte an einem der nicht zusammenpassenden Stühle und hastig stellte der Mann die Tüten ab. Er schob sich an ihr vorbei und raffte schnell die Noten zusammen und warf die Wäsche auf das Bett.
„Sorry, vielleicht hättest du mir zwei Minuten Vorsprung geben sollen.“ Er grinste verlegen. Dann deutete er auf die Tür zu seiner rechten.
„Dort ist das Badezimmer. In dem Regal rechts findest du frische Handtücher und eine Dusche ist auch da, falls du noch Wasser brauchst.“
„Danke“, sagte Cathy lächelnd und ging in das Badezimmer. Es war klein aber sauber. Neben einem kleinen Waschbecken und einer Toilette war eine schmale Dusche das einzige in dem Raum. Sie nahm sich eines der Handtücher aus dem Regal und zog sich die Jacke aus. Dann warf sie wider besseren Wissens einen Blick in den Spiegel und bereute es sofort. Sie sah grauenhaft aus. Ihr Haar hing in nassen, unansehnlichen Strähnen ins Gesicht, ihre Nase war von der Nässe und dem kalten Wind gerötet. Sie nahm das Handtuch und rubbelte sich die Haare trocken. Danach trocknete sie sich das Gesicht. Etwas besser, aber nicht viel. Sie band sich das nasse Haar zurück und sah an ihrer nassen Kleidung herab. Dagegen konnte sie jetzt nichts tun. Sie warf einen letzten Blick in den Spiegel und trat zurück in das Zimmer.
Ihr Retter hatte offenbar Kaffee aufgesetzt, denn das unverkennbare Knattern der Maschine und der typische Kaffeegeruch erfüllten den Raum. Er stellte gerade zwei Tassen auf einen kleinen Tresen bei der Küche und sah lächelnd auf, als er sie hörte.
„Na? Besser?“
„Auf jeden Fall, danke!“ Sie ließ sich auf einen der Stühle fallen und genoss die Wärme und Trockenheit des kleinen Appartements.
„Ich heiße übrigens Cathy.“, stellte sie sich verspätet vor.
„Oh natürlich, entschuldige. Ich bin Nick.“ Er eichte ihr die Hand und grinsend ergriff Cathy sie.
„Freut mich. Du hast echt ein tolles Appartement.“ Bewundernd sah sie sich in dem kleinen, aber hellen Raum um.
Er zuckte die Schultern und holte den Kaffee.
„Das Appartement hab ich nur bekommen, weil ich hier als Hausmeister arbeite. So kann ich mir mein Musikstudium finanzieren.“
„Du studierst Musik?“, Cathy war ehrlich beeindruckt. Sie selbst war so unmusikalisch wie ein Besen und bewunderte jeden, der mehr als einen geraden Ton herausbrachte.
„Ja, im dritten Jahr. Ohne den Job hier hätte ich mir diese Wohnung nie leisten können.“, erklärte er. „Und sie ist ideal für mich. Ich kann hier ungestört üben und bin schnell bei der Musikhochschule.“
„Da hattest du echt Glück.“ Cathy konnte nicht verhindern, dass sich die Enttäuschung wieder in ihre Stimme schlich.
„Willst du mir jetzt verraten, warum du vor der Tür im Regen gesessen hast? Hast du auf jemanden gewartet?“
„Nein. Ich wollte mir hier eigentlich ne freie Wohnung ansehen, aber als ich kam, war sie gerade weg.“ Der alte Groll kam zurück und sie ballte die Hand unter dem Tisch zur Faust.
„Das war heute die neunte und insgesamt die zwanzigste Wohnung, die ich mir angesehen habe, aber meistens sind es nichts weiter als überteuerte Dreckslöcher. Und diese Wohnung wäre einfach perfekt gewesen.“ Sie trank einen Schluck Kaffee und spürte, wie das heiße Getränk den Knoten der Wut in ihrem Inneren ein wenig löste.
„Das tut mir leid.“, sagte Nick ehrlich. Cathy zuckte die Schultern.
„Da kannst du ja nichts dafür. Dann muss ich wohl weitersuchen.“
Einen Moment tranken sie schweigend ihren Kaffee, bis Cathys Blick plötzlich auf die altmodische Uhr in der Wand fiel. Erschrocken fuhr sie zusammen und stellte die Tasse so heftig ab, dass ein Teil des Kaffees sich auf den dunklen Tresen ergoss.
„Oh Mist, ich muss weiter, In zehn Minuten habe ich den nächsten Besichtigungstermin.“ Hektisch griff sie nach ihrer nassen Jacke und zog sie sich über.
„Wo musst du denn jetzt hin?“, fragte Nick und stand ebenfalls auf.
„In die Coopers Street.“
Nick schüttelte lächelnd den Kopf und griff ebenfalls nach seiner Jacke. „Das schaffst du niemals in zehn Minuten. Ich fahr dich.“
Überrascht hielt Cathy inne.
„Das ist wirklich nicht nötig. Du hast mir ein Handtuch und Kaffee gegeben, das ist mehr als genug. Vielen Dank. Ich werde den Bus nehmen.“
Lächelnd trat er zur Tür und öffnete sie.
„Der Bus braucht eine halbe Stunde bis dahin. Komm schon, oder willst du das gleiche Drama wie hier noch einmal erleben?“ Er zwinkerte ihr zu und Cathy musste grinsen.
„Danke.“, sagte sie ergeben lächelnd und schob sich an ihm vorbei in den Flur.
Zwei Minuten später rasten sie in einem alten, klapprigen Golf durch die Straßen von Cork. Schon nach drei Abbiegungen hatte Cathy komplett die Orientierung verloren. Sie dachte, sie würde sich inzwischen ganz gut in der Stadt auskennen, aber all die kleinen Schleichwege und Seitenstraßen, die Nick entlang schoss, sorgten dafür, dass sie nicht einmal mehr sagen konnte, in welche Himmelrichtung sie fuhren.
Keine zehn Minuten später hielt er mit quietschenden Reifen vor einem alten, schiefen Haus. An der Ecke standen zwei junge Frauen mit tiefen Ringen unter den apathischen Augen, deren Beruf auch ohne rote Handtasche leicht zu erraten war. Irgendwo ging Glas mit einem lauten Scheppern zu Bruch und Cathy wurde mulmig. Sie drückte sich tiefer in den Sitz und verschränkte fröstelnd die Hände vor der Brust. Hier wollte sie nicht wohnen. Hier wollte sie nicht einmal aussteigen. Mit einem unbehaglichen Blick spähte Nick aus dem Fenster.
„Tja, da wären wir.“, sagte er leise, ohne den Motor abzustellen.
„Ganz sicher nicht.“, brummte Cathy und holte den Zettel mit den Adressen hervor. Mit grimmiger Wut strich sie die letzte Adresse darauf so heftig durch, dass der Stift das Papier zerriss. Zornig knüllte sie den Zettel zusammen und warf ihn in ihre Tasche.
„Tja, das war dann wohl wieder nichts!“ Mutlosigkeit breitete sich in ihr aus und die Verzweiflung kehrte zurück. Sie würde nie eine Wohnung finden.
„Tut mir wirklich leid.“, meinte Nick mit ehrlichem Bedauern in der Stimme.
Cathy zuckte nur hilflos mit den Schultern.
„Wenn du magst, kann ich dich gerne noch nach Hause fahren.“, bot er an und Cathy zögerte. Die Höflichkeit würde gebieten, das Angebot abzulehnen. Nick hatte schon mehr als genug für sie getan. Aber sie hatte keine Kraft mehr für diese Art von Rücksichtnahme. Dankbar nickte sie und nannte ihm die Adresse des Hostels. Diesmal fuhr er langsamer, fast zu langsam, fand Cathy. Es schien beinahe so, als wollte er die Fahrt künstlich in die Länge ziehen, doch ihr fiel einfach kein guter Grund dafür ein. Sie hatte auch keine Lust, sich den Kopf darüber zu zerbrechen. Müde schloss sie die Augen und lehnte sich in dem alten Sitz zurück. Dankbar realisierte sie, dass Nick schwieg. Sie wollte jetzt nur Ruhe. Wollte sich nur in ihrer Verzweiflung suhlen und einfach in das schwarze Loch der Trostlosigkeit fallen. Wenigstens für ein paar Minuten, bevor sie wieder die zuversichtliche und hoffnungsvolle Freundin für Doro sein musste. Doro verlor so schnell den Mut und würde sofort die Zelte abbrechen, wenn sie merkte, dass Cathy an ihrem Leben in Cork zu zweifeln begann.
Der Regen prasselte auf die Frontscheibe des Wagens und das Geräusch beruhigte sie ein wenig. Bei ihren Eltern war sie bei Regen immer auf den Dachboden geschlichen und hatte dem Trommeln der Tropen auf dem Dach gelauscht. Nichts hatte so eine tröstende Wirkung auf sie, wie der Regen.
Sie fragte sich, was ihre Mutter wohl dazu sagen würde, dass sie sich von einem Mann, den sie gerade mal eine halbe Stunde kannte durch Cork kutschen ließ. Sie wäre sicherlich entsetzt. Ein Grinsen schlich sich auf ihr Gesicht. Normalerweise legte sie die gleiche gesunde Skepsis Fremden gegenüber an den Tag, die ihre Mutter auch hatte. Nick machte allerdings nicht den Eindruck eines heimtückischen Serienmörders und ein bisschen Hilfe konnte sie heute wirklich gut gebrauchen.
Sie öffnete die Augen erst wieder, als Nick den Wagen anhielt. Er parkte direkt vor dem Hotel im Halteverbot und ließ den Motor laufen.
„So.“, sagte er nur.
Sie lächelte ihn an.
„Vielen Dank! Du hast mir echt geholfen. Ohne dich säße ich wahrscheinlich immer noch im Regen.“
Sie öffnete die Tür und löste den Sicherheitsgurt, als er sie plötzlich zurückhielt.
„Hey, wenn du willst kann ich mich mal ein wenig umhören, was eine Wohnung angeht. Viele gute Sachen werden über Beziehungen vermietet, ohne dass sie je den Weg in eine Zeitung oder ins Internet schaffen. Falls ich was höre, kann ich dir ja Bescheid sagen. Falls du mir deine Nummer gibt’s.“ Er grinste sie an und Cathy erwiderte das Lächeln. Sie holte den zerknüllten Zettel wieder aus der Tasche, strich ihn glatt und kritzelte schnell ihre Handynummer und ihren Namen darauf.
„Danke!“, wiederholte sie und reichte ihm das Blatt.
Dann sprang sie aus dem Wagen und rannte die wenigen Schritte zur Tür des Hostels. Sie winkte Nick noch einmal kurz zu, ehe sie sich umwandte und im Haus verschwand.
Vielleicht konnte sie einfach sterben. Einfach darauf warten, dass ihr Herz aufhörte zu schlagen.
Doch dieses Glück war ihr nicht vergönnt. Ihr Herz schlug weiter. Das Pochen kam ihr unnatürlich laut vor. Wahrscheinlich würde er es hören. Vielleicht würden
sie es auch hören. Vielleicht würden sie einfach kommen und sie erlösen.

Dubh Rún
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17

Friday, April 17th 2009, 9:33am

Dieses Kapitel ist genau so schön wie die anderen geworden. Aber ist Cathy nicht in Amerika, Dollar? Keine Ahnung, aber trotzdem habe ich nichts zu bemengeln. Mach so weiter bei den nächsten Kapitel!
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Ayrina

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18

Friday, April 17th 2009, 9:54am

Hallo Alice,

nein, Cathy ist in Irland. Hatte ich ganz am ANfang geschrieben und Cork liegt ja auch in Irland. ;)
Freut mich, dass das Kapitel dir gefällt. Danke für dein Kommi!

Deine Rini :love:
Vielleicht konnte sie einfach sterben. Einfach darauf warten, dass ihr Herz aufhörte zu schlagen.
Doch dieses Glück war ihr nicht vergönnt. Ihr Herz schlug weiter. Das Pochen kam ihr unnatürlich laut vor. Wahrscheinlich würde er es hören. Vielleicht würden
sie es auch hören. Vielleicht würden sie einfach kommen und sie erlösen.

Dubh Rún
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19

Friday, April 17th 2009, 3:35pm

Oh, peinlich peinlich... Mein Gedächtnis lässt mich schon langsam im stich,^^
Wer glaubt etwas zu sein hat aufgehört etwas zu werden

stupid lamb

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Friday, April 17th 2009, 5:56pm

Hallöchen Ayrina^^

Also dein 3. Kapitel ist supi! Von wegen Talent zum schreiben, das Talent hier bist du meine Liebe ;-) hehe... Nein echt, du schreibst sehr gut und vorallem umschreibst, du die Dinge sehr schön.

Also Cathy hat ja gerade zeimlich Pech, die arme^^ aber wie sagt man, Glück im Unglück? Ich kann mir denken, dass Nick noch eine Rolle spielen wird ;-)? Er klingt sehr interessant und die Tatsache, dass er ein Musikstudium absolviert, macht ihn für mich, sehr symphatisch.


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„Hast du dich ausgeschlossen?“ Die Stimme riss Cathy aus ihren Gedanken und erschrocken fuhr sie zusammen. Sie schirmte die Augen mit der Hand gegen den Regen ab und sah nach oben. Vor der Tür stand ein junger Mann mit braunem Haar und zwei großen Einkaufstüten. Er hatte einen Schlüssel in der Hand und wollte offenbar zu der Tür, die sie versperrte.
„Schön wär’s“, murmelte sie und erhob sich. Sie machte dem jungen Mann Platz und zog die nasse Jacke etwas enger um sich.

Wirklich eine sehr amusante Sequenz. Ich musste lächeln, als ich mir Cathy vorstellte, wie sie resigniert auf der Treppe sass und Nick diesen spielerischen Eingangssatz zu ihr sagt... hehe einen raffinierten Anfang einer Konversation, hast du dir da ausgedacht toll ;-) Wenn ich Cathy gewesen wäre, hätte ich wohl sogar wirklich gelächelt :D

Bin gespannt wies weiter geht...


liebe Grüsse

stupid lamb


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