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Severn

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Monday, July 27th 2009, 1:29pm

Aurora Borealis Kapitel


  • Autor/in: Severn
  • Altersbeschränkung: ab 16 Jahren
  • Kapitelanzahl: stehen noch nicht fest in etwa über 80
  • Hauptcharaktere: Die Cullens und Tempes/ Raik; Wolfsrudel (inklusive Jacob) und Wendy
  • Betaleserin: meine goldige Puppe May
  • Inhaltsangabe: Meine Geschichte beginnt nach Breaking Dawn. Sie ist aus Edwards Sicht geschrieben. Stellen wir uns vor, es wäre in Breaking Dawn zum Kampf gekommen und die Familie Cullen wäre schwer dezimiert worden. Die Überlebenden leiden und die Situation erscheint auswegslos. Doch dann gibt es eine Möglichkeit die Familie wieder zu vereinen, aber nur unter Aufbringung eines Opfers. Edward macht eine Zeitreise und muss erneut um Bellas Herz kämpfen, denn sie erinnert sich nicht mehr an ihn. Gelingt es ihm sie zurück zu erobern? Doch auch das wird nicht das einzige Problem bleiben.
  • Disclaimer : Bis auf Tempes/ Raik und Wendy gehören alle Charaktere S. Meyer und ich verdiene kein Geld mit der Story.
    Die Geschichte ist auf meinem Mist gewachsen, aber ich nehme immer wieder Bezug zu den einzelnen Büchern.
  • Ich möchte darum bitten, dass diese Geschichte nicht ohne meine ausdrückliche Erlaubnis kopiert und/ oder an anderer Stelle veröffentlicht wird. Weder in Deutsch noch in einer unauthorisierten Übersetzung!
  • Anmerkungen: Die Zeitsprünge können etwas verwirrend sein. Zwischendurch gibt es kleine POV- Wechsel, die aber entsprechend vor den Kapiteln angekündigt werden. Dies ist meine erste Fanfiction also seid bitte ruhig sehr kritisch! (Ich meine das ernst!)
  • In diesem Thread werden nur die Kapitel veröffentlicht und ich bitte euch nicht hier sondern im entsprechenden Thread eure Reviews abzugeben. Ich freue mich sehr über jedweden Kommentar. Ich musste das Ganze auslagern, wegen der hohen Anzahl eurer Antworten. Danke dafür! Ich werde dort auch alle eure Fragen beantworten.
  • Kommentare bitte hier äußern: Aurora Borealis Diskussionsthread 4
Auf Wunsch habe ich einige Siganturvorschläge erstellt. Wenn ihr Werbung für meine FF machen wollt, fände ich das einfach grandios und ich bedanke mich hiermit bei allen, die es wirklich tun! Kreative Einfälle von euch würden mich freuen! Auch Carlie Cullen und Edward A.Cullen haben Signaturen erstellt.

Ein Bild von Raik findet ihr hier: Raik, wie ich ihn mir vorstelle und ein "Interview mit Raik" nach dem Kapitel "Wellen" (sollte auch nicht eher gelesen werden)
Ebenso findet ihr auch hier ein "Interview mit Wendy" , nach dem selben Kapitel.

Ich wurde zu dieser FF und zum Schreiben selbst interviewed. Lesen könnt ihr das Interview hier (unter Autoreninterviews einfach auf Severn klicken)

eine Erklärung zur Stimme und wieso ich sie verwende.

eine Erklärung zu Raiks Talent und seine Schwächen.

Komment zu Kapitel 61

In den alten Diskussionsthreads 1.hier , 2.hier und 3.hier werden auch sehr viele Fragen bereits beantwortet.


Meine Beta May ist eine humorvolle Begleitung beim Schreiben und ich möchte ihre rosa Kommis mit euch teilen!
rosa Kommis Kapitel "Schicksalsmusik" und "Pleiten, Pech und Pannen"
rosa Kommis Kapitel "Stimme" und "Instinkt"
rosa Kommis Kapitel "Gefährliche Mahlzeit" und "Bis(s) der Arzt kommt"
rosa Kommis Kapitel "5 Fehler" und "Checkliste"

rosa Kommis Kapitel "Emmett wäre stolz" und "Vorbereitungen"
rosa Kommis Kapitel "Geburtstag" hier und hier und hier

Outtakes: "Alle Jahre Wieder"

Dies ist eine Rohfassung! Ich bin bereits dabei AB zu überarbeiten. Das Ergebnis davon findet ihr hier: Klick
Missing Moments!
Lest, reviewed und votet hier!


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Severn

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Monday, July 27th 2009, 1:48pm

Kapitel 1

Kälte, Tränen und Feuer

Ich saß auf dem kalten nassen Fußboden, die Beine angezogen und mit den Armen umschlossen, die Stirn auf den Knien.
Wie lange schon konnte ich nicht mehr sagen.
Lange – viel zu lange.
Ich wollte nur noch sterben, aber mir war bewusst, dass mir dieses Glück nicht beschert werden würde.
Jedenfalls nicht so bald, wie ich es mir gewünscht hätte.
Ich blickte auf meine Hände. Der Ringfinger an der rechten Hand fehlte.
Aro hatte ihn mir bei seinem vorletzten Besuch abgerissen.
Er war mal wieder ausgeflippt und ich hatte gehofft, dass das Theater endlich vorbei wäre, dass er mich töten würde.
Wie man sich irren kann.
„Und? Hast du inzwischen gründlich über unser Problem nachgedacht?“, hatte er mich gefragt, sich neben mich gehockt und seine Hand auf meinen nackten Arm gelegt. Ich trug nur noch meine Jeans.
„Ich weiß es nicht. Wie oft denn noch?“
Ich hatte auf meinen Ehering gesehen und mich von dem Schmerz davon tragen lassen. Durch seine Fähigkeit erlebte Aro ihn mit mir und drehte durch. Er sprang auf.
„Verdammt hör endlich auf über ihren Tod zu jammern! Dein Leben steht hier auf dem Spiel! Noch hast du Familie.“
Ich hatte nur müde zu ihm hoch gesehen.
„Du weißt, dass mir mein Leben nichts mehr wert ist. Selbst, wenn ich hier je raus kommen sollte, werde ich den Tod suchen.“ Ich hatte gewusst, dass das nicht geschehen würde und es war mir egal.
Alles war egal. Meine Familie war tot.
Mit einem Wutschrei stürzte sich Aro auf mich und riss mir den Ringfinger samt Ring ab. Er lächelte hochmütig, als ich vor Schmerz kurz aufschrie.
Aber die Kälte in meinem Inneren war schlimmer und ließ jeden physikalischen Schmerz daneben verblassen.
Aro konnte das nicht verstehen. Er hatte nie so geliebt und er konnte nur meine Gedanken lesen, nicht aber die Gefühle dazu.

Vielleicht hilft es dir, wenn du ihn nicht ständig ansehen musst.
„Wenn wir nicht bald Ergebnisse bekommen, muss ich dir wohl den Kopf aufschneiden und dein Gehirn untersuchen. Ich muss es allerdings in Aktion sehen, also denke ich, dir wird das nicht gefallen.“
Ich komme später wieder.
Selbst meine Wachen waren etwas schockiert, bei der Drohung, mich lebendig aufschneiden zu wollen.
Mir war es egal.
Ich verdiente all dieses Leid. Bella und Renesmee waren tot. Das konnte ich mir nicht verzeihen.
Niemals.


Zum bestimmt hundertsten Male ließ ich mir das Geschehen durch den Kopf gehen.
Alice kam mit Nahuel, seiner Tante Huilen und Kachiri auf die Lichtung. Nach unserer Erklärung griffen sie einfach trotzdem an. Diese Möglichkeit war von Anfang an da gewesen, wie Eleazar es hatte kommen sehen.
Zunächst schlugen wir uns gut.
Die Volturi würden sehr lange brauchen, um sich davon zu erholen, aber wir verloren trotzdem. Wir waren eben einfach zu wenige und dazu noch keine geübten Kämpfer; mit Ausnahme von Jasper vielleicht. Er hatte die meisten der Wachen erledigt, bis sie ihn schnappten und zu zweit festhielten. Ich weiß nicht, wie viele er getötet hatte.
Es war belanglos.
Esme wurde als erste getötet und Carlisle starb nur wenige Sekunden später bei dem Versuch sie zu verteidigen.
Ich beneidete ihn.

Jacob war mit Renesmee geflüchtet. Sie waren nicht schnell genug gewesen.
Ich hatte vergeblich versucht ihre Verfolger aufzuhalten, doch es waren zu viele gewesen. Einige Zeit später, als fast alles vorbei war, kam ein schwer lädierter Vampir auf die Lichtung zurück. Er hielt unser zappelndes Kind in seinen Armen. Jacob war gestorben, bei dem Versuch sie zu retten.
Alle aus seinem Rudel waren tot.
Einigen hatte ich zugerufen sie sollten verschwinden, als ich merkte, dass wir verlieren würden, doch sie kamen nicht weit.
Aro und Caius ließen sie verfolgen, bis alle aufgespürt und getötet waren.
So viele Kinder…
Emmett hatte sich mit am längsten geschlagen. Rosalie war nach Carlisle gestorben.
Die nächsten waren Zafrina, Kate, Garrett, Tanya, Eleazar und Carmen gewesen.
Benjamin und Tia waren die Flucht gelungen. Später erfuhr ich, dass Aro sie hatte ziehen lassen, weil er hoffte, sie später akquirieren zu können.
Wann der Rest gestorben war, wusste ich nicht.
Sie waren alle tot.
Mich und Bella hatten sie bereits auf den Knien. Aro hatte die Frechheit besessen, uns zu fragen, ob wir nicht doch den Volturi beitreten wollten.
Und dann starb Renesmee auf Aro’s Befehl hin.
Etwas in mir starb mit ihr, aber ich versuchte weiter zu kämpfen, für Bella. Zwei Vampire hatten versucht sie fest zu halten. Sie hatten ihre Neugeborenenkraft und ihren Mutterinstinkt unterschätzt. Als sie Renesmee vor unseren Augen zerrissen, drehte sie durch. Schreiend tötete Bella die beiden, die sie versucht hatten festzuhalten. Sie erreichte Aro. Renatas Schild half ihm nicht. Er verlor seinen rechten Arm bevor drei Wächter Bella schnappten. Einer davon war Felix gewesen. Demetri war eines meiner Opfer geworden. Auch die Hexenzwillinge hatten nicht überlebt. Bella hatte Recht behalten. Sie waren keine geübten Kämpfer gewesen.
Marcus und die Leibwächter der Frauen gab es nicht mehr.

Viele der Zuschauer waren ebenfalls gestorben. Ich wusste nicht, ob überhaupt einer von ihnen überlebt hatte.

So viel Feuer…

Bella war wie eine Furie gewesen und auch ich hatte mich verzweifelt gewehrt.

Und dann starb Bella direkt vor meinen Augen und ich hatte aufgehört zu kämpfen. Der Schmerz kam unmittelbar und war danach nur immer intensiver geworden.
Sie ließen mich nicht zu ihr. Als ihr lebloser Körper brannte, wollte ich mich in das Feuer stürzen und im Tod mit ihr vereint sein.

Sie ließen mich nicht.

Aro hatte befohlen, mich mitzunehmen.


Alice und Jasper hatten ebenfalls überlebt.
Auch ihnen bot Aro den Beitritt an.
Natürlich.
Er hatte diesen schrecklichen Kampf nur wegen ihr überhaupt doch noch durchgezogen. Die Gier in seinen Gedanken…
Den Anblick werde ich nie vergessen.

Alice auf den Knien und schluchzend. Sie hatte mit flehenden Augen zu mir auf gesehen. All ihr Schmerz sprach damals aus ihren Gedanken.

Verzeih mir Edward. Ich könnte es nicht ertragen, wenn sie Jasper das gleiche antun wie Bella. Ich kann nicht auch noch ihn verlieren.
Ich hatte nur genickt. Natürlich konnte ich sie verstehen.
Aro hätte Alice nie getötet. Jasper dagegen schon eher.
Sie willigte verzweifelt ein, aber nur unter der Vorraussetzung, dass auch Jasper verschont bliebe.
Danach war Alice unter Dauervisionen, wenn Aro nicht bei mir war, um mich zu quälen, weil Bella ihn verstümmelt hatte.

Er machte sich aus beidem einen Spaß, weil er wusste, dass Alice es hasste.

Wie ein sadistisches Kind, das nicht von seinem neusten Haustier lassen konnte. Er quälte uns alle drei.
Mich körperlich, Alice sah meinen Schmerz in ihren Visionen und litt mit mir. Und der arme Jasper litt mit ihr.
Aro hoffte, von meinem Talent zu lernen, denn auch er wollte auf die Entfernung Gedanken lesen können.

– Das gab er jedenfalls vor –

Er musste ja einen Grund angeben, genauso wie er Renesmee als Vorwand genutzt hatte, um uns anzugreifen. Alles nur Public Relation.
Eigentlich ging es darum, dass er Bella nicht persönlich hatte töten können dafür, dass sie ihn verstümmelt hatte.
Er wollte Rache.

Ich sollte ihm dabei helfen, aber das konnte ich nicht und das würde ich nicht.
Ich vermied es tunlichst auch nur über seine Fragen nachzudenken, aus Angst, ich könnte doch eine Idee bekommen.
Und nun saß ich dort. In einer Kerkerzelle in Volterra, stetig bewacht von mindestens zwei Vampiren. Anfänglich waren es drei gewesen, weil ich versucht hatte zu fliehen, um zu sterben. Das hatte ich inzwischen aufgegeben. Ich hatte zu lange nicht getrunken und war zu schwach.
In den ersten Wochen war die Folter ziemlich schlimm gewesen. Aro brach mir immer wieder die Fingerknochen. Jeden einzeln. Riss mir die Fingernägel heraus und brach auch sonst jeden Knochen. Nur meinen Kopf ließ er in Ruhe. Er schlitzte meine Haut und die darunter liegenden Muskeln immer wieder mit einem speziell dafür konstruiertem Messer auf. Die Zähne eines Werwolfes, dünner geschliffen als eine Rasierklinge und in eine Halterung eingefasst, die aussah wie eine Gartenkralle. Eine solche Folterwaffe zu konstruieren konnte nur den Volturi einfallen.
Wie hatte sich Aro ausgedrückt? Die Menschen sind inzwischen in der Lage uns mit ihrer Technologie zu schaden. Das Einzige was uns noch schützt ist die Tatsache, dass sie nicht an unsere Existenz glauben.
Aber wären Menschen denn wirklich so brutal und skrupellos? Er wartete jedes Mal einen Tag, bis die Wunden verheilt waren und begann dann von vorn. Ich schätzte jedenfalls, dass es ein Tag war. Der Schmerz in mir war so allumfassend, dass die Zeit nicht mehr messbar war. Die äußeren Verletzungen waren vernachlässigbar, denn der innere Schmerz war viel schlimmer. Irgendwann schrie ich nicht mal mehr und Aro begriff, dass diese Form der Folter nicht mehr wirken würde.

Später versuchte er es psychisch.

Er quälte Alice und Jasper. Einen Tag vor seinem Besuch hatte ich beschlossen nach zu geben. Alice sah es und schlich sich irgendwie in den Kerker. Nicht bis ganz zu mir, damit die Wachen sie nicht bemerkten, aber ich konnte ihre Gedanken hören.

Edward! Tu es nicht! Hörst du mich? Tu es nicht! Er darf diese Macht nicht auch noch bekommen. Wir halten es aus! Bitte nicht! Lade mir diese Schuld nicht auch noch auf meine Schultern. Bitte!
„Oh Alice! Es tut mir so leid. Es ist alles meine Schuld“, hatte ich geflüstert. Sie hörte mich.
Nein ist es nicht. Das weißt du. Ich liebe dich. Ich wünschte, ich könnte dir helfen. Ich weiß nur leider nicht, was ich tun soll. Um dein Leben zu bitten ist sinnlos. Ich weiß, jedes Mal wenn ich Aro bitte dich endlich zu töten, wird es schlimmer mit der Folter. Wir kommen hier nicht mehr raus. Es tut mir so leid. Wäre ich nur nicht zurückgekommen. Vielleicht hätte es dann den Kampf nicht gegeben. Ich hoffe du kannst mir irgendwann vergeben. Ich werde es nie können.
„Es gibt nichts zu vergeben. Quäle dich nicht auch noch. Du hast richtig gehandelt. Ich liebe euch beide immer noch.“ Die Wachen wurden misstrauisch und ich sagte kein Wort mehr.
Das war ein Tag zuvor gewesen.
Aro kam zur Tür herein. Ich hatte seine Gedanken schon weit früher gehört. Er war fuchsteufelswild! Er hat durch Alice von unserem Gespräch erfahren.
„Weißt du wozu du und deine kleine Schwester mich gezwungen haben?“
, fragte er barsch und ich konnte es in seinen Gedanken hören. Er hatte Jasper fast getötet. Alice war so hysterisch geworden, dass er Jasper literweise Menschenblut eingeflößt hatte, um ihn zu retten. Er hatte überlebt – gerade so.
Alles in mir brannte vor schlechtem Gewissen.
Alice durfte Jasper nicht verlieren.
„Du hast gewonnen“, flüsterte ich, „Ich werde darüber nachdenken.“
Ich würde darüber nachdenken, wie ich meine Fähigkeit einsetze; versuchen herauszufinden, wie sie funktioniert. Aro näherte sich mir nicht einmal, um mich zu berühren. Er konnte in meinem Gesicht sehen, dass ich die Wahrheit sagte.
„Lass sie bitte in Ruhe. Du würdest Alice damit zerstören.“
Ich wusste, das war das Einzige was ihm etwas ausgemacht hätte. Ich glaube, er war irgendwie, auf eine sehr kranke Weise ein bisschen in sie verliebt – ohne sich dessen bewusst zu sein. Ab morgen würde er es sein, wenn er mich berührt.
Ah Verdammt!

Ich konnte nur hoffen, dass diese Erkenntnis es für Alice nicht noch schlimmer machen würde.

Aro war noch nicht lange aus der Tür raus, als ich erneut abdriftete.
Wieder erschienen diese schrecklichen Bilder vor meinem inneren Auge und plötzlich kitzelte mich etwas auf meiner Wange. Ich wischte es weg und stellte fest, dass meine Hand feucht war. Ich öffnete die Augen und sah auf meinen Handrücken hinunter. Verwirrt über den Geruch von Vampirgift spürte ich das Kitzeln unter meinem Auge erneut. Gift lief aus meinen Augen wie Tränen.
Egal.

Wieder versenkte ich mich in meinem Schmerz und noch mehr Gift strömte über meine Wangen.

Ich weinte und es tat gut.
Es war so ausdrucksstark wie nichts zuvor.
Während der Zeit in meiner Zelle hatte ich geschrieen und gegen die Wände geschlagen
mich sogar selbst gebissen- ganz am Anfang. Ich war wahrscheinlich einfach verrückt geworden. Und natürlich meine Fluchtversuche; auch sie waren immer sehr schmerzhaft geendet.
Nichts hatte gereicht, um dem Schmerz Ausdruck zu verleihen.
Noch nie hatte ich gehört, dass ein Vampir weinen konnte.
Noch nie hatte ich so etwas gesehen.
Mich meinem Schmerz hingebend weinte ich weiter.

Wann würde das endlich enden?
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Monday, July 27th 2009, 2:06pm

Kapitel 2

Tempus fugit - principiis obsta
Die Zeit vergeht - währet den Anfängen

Ein mir fremder Vampir, vor dem sogar meine Wächter Respekt und Angst zu haben schienen, betrat plötzlich meine Zelle.
„Raus“, sagte er ruhig zu den beiden. Sie sahen sich unruhig an.
„Em. Wir dürfen nicht…“ begann einer.

„Glaubst du er könnte mir entwischen?“
„Natürlich nicht“, raunten beide ängstlich im Chor und verließen eilig den Raum.
Der unbekannte Vampir beobachtete mich eine Weile.

Junge du siehst scheiße aus. Tut mir leid, dass ich so spät komme, aber beim letzten Versuch dir alles zu erklären kam Aro plötzlich rein.
Ich runzelte nur die Stirn, denn ich hatte ihn noch nie zuvor gesehen.
Sorry. Ich bin unhöflich. Ich heiße Tempes. - Zurzeit jedenfalls.
Er grinste. Ich betrachtete ihn nun etwas genauer. Er trug eine Jeans sowie eine Lederjacke und darunter ein schwarzes Hemd. Seine Haare waren kurz geschnitten und pechschwarz, sie rahmten ein sehr markantes Gesicht, mit einer geraden Nase und vollen Lippen ein. Er war nicht sehr groß und sah aus, als wäre er in Carlisles Alter.
Körperlich.

Seine Augen waren schwarz - selten für einen Vampir in Volterra und k
ein Wort kam über seine Lippen.
Ich weiß, dass du mich hören kannst. Ich werde nichts sagen und was ich dir jetzt mitteile, darf niemand je erfahren. Vor allem Aro nicht.
Ich schnaubte verächtlich.
„Dann lass es lieber. Er wird es sonst spätestens morgen wissen.“

Nein wird er nicht. Du musst nachher eine Entscheidung treffen.
Ich kann dir helfen, aber ich brauche auch deine Hilfe.
Ich weiß das von deiner Familie und ich sehe an deinen Tränen, wie schlimm es um dich steht. Ich habe Vampirtränen noch nicht oft gesehen. Nur zweimal vor dir. Einmal davon bei mir selbst. Jedes Mal kamen sie nach dem Verlust des wahren Seelenverwandten.

Was sollte das?
„Mir kann man nicht helfen.“
Doch ich kann und ich werde, wenn du es willst.
Zuerst muss ich dir aber sagen, was ich im Gegenzug von dir verlange.

Eine meiner Augenbrauen hob sich.
„Ich glaub dir nicht, aber bitte – ich hab eh nichts anderes zu tun.“
Er grinste wieder.
Stimmt. Also. Ganz direkt: Ich suche eine Familie. Keinen Coven.
So etwas hatte ich schon. Ich meine eine Familie – so wie deine.
In der ganzen Zeit, in der ich jetzt schon auf diesem Planeten bin, habe ich so was wie deine Familie noch nicht gesehen. Ich bin einsam.
Ich möchte, ein Teil davon werden. Ein Teil einer Familie sein.

Ich zischte ihn an: „Soll das ein Witz sein? Meine Familie existiert nicht mehr!“
Willst du sie wieder haben? Ich kann dir dabei helfen.
Oder besser gesagt, du kannst es ändern.

Was? Ich verstand kein Wort. Er sah mir meine Verwirrung an.
Hör einfach zu. Ich habe eine Gabe, die uns beide zu dem Verhelfen kann, was wir wollen.
Hoffnung durchströmte mich. Konnte das sein?
Ich bin inzwischen etwa an die 5000 Jahre alt. Mehr oder weniger.
Mein Unterkiefer klappte nach unten. Ich war vorher noch nie einem so alten Vampir begegnet.
Nun ja. Ich bin nicht vor 5000 Jahren geboren worden. Ich habe nur Teile der letzten 2300 Jahre öfter erlebt. Mein Körper ist in etwa 2300 Jahre alt.
Mein Geist ist schätzungsweise 5000 Jahre alt. Ich hab irgendwann nicht mehr mitgerechnet. Für wen auch.
Das alles hängt mit meinem Talent zusammen.
Doch zuerst muss ich dir etwas von mir erzählen, damit du es verstehst.
Auch ich habe meine Seelenverwandte bereits gefunden und verloren. Sie starb durch den Vampir, der mich geschaffen hat. Ich weiß, wie du dich fühlst. Auch ich habe geweint. Ihr Name war Godolewa und sie war mein ein und alles. Ich war noch ein Mensch. Wir waren frisch verbunden, als wir eines Nachts von einem Vampir angegriffen wurden.

Als erstes sah ich ein Frauengesicht. Sie war sehr schön mit ebenmäßigen Zügen, grünen Augen, roten Haaren und vollen Lippen mit Grübchen. Sie trug ein buntes fließendes Gewand und hatte einen Blumenkranz im offenen Haar. Sie war offensichtlich eine typisch irische Schönheit, was den germanischen Namen etwas unpassend machte. Ich konnte in seiner Erinnerung eine große blumenbedeckte Wiese sehen. Im Hintergrund gab es eine Schlucht in der ein Fluss verlief.
Sonnenuntergang.

Sie lagen im Gras und sahen sich verliebt in die Augen, küssten sich.
Ein Bild der Harmonie und Liebe.
Ein Vampir mit roten Augen sprang von einem Baum. Die Erinnerung war zu verschwommen, um ihn richtig erkennen zu können. Im Vorbeispringen tötete er Godolewa. Er biss Tempes und wandte sich dann wieder seiner Liebsten zu. In dem Glauben, dass Tempes nicht fliehen könnte, saugte er Godolewa das Blut aus. Tempes kroch, bereits innerlich brennend wie ich vermutete, auf die Klippe zu und stürzte hinab.

Ich wollte eigentlich zu ihr, aber das Brennen lenkte mich zu sehr vom Weg ab. Ich hatte Glück, dass ich nicht zerschellt bin. Dafür wäre ich fast ertrunken. Irgendwie landete ich an einem Ufer. Durch die schweren Verletzungen verlor ich lange das Bewusstsein. Als das Brennen in meinem Kopf angelangt war, erwachte ich.
Der Vampir verfolgte mich nicht. Ich weiß nicht wieso nicht, vielleicht dachte er ich sei tot, trotz des Giftes. Es kann wirklich ne Menge. Vielleicht dachte er aber auch, es ist die Mühe nicht wert. Als ich wieder zu mir kam, suchte ich als erstes nach Godolewa. Ich fand ihre Leiche dort, wo ich sie verloren hatte. Ich saß lange neben ihr und irgendwann kamen die Tränen.

Eine Zeit lang ernährte ich mich von Menschen. Ich wusste es nicht besser und der Instinkt war zu stark. Später fand ich heraus, dass jedes Blut funktioniert. Ich hasse es allerdings auch Tiere zu töten. Es kommt mir so falsch vor, etwas Unschuldiges zu töten. Inzwischen habe ich meinen Durst so weit bezähmt, dass ich mit sagen wir einem Bären pro Monat auskomme. Mal mehr, Mal weniger.

„Wow“, brach es aus mir heraus. Er kicherte wieder.
Ich weiß, was du für deine Liebe durchgemacht hast. Aro hat mir deine Geschichte erzählt. Ich hätte die Sache damals schon riechen müssen. Er war so ehrlich begeistert…
Er schüttelte den Kopf und seufzte.
Das war nicht schlecht. Sehr viel Kontrolle für einen so jungen Vampir – ich bin beeindruckt.
Die Erinnerung an Bella brachte wieder Tränen in meine Augen. Tempes hockte sich vor mich hin und sah mir in die Augen. Er wischte mir eine Träne von der Wange; ich zuckte zurück. Er sah sie an und zerrieb sie zwischen seinen Fingern.
Es fühlt sich an, als ob dir jemand das Herz heraus gerissen hätte und dann in dem Loch ein Feuer gelegt hätte. Nicht wahr?
Ja, genau so. Ich nickte nur. Ich wusste er hatte das gleiche durch gemacht. Ich konnte Mitleid und Trauer in seinen Gedanken lesen.
Ich konnte meine Liebe nicht retten, aber ich werde deine Familie retten.
Unsere Familie – hoffe ich. Ich denke, ich kann dir vertrauen und ich denke, dass du mich verstehst.
Du solltest wissen, dass ich inzwischen als bester Kämpfer gelte. Ich habe noch nie verloren. Jedenfalls nicht so, dass sich jemand daran erinnern könnte. Ich bin in jeder Weise eine gute Ergänzung für die Familie Cullen.

Er kicherte wieder.
Einige Jahre später, begegnete ich jedenfalls einem anderen Vampir. Er griff mich ohne Grund an und als ich im Sterben lag, dachte ich an meine Liebste. Meine Godolewa. Sie war mein letzter Gedanke.
Ich schloss die Augen und als ich sie wieder öffnete, lag ich wieder an dem Ufer und brannte. Aus irgendeinem Grund wusste ich, dass es der Zeitpunkt war, indem das Gift in meinem Gehirn angekommen war. Die Verwandlung war ab da nicht mehr rückgängig zu machen. Ich brannte wieder und als es vorbei war, war ich verwirrt und machte mich aus Neugier auf zur Klippe und tatsächlich: Da lag sie. Ihr toter Körper. Wieder trauerte ich und die Tränen liefen. Ich habe erst viel später erfahren, wie selten das ist.
Ich versuchte diese neue Erkenntnis zu benutzen. Ich versuchte Jahrhunderte lang meinen Geist zurück zu schicken. Zu einem Zeitpunkt, bevor der Vampir uns angriff. Ich wollte sie retten. Ich landete immer wieder in meinem brennenden Körper. – Meine Grenze.

Er schloss seine Augen und ließ die Erinnerungen der verschiedenen Versionen des gleichen Zeitpunktes nacheinander in seinem Kopf durchlaufen. Und dann traf es mich.
Er konnte seine Erinnerungen, seinen Geist durch die Zeit schicken. In die Vergangenheit.

„Du meinst…“ Ich zog schwer die Luft in meine Lungen.

Er nickte. Hoffnung wallte in mir auf. Lähmte mich.

„Kannst du mich…?“ Mehr traute ich mich nicht zu sagen.

Er grinste.
Bingo! Mein Gott jetzt hat er’s!
Wieder klappte mein Unterkiefer runter.
Er kicherte.

Ich nehme an, du hast Interesse?
Ich nickte nur, zu mehr war ich nicht fähig, denn die Hoffnung schnürte mir die Kehle zu. Ich könnte sie retten. Alle! Ich hyperventilierte fast.
Ich zähle als der beste Kämpfer hier. Deswegen, wurde ich als Einziger hier gelassen, um die Zentrale zu verteidigen. Ich würde selbst zurückgehen, wenn ich alle Informationen hätte, die ich brauche, aber die Zeit haben wir nicht. Also schätze ich, ich muss es anders versuchen.
Ich muss dir vertrauen und dich zurück schicken. Du wirst in deinem Körper aufwachen mit deinen Erinnerungen von jetzt. Wir müssen nur den richtigen Zeitpunkt finden. Ich habe gehört, dass Bella erst vor kurzem verwandelt worden ist. Vielleicht sollten wir einen Zeitpunkt wählen, zu dem sie noch ein Mensch ist. Denk bitte nach.

Direkt vor dem Angriff, oder vor Irinas Besuch würde nicht viel bringen, das wusste ich. Aro hatte seinen Angriff viel früher geplant. Als Alice, Bella und ich in Volterra gewesen waren. Aro würde irgendeinen Grund finden, um uns anzugreifen.
Das war noch vor Viktorias Angriff gewesen, doch nach ihrem Entschluss Bella zu töten.
Konnte ich auch das verhindern? Konnte ich verhindern, dass James jagt auf sie macht? Mir schwirrte der Kopf von den vielen Möglichkeiten.
Doch dann würde Renesmee nie geboren werden.
Mein Herz zog sich schmerzhaft zusammen, als wieder das Bild von ihrem Tod in mir hoch stieg. Ich würde meine Tochter nie bekommen.
Wie hoch ist schon die Wahrscheinlichkeit, dass wir Sie noch einmal bekommen.
Es blieb mir nichts anderes übrig, dass wusste ich. Der Gedanke, dass Renesmee nie leiden musste tröstet mich nur sehr wenig. Ich musste zu einem Zeitpunkt vor meinem Besuch in Volterra zurück. Und wenn ich schon so weit war, dann konnte ich auch gleich noch weiter zurück. Nur wie weit? Und dann wusste ich es.
Der Tag, an dem ich ihr zum ersten Mal begegnet war.

„Ich weiß den Zeitpunkt“, murmelte ich so leise ich konnte.

Gut. Dann noch dies. Niemand darf von meiner Gabe wissen. Das ist wichtig! Vor allem die Volturi nicht. Ich würde hier nie wieder raus kommen. Sie würden einen Weg finden. Wenn ich dich zurück schicke, darfst du Aro in deinem gesamten Leben nicht mehr die Hand geben. Verstanden?
Ich nickte.
Ich habe das noch nie mit jemand anderem gemacht. Ich hoffe das funktioniert. Wenn du mich kontaktierst, dann bitte erwähne etwas von dem, was du über mich weißt, aber ohne zu viel zu sagen. Verstehst du was ich meine?
Ich nickte wieder nur.
Ich könnte Carlisle mit einer Nachricht zu ihm schicken.

Ich selbst würde Volterra nie mehr betreten.

Ich habe noch nie jemandem von Godolewa erzählt. Wenn du mir von ihr erzählst, werde ich bescheid wissen und dir glauben, denn auch ich werde mich nicht mehr erinnern können.
„Sag mir noch eines.“
„Ja?“ Seine Stimme war rauchig tief – selten für einen Vampir.
„Wem gehörten die anderen Tränen?“

Marcus
Das war wirklich eine Überraschung.
Frag mich in der Vergangenheit. Dann werde ich dir die Geschichte erzählen.
Sie wird dich überraschen. Na ja, vielleicht auch nicht zu sehr.

Er schmunzelte.
Wie weit musst du zurück? Nur in etwa.
„Etwas über zwei Jahre. Ich kann nicht abschätzen, wie lange ich schon hier bin.“
Das ist nicht wichtig. Versuch an den Moment zu denken. Du darfst dich von nichts ablenken lassen. Ich will nicht, dass du einen Hirnschaden bekommst. Visualisiere ihn. Sag bescheid, wenn du soweit bist mein Junge.
Und ich wusste, dass ich ihn in unserer Familie haben wollte. Er könnte sich als Cousin oder Bruder von Carlisle ausgeben, dachte ich. Mein Onkel sein.
Ich konnte soviel von ihm lernen. Wir alle.

Es ging nicht um seine Gabe. Nein – es ging mir dabei um ihn.

„Ich sehe dich dann in der Vergangenheit Onkel“, flüsterte ich mit einem Schmunzeln und sah ihm tief in die Augen.

„Hoffentlich“, antwortete er.

Ich dachte an den Morgen, bevor ich Bella das erste Mal begegnet war. Ich hatte ein graublaues Shirt und eine Jeans an. Ich war genervt, weil ich keine Lust auf die Schule hatte. Emmett, Jasper und ich warteten auf Alice und Rosalie. Wir standen im Flur.
Esme war oben und summte vor sich hin; sie wollte später Wäsche waschen. Carlisle saß in seinem Büro und las in einem Buch. Ich konnte das Rascheln beim umblättern hören. Etwas Medizinisches.
Kurz lenkte mich der Schmerz des Verlustes ab, doch dann war ich wieder voll konzentriert.

„Okay“, wisperte ich.
Seine Augen hielten mich gefangen.
In dem Schwarz entstanden kleine goldene und blaue Funken. Immer bunter wurde das Farbenspiel. Es sah den Nordlichtern ähnlich, die ich einmal das Glück hatte beobachten zu können. Ich sah die Szene in seinen Augen. Erst nur sehr schwach, dann immer deutlicher. Ich hatte das Gefühl, dass seine Augen immer größer wurden, bis sie nur noch ein großer Spiegel vor meinen Augen waren. In ihm das Bild meiner Erinnerung.
Das Bild fing an sich zu drehen. Immer schneller, bis es nur noch ein Wirbel war.

Ich fiel.

Ich kann nicht beschreiben wie. Es war, als ob ich in mich hineingefallen wäre. Es wurde dunkel und ich sah nur noch die bunten Funken seiner Augen, die Nordlichter, die mir meine Familie zurück bringen sollten.
Und dann hoben sich meine Augenlider wieder.
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Monday, July 27th 2009, 2:20pm

Kapitel 3

Schicksalsmusik

Ich stand mitten in unserem Flur.
Jasper und Emmett diskutierten, wer hinter das Steuer durfte. Sie lebten.
Ich war geschockt. Es hatte funktioniert. Ich konnte es erst gar nicht glauben.

Plötzlich sah mich Jasper komisch an. Er spürte meine Verwirrung, meinen Schock.
„Alles Okay?“
Es traf mich, wie ein Blitzschlag und ich fing schallend an zu lachen.
Es klang hysterisch und erleichtert.
„Scheiße! JA!“
Beide sahen mich verdutzt an. Solche Wörter hörten sie sonst nie von mir.
Vor Erleichterung sank ich gegen die Wand hinter mir.
Meine Familie lebte. Ich lachte weiter.
„Dürfen wir den Witz auch hören?“, fragte Emmett.
Mein Kopf fing an zu arbeiten.
Was mache ich als erstes?, überlegte ich.

Ich konnte es meiner Familie nicht erklären.
Ich hatte es versprochen. Ich stand auf und nahm meine beiden Brüder kurz fest in die Arme. Sie sahen mich verwirrt an.
Was ist denn mit dem los? Armer Junge, verliert den Verstand.
Oh Ja, das würden sie noch öfter denken in nächster Zeit. Ich kicherte.
„Sorry Leute. Ich komme nicht mit. Ich gehe erst mal jagen. Ich komme nach. Nehmt doch Rosalies Auto, ja?“ Der Gedanke war mir im gleichen Moment gekommen. Ich hatte Bella schon so lange nicht mehr als Mensch gerochen, ich wollte auf Nummer sicher gehen.
Beide waren noch verwirrter.
„Oh verdammt. Dann fährt wohl Rosalie“, knurrte Emmett.
Jasper spürte meine Euphorie.
„Was ist los? Du willst jagen? Jetzt schon?“, fragte er mich direkt.

„Ich glaube, ich hatte gerade eine Epiphanie.“
Alice kam herunter.
„Du gehst jagen?“, fragte sie mich verwirrt.

„Ja. Kann ich dich kurz unter vier Augen sprechen?“ Alice musste ich vorwarnen. Ich brauchte eine Verbündete. Etwas Hilfe. Und sie würde sowieso als Erste von allem erfahren. Wir gingen in die Küche und ich flüsterte so leise, wie ich konnte in ihr Ohr.

„Zwei Dinge. Erstens: Behalte Jasper heute gut im Auge. Am Besten du gehst nicht mit ihm in die Cafeteria, solange ich nicht dabei bin.“ Sie sah mich erschrocken an.

Was hast du in seinen Gedanken gelesen?

„Beruhig dich. Nichts Schlimmes. Er ist nur sehr durstig und ich möchte nicht, dass er sich quält. Und falls ich noch nicht da sein sollte, ist es sicherer.“ Verwirrung machte sich in ihren Augen breit.
Okay. Und zweitens?

„Es kann sein, dass du in nächster Zeit Visionen von mir und meiner Zukunft bekommst. Ich möchte nicht, dass du mit jemandem darüber redest, was du siehst. Mit niemandem außer mir. Kannst du mir den Gefallen tun?“ „Wieso? Was ist los?“ Ich grinste.

„Sagen wir ich hatte selbst eine art >Vision<. Also. Machst du’s? Es soll dein Schaden nicht sein.“ Ich zwinkerte ihr zu und sie runzelte die Stirn.

Ich weiß nicht worauf du hinaus willst. Aber fein okay.
Solange es keine Probleme dadurch gibt. Bitte.
Ich schloss sie fest in die Arme, küsste und drückte sie. Es war so schön, sie zu sehen. Sie grinste mich an und mir schmolz das Herz.
Ich spürte Tränen in meinen Augen. >Wenn sie einmal losgelassen< dachte ich noch, da lief mir auch schon eine übers Gesicht. Alice Augen wurden groß.
Sie wischte mir die Träne vom Gesicht und sah sie verwirrt an.
„Was… ?“, begann sie.
Ich legte den Finger an die Lippen und lächelte.
„Etwas hat sich radikal verändert. Ich erkläre es dir später. Ich hab dich lieb“, murmelte ich noch und verschwand dann aus der Küche. Ich musste Esme und Carlisle sehen.
Rosalie kam mir auf der Treppe entgegen. Ich riss sie lachend in die Arme und drückte ihr einen Kuss auf die Wange.
„Rosalie meine Liebe, du siehst fabelhaft aus.“ Normalerweise machte ich ihr selten Komplimente. Ihr Selbstbewusstsein war ausgeprägt genug, aber im Moment wollte ich einfach nur alle lächeln sehen und ich wusste, dass ihre Laune dadurch am meisten gehoben wurde.
„Äh, danke.“
Wieder kichernd lief ich die Treppe weiter hinauf, nahm Esme in den Arm und drückte auch ihr einen dicken Kuss auf die Wange.
„Hab ich dir eigentlich schon mal gesagt, dass du die beste Mutter der Welt bist und wie sehr ich dich liebe?“ Esme war verdattert, lachte aber laut mit mir.
„Wahrscheinlich schon, aber ich höre es unheimlich gerne mein Sohn. Warum bist du so aufgekratzt?“
Du siehst glücklich aus.

„Bin ich auch. Warum sollte ich es auch nicht sein? Ich muss nur mal Dad sprechen.“ Ich warf noch einmal einen Blick auf ihr lächelndes Gesicht.
Und im nächsten Moment, war ich im Büro.
„Hey Dad. Wie geht’s dir?“ Er sah von seinem Buch auf und grinste.

„Gut danke mein Sohn. Du lachst heute viel. Hat das einen Grund?“

„Ja, aber den möchte ich noch nicht verraten. Geduldet euch noch ein bisschen. Ich wollte nur mal nach dir sehen und dir sagen was für ein toller Dad du bist. Das machen wir viel zu selten.“ Ich zwinkerte ihm grinsend zu.
Auch er war völlig verdattert und musste sich verlegen räuspern.
„Hm. Danke Edward.“
Ich sprang einfach aus dem Fenster und ging mit dem Wissen jagen, dass ich bald meine Liebste wieder sehen würde. Meine Bella.

Ich hatte soviel getrunken, wie ich finden konnte und hatte mich zu Hause noch einmal umgezogen.

Meine Augen waren golden und glänzten wie nie zuvor.
Ich zog ein schwarzes Hemd und meine dunkelste Jeans an. Bella hatte mir mal gesagt, dass sie mich am liebsten in schwarz und dunkelblau sieht.
Mein Herz schmerzte in meiner Brust vor Erwartung.
Nicht mehr lang. Ich hatte mir sorgfältig die Haare gemacht. Diesen zweiten ersten Blick sollte sie nie vergessen.
Grinsend stieg ich in den Volvo, doch kaum saß ich hinterm Steuer überkamen mich die ersten Zweifel.

Was, wenn das hier ein Fehler war? Was, wenn ich ihr Leben nur dann retten konnte, wenn ich sie niemals kennen lernte? Ein schmerzverzerrtes Stöhnen brach aus mir heraus. Meine Hände und meine Stirn lagen auf dem Lenkrad - Bellas Gesicht vor meinem inneren Auge.
Ja, ich liebte sie, aber ich wusste nicht, ob ich sie beschützen konnte.
Ich erinnerte mich, dass ich genau das schon einmal gedacht hatte. Und dann war der Unfall passiert. Ja, ich konnte sie wenigstens vor dem Autounfall beschützen. Seufzend drehte ich den Schlüssel.
Ich konnte unsichtbar über sie wachen. Für den Rest ihres Lebens. Ich wusste, gehen konnte ich nicht mehr. Ich war schon zu tief drin. Ich wusste bereits, dass ich sie liebe und das Ausmaß unserer Gefühle für einander kannte ich ebenfalls.
Das Radio ging an. Mein Oldiesender war eingestellt. Erschrocken hielt ich inne. Bobby Darin lief gerade mit „that Funny Feeling“. Genau dieses Lied hatte ich in der Nacht nach unserem ersten Kuss laut gesungen und war mit Esme durch das Wohnzimmer getanzt.
Ich stöhnte noch einmal und schaltete schnell auf den zweiten Oldiesender um. Ein Filmmusikspezial mit „Grease“ lief gerade. Ich hörte noch die letzten Zeilen von „we go together“. Das „always be together, always be together…“ klang noch höhnisch in mir nach, als auch schon „Tears on my pillow“ begann.
Sollte das ein Witz sein? Ich trat voll auf die Bremse und starrte ungläubig das Radio an.


„You don't remember me,
but I remember you 't was not so long ago,
you broke my heart in two
Tears on my pillow, pain in my heart, caused by you, you
If we could start anew, I wouldn't hesitate
I'd gladly take you back, and tempt the hands of fate
Tears on my pillow, pain in my heart,
caused by you, you, you, you, you
Love is not a gadget, love is not a toy
When you find the one you love, he'll fill your heart with joy
If we could start anew, I wouldn't hesitate
I'd gladly take you back, and tempt the hands of fate
Tears on my pillow, pain in my heart, caused by you, you
No, no no no now, no, no no (You...)“

Ein hysterisches Lachen brach aus mir heraus.
Edward du spinnst! Ich schaltete auf den nächsten Sender - Alice Lieblingssender - Viel Techno. Das konnte ich jetzt gebrauchen. Ein Song von Kate Ryan spielte gerade. Der Text ließ mich erneut erstarren.

„Bring me back to when we met let's start all over
If I
could turn back time I know
I'd do it again
Do it all again
Oh Oh
Cause you were the summer of my life
Only if I
could turn back time I know
I'd give it again
Give my love again
Oh Oh
Memories that keeps me warm inside
Only if I
Could seize yesterday tomorrow
Say the things you never heard from me before
I could have loved you once again
Only a heart can not forget
Bring me back to where we met let's start all over“

„Jetzt mal ehrlich, dass ist doch ein Scherz oder?“, fragte ich ungläubig und sah durch die Windschutzscheibe zum Himmel hoch. „Arg. So ein Schwachfug!“ Wütend drückte ich auf den nächsten Knopf. Emmetts und Jaspers Lieblingssender. Kiss mit „I was made for lovin’ you“ lief gerade aus.

„I was made for lovin you baby
You were made for lovin me
And I cant get enough of you baby
Can you get enough of me

I was made for lovin you baby
You were made for lovin me
And I can give it all to you baby
Can you give it all to me“

Wieder brach ich in ein hysterisches Lachen aus.
„Okay. Wenn das jetzt noch mal klappt, dann gebe ich auf! Dann glaub ich auch, dass Bella für mich bestimmt ist.“ Rosalies Popsender. „One in a Million“ von Bosson.
„Okay Schicksal, ich hab’s gerafft“, lachte ich laut und startete das Auto wieder.
Scheinbar machte unser rücksichtsloser Engel wieder einmal Überstunden…

Wie sollte ich mich denn von Bella fern halten, wenn mir das Schicksal ständig solche Streiche spielte?
Ich schaltete auf CD um und musste wieder lachen.
„I’m a believer“ von Neil Diamond.
Fein!

Laut mitsingend fuhr ich zur Schule und parkte neben Rosalies Cabrio.


Musik hatte in meinem Leben schon immer eine große Bedeutung gehabt, aber mir so bei einer Entscheidung geholfen hatte sie bisher nie.
Auf jeden Fall war mein rücksichtsloser Engel sehr kreativ.

_________________________________________________________________________________________________________________
Die Songtexte gehören natürlich auch nicht mir und sind nur von den angegebenen Künstlern geliehen. Die Bezugnahme des ersten Songs von Bobby Darin, hängt mit einer Midnightsun- Fortsetzung von mir zusammen. Ich habe nämlich mal aus viel Langeweile eine Fortsetzung von S. Meyers Skript geschrieben.
Wer sich die Songs gerne mal anhören möchte, braucht sie nur unter Youtube zu suchen.
Dort kann man sie glaube ich, alle finden.
Missing Moments!
Lest, reviewed und votet hier!


um es mit Sarinas Worten zu sagen: Lass dich nicht einschüchtern!
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5

Monday, July 27th 2009, 6:44pm

Kapitel 4

Zweiter erster Blick

Der Parkplatz war menschenleer. Ich entdeckte ihren Transporter sofort und ging darauf zu, tief ihren Duft inhalierend. Es war nur eine sanfte Spur, aber ich nahm ihn überdeutlich zur Kenntnis, genauso wie schon immer. Mein Hals brannte leicht, aber nach einem Räuspern war das Brennen verschwunden.
Dann ging ich auf das Schulgebäude zu, während ich auf die Gedanken der Schüler lauschte. Bella hatte gerade Trigonometrie. Ich sah sie durch die Augen des Lehrers und seufzte erleichtert.
Bald sehe ich sie mit meinen eigenen Augen. Das wird eine ganz schöne Herausforderung. Wie soll ich denn den Tag überstehen? Neben ihr sitzend und ihr nicht sagen, dass ich sie liebe, oder ohne sie zu küssen?
Ich lachte wieder leise über mich selbst.

Das wäre bestimmt zu viel. Wie sie darauf wohl reagieren würde?

Ich kicherte immer noch, als ich die Cafeteria betrat.

Heute läuft alles anders!
,
sagte ich mir.
Ich wollte mit Bella flirten und ihr Herz auf ehrliche Weise gewinnen. Diese Gelegenheit hatte sich nicht wirklich bei unserem ersten Kennen lernen ergeben. Es war zu chaotisch gewesen. Diesmal wollte ich es richtig machen. Ich wollte ihr „den Hof machen“, nahm ich mir vor. Ich suchte mir den Platz aus, von dem man die beste Sicht über den Raum hatte. Meine Geschwister waren die Ersten. Alice hatte gesehen, dass ich an unserem Tisch sein würde und war deshalb mit den anderen gekommen. Kurz nach ihnen kam Bellas Klasse herein und wenn mein Herz noch geschlagen hätte, dann hätte es in diesem Moment bestimmt ausgesetzt. Bella sah einfach bezaubernd aus. Ich atmete tief ein. Ich konnte sie bereits jetzt riechen. Wieder war da dieses Echo eines Brennens in meinem Hals. Sie hatte mich noch nicht bemerkt, als Alice mit einem vollen Tablett an den Tisch kam. Bella saß neben Jessica und ich beobachtete jede ihrer Bewegungen aus dem Augenwinkel.
„Wer sind die?“, hörte ich Bella fragen und drehte mich zu ihr um.
Unsere Blicke trafen sich und ich verlor mich fast in ihren braunen Augen.
„Oh“, machte Alice plötzlich neben mir und automatisch entstand ein Lächeln auf meinem Gesicht. Bella sah etwas verwirrt aus als ich ihr frech zu zwinkerte. Sie wurde rot und blickte schnell auf den Tisch.
Ja, mit ihr zu flirten wird interessant.
Mein Lächeln wurde zu einem breiten Grinsen, als ich sehen konnte, was Alice sah.
Ich hielt Bella in meinen Armen und wir sahen uns verliebt in die Augen. Bella hatte sich mit dem ersten Blick für mich entschieden, ohne es zu wissen. Ich blickte meine kleine Schwester an und zwinkerte ihr zu.
Edward was bedeutet das?

„Später.“

Du wusstest das schon. Woher? Wieso hab ich das nicht schon eher gesehen, wenn du es schon ahntest? Ich versteh das nicht!

„Später Alice. Übe dich mal in Geduld.“ Sie machte einen eingeschnappten Laut und verschränkt die Arme vor der Brust.
„Es wird dir gefallen. Ich verspreche es dir“, versuchte ich sie zu beschwichtigen, die anderen sahen uns neugierig an.

„Würde uns mal jemand aufklären?“, brummte Emmett.

„Nein“, antwortete ich nur und lachte.
Jessicas Gedanken sagten mir, dass Bella wieder zu mir rüber sah.
„Wer ist der Junge mit den rotbraunen Haaren?“, fragte Bella.

„Das ist Edward Cullen. Mach dir keine Hoffnung. Er geht nicht aus. Kein Mädchen hier ist ihm gut genug. Nicht, dass mich das interessieren würde.“
Ich tat so als würde ich mich nur umsehen und wieder trafen sich unsere Blicke. Ich lächelte sie wieder an und legte dabei den Kopf etwas schräg. Bella errötete wieder und sah sofort weg. Ich lauschte, während Jessica Bella über uns aufklärte. Ich konnte das Ende der Pause gar nicht abwarten. Niemand von den anderen hatte etwas bemerkt, nur Jasper hatte gespürt, wie ich mit Glück, Sehnsucht, Ungeduld und Aufregung gleichzeitig gekämpft hatte. Er verstand sofort, dass das etwas mit Alice Vision zu tun hatte, doch er fand keine Erklärung.
„Was hast du gesehen?“, fragte er Alice plötzlich und sie sah mich böse an.

„Ich hab versprochen nichts zu sagen.“
Wehe, deine Erklärung ist nicht gut und wehe, wenn du mir nicht ein paar Fragen beantwortest.
„Wem?“, fragte Jasper böse obwohl er die Antwort schon ahnte.

„Mir. Es ist ’ne Privatsache“, antwortete ich ihm.
Jetzt sahen mich alle mit hochgezogenen Augenbrauen an.
Tja schon fies, du lässt ihnen ja auch keinerlei Privatsphäre…, dachte ich.
„Ich erkläre es euch, wenn ich soweit bin“, lenkte ich deshalb ein.
Irgendwann war die Pause endlich rum und ich verließ die Cafeteria dicht hinter Bella. Sie hatte es nicht bemerkt. Hinter ihr her laufend atmete ich tief ein und genoss ihren verführerischen Duft. Ich hatte mich völlig unter Kontrolle, genauso, wie vor ihrer Verwandlung. Das überraschte mich etwas. Ich hatte gedacht, es läge vor allem an der Desensibilisierung.
Also ist es wirklich alles nur eine Sache des Willens. Perfekt!
Bella ging zum Lehrertisch durch und ich setzte mich auf meinen Platz. Nervosität packte mich. Bella sah zu mir rüber und ich lächelte wieder. Wieder errötete sie, lächelte aber leicht zurück. Ich machte eine einladende Bewegung mit meiner Hand auf den Platz neben mir.
Wie soll ich anfangen? Was soll ich sagen?

Ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie geflirtet. Ich hatte keine Ahnung, wie man das anstellte.

Mach dich nicht so fertig Edward! Sie liebt dich – oder zumindest wird sie es. Wird schon schief gehen…
Und dann stand sie an unserem Tisch.

„Hallo. Wenn du lieber den Fensterplatz möchtest, kann ich dir auch den anbieten, aber ich schätze mehr Auswahl hast du leider nicht. Das ist der letzte freie Platz“, sagte ich zur Begrüßung.

„Um. Nein ist schon gut. Ich nehme dir deinen Platz nicht weg. Ich denke, der Stuhl ist so gut wie jeder andere auch.“ Das Rot ihrer Wangen intensivierte. Sie setzte sich und ich wusste, was ich sagen konnte.
„Du bist also Bella Swan. Mein Name ist Edward Cullen.“ Ich kannte ihre Antwort bereits. Sie runzelte die Stirn.

„Woher weißt du meinen Namen?“ Fast hätte ich gelacht.

Weil du meine Ehefrau bist…

„Nun ich denke, jeder hier kennt deinen Namen. Alle haben neugierig auf dich gewartet.“
Aber keiner so sehr wie ich…

„Hm nein. Ich meine wieso du mich Bella nennst.“
Ich setzte ein entschuldigendes Lächeln auf.
„Tut mir leid. Ich hätte vorher fragen sollen. Ich finde nur ehrlich gesagt die Kurzform viel hübscher und so passend“, schmunzelte ich.

„Passend?“, fragt sie verwirrt.
„Bella heißt im Italienischen >schön<. Weißt du das nicht?“ Wieder musste ich schmunzeln und sie wurde wieder rot. „Wenn du es allerdings lieber hast, wenn ich Isabella sage…“
„Nein. Nein. Bella ist okay. Nur mein Dad nennt mich scheinbar hinter meinem Rücken Isabella. Jeder hat mich bisher so angesprochen“, stammelte sie und konnte mich dabei nicht einmal ansehen.
Sie kämpfte verzweifelt mit der Verlegenheit. Ich beugt mich näher zu ihr.
„Ich wollte dich nicht in Verlegenheit bringen“, sagte ich leise an ihrem Ohr, als sie nichts weiter antwortete. Sie sah auf und blickte mir direkt in die Augen. Erleichterung machte sich in einer Welle in mir breit. Bella lebte.
Sie war in Sicherheit.
Die Spannung zwischen uns knisterte. Bellas Atem ging schneller und ihr Herzschlag verdoppelte sich fast. Als ich lächelte, setzte er sogar kurz aus, da unterbrach Mr. Banner uns indem er den Unterricht begann. Wir hatten nicht die Möglichkeit während des Unterrichtes zu reden, aber Bella sah hin und wieder zu mir rüber. Ich saß seitwärts, ihr zugewandt und betrachtete sie die ganze Zeit. Ich wusste, dass das unhöflich war, konnte mich aber einfach nicht bremsen. Immer wieder gingen mir diese furchtbaren Bilder durch den Kopf. Bella brennend. Nur ihr Anblick schien diesen Schmerz mildern zu können. Ich wollte sie so gerne berühren.
Das wird schwerer werden als ich dachte. Außerdem kann ich sie schlecht gleich fragen ob sie mit mir ausgeht. Oder? Kann ich doch?
, ging es mir immer wieder durch den Kopf. Als die Stunde vorbei war, konnte ich nicht widerstehen und fragte sofort:

„Was hast du denn als nächstes?“
„Sport.“
„Möchtest du, dass ich dich begleite?“ Sie sah mich wieder verwirrt an. „Oder nicht?“

„Doch. Wieso nicht. Wenn du auch Sport hast.“ Ich musste grinsen.

Nein habe ich nicht. Vielleicht sollte ich meine Kurse umlegen…

„Und hast du schon das Gefühl, vor Langeweile ein zu gehen? – Forks ist ja doch ziemlich klein.“ Ich musste sie zum Reden bringen, musste ihre Stimme hören.
„Na ja, ich bin noch nicht sehr lange hier. Ich bin noch dabei mich wieder einzuleben.“
„Dann sollte ich dich vielleicht vorwarnen. Die Bibliothek ist sehr schlecht bestückt, es gibt kein vernünftiges Musikgeschäft und zum Klamotten kaufen oder wenn man ins Kino will, fährt man nach Port Angeles.“

A pro pro Kino… Nein, das wäre zu früh.

„Ja, das weiß ich schon. Ich war zwar lange nicht hier, aber ich habe auch nicht wirklich mit einer Veränderung in der Richtung gerechnet.“

„Nun meine Schwester Alice fährt öfter nach Port Angeles oder nach Seattle und sie sucht immer nach Begleitung. Soll ich ihr sagen, dass sie dich fragen soll, wenn sie das nächste Mal los will?“

„Ich möchte mich nicht aufdrängen“, murmelte sie leise.
Ah, verdammt. Das war zu schnell. Wieso kannst du nicht die Zeit abwarten, Edward?

„Es wäre nur ein Aufdrängen, wenn du sie fragen würdest und nicht wenn sie dich fragt. Aber vielleicht solltest du dich einfach mal in der Cafeteria zu uns setzen, um sie kennen zu lernen. Es ist gut möglich, dass du nicht mit ihr fahren willst. Sie kann sehr anstrengend sein.“ Ich grinste sie aufmunternd an. Ihr Herz klopfte schneller.
„Und ich würde mich darüber freuen, wenn du dich mal zu uns setzten möchtest“, sagte ich etwas leiser.
Bella blickte mir in die Augen und ihr Herz überschlug sich fast. Wir standen bereits vor der Turnhalle, doch sie schien nicht gehen zu wollen, unsere Blicke verschmolzen und ich musste schlucken. Es war genauso wie immer schon, als ob wir in unserer eigenen kleinen Welt gefangen wären.
Wie soll ich es denn einfach und leicht halten, wenn sie mich so ansieht?
Wie soll ich sie nicht in meine Arme ziehen und sie küssen?, dachte ich frustriert. Andere Schüler gingen an uns vorbei - beobachteten uns neugierig. Mike Newtons Gedanken schreckten mich auf und brachen den Zauber.
Edward Cullen? Was will der denn hier? Will er was von Bella? Oh bloß nicht.

„Hey Edward. Du hast doch gar kein Sport mit mir zusammen. Oder?“, rief er schon von weitem. Bella sah mich verwirrt an.

„Leider nein“, antwortete ich ihm ohne meinen Blick von Bella zu nehmen. „Biologie wird dieses Schuljahr scheinbar mein Lieblingsfach“, murmelte ich ihr leise zu, lächelte sie noch einmal an, drehte mich um und ging. Das laute Klopfen ihres Herzens verfolgte mich.

„Hey Bella. Wir haben also auch Sport zusammen.“

„Hm“, machte sie und ich konnte in Mikes Gedanken sehen, wie sie mir mit roten Wangen nachstarrte.


Emmett beobachtete mich im Spanischunterricht aufmerksam.

Was ist nur mit ihm los. Das hat heute früh angefangen. Frag mich was wohl passiert ist.
Du wirst mir nichts sagen oder?
Ich schüttelte nur den Kopf.

„Noch nicht.“ Emmett ging die gesamte Stunde alle möglichen Szenarien durch.
Irgendwann sagte ich ihm:
„Vergiss es. Das was ich zu erzählen habe, ist so ungewöhnlich, dass es den Rahmen deiner Phantasie sprengt.“ Daraufhin sah er mich nur mit hochgezogener Augenbraue an.
Was weißt du über mein Phantasievermögen?

„Es hat meine Vorstellungskraft gesprengt Emmett. Und wenn jemand deine einschätzen kann, dann ich.“ Damit war die Diskussion beendet.
Auch in der letzten Stunde beobachtete ich Bella sehnsüchtig. Sie musste noch nicht mit machen und saß nur an der Seite, wo sie von den vielen Jungs, meinen Konkurrenten, beobachtet wurde. Ich wusste, sie hatten keine Chance denn es war nur eine Frage der Zeit. Bella gehörte zu mir.
Sie ist mein Schicksal. Ich bin das ihre.
_______________________________________________________________________________
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6

Monday, July 27th 2009, 7:53pm

Kapitel 5

Erklärungen

Ich eilte aus dem Unterricht.
Ich wollte Bella noch einmal sehen, bevor sie nach Hause fuhr.Am Parkplatz angekommen stand Alice bereits an meinem Auto.
Ich fahre heute mit dir nach Hause wenn du nichts dagegen hast. Ich hab da einige Fragen…

„Ungeduldiger kleiner Vamp“, kicherte ich und sie grinste.
Du erzählst mir alles?

„Jupp.“

„Fein. Wollen wir gleich los?“
„Das wird ein längeres Gespräch, denke ich.“ Ich lehnte mich ans Auto und wartete auf ihr erscheinen. Alice sah mich ungeduldig an doch ich grinste nur. Rosalie und Jasper warteten noch auf Emmett, als er eingestiegen war warfen sie mir böse Blicke zu und fuhren los. Sie wussten, dass etwas im Busch war. Ich seufzte.
„Ich muss einen Weg finden, es ihnen bald zu erzählen.“

„Und was genau musst du ihnen erzählen?“ Bella kam in diesem Moment auf den Parkplatz – wie aufs Stichwort. Ich lächelte.

„Das ich dieses wundervolle Mädchen dort liebe und sie heiraten werde.“
Alice fing schallend an zu lachen.
„Du Scherzkeks.“ Das Lachen zog Bellas Aufmerksamkeit auf uns. Ich hob die Hand und grüßte sie lächelnd, als sich unsere Blicke trafen. Sie lächelte errötend zurück, hob dann ebenfalls kurz zögernd die Hand, stieg schnell in ihren Transporter und fuhr los. Ich drehte mich zu Alice um.

„Also wo sollen wir hin fahren? Das dürfte eine Weile dauern.“ Sie betrachtete prüfend mein Gesicht.

„Wow, du meinst das ernst“, entschied sie schließlich.

„Ja. Es dürfte dich freuen, dass du es schaffst sie dazu zu überreden, dich die Hochzeit ausstaffieren zu lassen“, antwortete ich und grinste sie an.


Wir saßen schweigend im Auto und fuhren die 101 entlang.
Ich brachte sie zu meiner Lichtung. Dort begann sie sofort ihre Gedanken in Fragen zu formulieren.
„Woher weißt du das alles und wieso kann ich das nicht sehen? Ich verstehe das nicht.“

„Ich kann dir noch nicht erzählen, woher ich meine Informationen habe. Ich weiß, dass dir das nicht gefällt und glaub mir ich möchte es dir gerne erzählen, aber ich habe es jemandem versprochen. Vielleicht erzählt dir dieser Jemand das alles irgendwann selbst. Tatsache ist, dass meine Informationen hundertprozentig sicher sind. Ich wusste, dass du diese Vision bekommen würdest.“ Ich musste grinsen.
„Ich hätte nicht gedacht, dass sich Bella wirklich auf den ersten Blick für mich entscheidet. Das hat mich überrascht. Ich möchte, dass du versuchst in deine eigene Zukunft zu sehen. Ich weiß, dass du Bella eben so sehr lieben wirst wie ich. Sie wird deine beste Freundin werden.“ Alice Augen wurden kurz unklar dann blickte sie mich überrascht an. Alice und Bella: Arm in Arm…beste Freundinnen.
„Hab ich doch gesagt, dass es dir gefallen wird. Ich weiß, es ist merkwürdig. Tatsache ist, dass noch mehr passieren wird. Du musst mir versprechen, dass alles was ich dir jetzt erzähle vorerst unter uns bleibt.“

„Wieso? Was ist es denn? Du verwirrst mich Edward.“

„Ich weiß. Versprich es mir bitte trotzdem. Das ist ’ne große Sache.“

„Okay. Ich verspreche es. Schieß endlich los, bevor ich platze.“ Ich lachte.

„Bella wird erfahren, was wir sind. Ursprünglich durch einen Unfall, zu dem ich es aber nicht kommen lassen werde. Ich weiß, das klingt komisch, aber lass mich bitte ausreden. Stattdessen werde ich es ihr sagen, wenn ich soweit bin. Sie wird es akzeptieren und wenn wir beide mit der Schule fertig sind, werde ich sie heiraten. Sie wird ein Vampir nachdem wir…“, ich zögerte.
Ja, ich wollte ein Kind mit Bella haben und ich wollte ihr die Möglichkeit geben eine Mutter zu sein. Sobald sie zum Vampir würde, gäbe es diese Möglichkeit schließlich nicht mehr. „Wir werden ein Baby bekommen.“ Alice Kiefer fiel herunter.
„Was? Das ist unmöglich.“ Ich seufzte.

„Nein ist es nicht. Bisher wusste das niemand, aber nur Vampirfrauen sind unfruchtbar. Männliche Vampire können mit menschlichen Frauen Kinder bekommen. Das ist sehr logisch, wenn du darüber nachdenkst. Frauen müssen sich für eine Schwangerschaft verändern können, für Männer ist das fürs Zeugen nicht nötig.“ Alice Gesicht nahm einen komischen Ausdruck an.

„Heißt das, dass du sie als Mensch heiraten willst und ihr… Sex haben werdet? Sorry, aber wie soll das gehen?“ Ich schmunzelte.

„Ich schätze so wie zwischen dir und Jasper auch. Nur … vorsichtiger.“

„Edward woher hast du diese Schnapsidee?“

„Es ist wahr Alice. Ich weiß es.“

„Wie? Woher?“

„Das darf ich dir nicht sagen. Willst du jetzt noch mehr hören?“

„Es gibt noch mehr?“

„Ja. Unser Kind wird zur hälfte unsterblich sein. Es wird einen Herzschlag haben und sehr warm sein. Weiter wird es etwa sieben Jahre lang sehr schnell wachsen bis es ausgewachsen ist. Die Schwangerschaft dauert nur etwa einen Monat. Es kann sich von Blut oder normaler Nahrung ernähren. Es wird unsterblich sein und es hat höchst wahrscheinlich ein Talent.“
Die Erinnerung an Renesmee war zu schmerzlich.Ohne, das ich es bemerkte liefen mir wieder Tränen über das Gesicht.
„Edward was ist los? Wie kannst du weinen. Ich versteh das nicht.“
Sie sah so hilflos aus, wie ich mich fühlte.
„Ich habe etwas sehr schmerzliches durchgemacht Alice und mein Körper fand keine andere Möglichkeit damit umzugehen. Das Problem ist, wenn man einmal damit angefangen hat, kann man nicht mehr aufhören.“
Ich lächelte sie sauer an.
„Wovon redest du?“ Ich traf die Entscheidung im selben Augenblick.

„Okay. Das schulde ich dir. Die Volturi haben uns angegriffen, weil Aro dich in seinem Team haben wollte. Er hat unsere gesamte Familie, sehr viele Freunde, Bella und unser Kind getötet. Die Einzigen die verschont blieben waren wir beide und Jasper. Ich bin zurückgekommen, um das ungeschehen zu machen.“
Alice dachte eine Weile darüber nach.
„>zurückgekommen<? Von wo?“

„Die richtige Frage sollte lauten >von wann?< .“

„Heißt das, du hast eine Zeitreise gemacht?“, fragte sie zögerlich.

„So was in der Art.“

„Wie?“

„Das darf ich dir nicht sagen. Bitte vertrau mir. Ich denke, du wirst es noch erfahren. Irgendwann, aber nicht von mir. Du kannst all diese Dinge noch nicht sehen, weil die Entscheidungen dazu noch nicht alle gefallen sind. Versprich mir eines, Alice. Du darfst niemals- hörst du, niemals nach Volterra reisen. Die Volturi dürfen nie von dir erfahren, ebenso nicht von mir, oder von Jaspers Talent. Das war der Grund, warum sie unsere gesamte Familie getötet haben. Diese Bilder werde ich nie vergessen, sie werden mich durch die Ewigkeit begleiten.“ Zum Schluss wurde ich immer leiser.
Alice nahm mich in die Arme.
„Ich versteh noch immer nicht alles, aber das erklärt schon Mal so einiges. Können wir den anderen nicht davon erzählen?“

„Nein. Je weniger davon wissen, desto besser. Sollte dieser Jemand sich je zu erkennen geben, werde ich allen die ganze Geschichte erzählen. Nicht vorher. Ich hab es versprochen. Es gibt noch viel mehr.“

„Noch mehr? Uff.“ Ich grinste.

„Ich muss es dir ja nicht erzählen, wenn du es nicht wissen willst…“ Sie knurrte mich an.
„Dachte ich mir. Ich muss dir leider noch von einigen Schwächen in deinem Talent erzählen. Du kannst die ansässigen Werwölfe nicht sehen. Sie tauchen nämlich nach und nach wieder auf. In ihnen wird das Gen durch die Anwesenheit von Vampiren aktiviert, was für einen kleinen Populationszuwachs sorgen wird. Und sobald Bella entdeckt, dass sie schwanger ist, wirst du auch sie nicht mehr sehen können. Du hast vermutet, dass das daran liegt, weil unser Kind ein Halbwesen ist. Menschen siehst du, weil du einer warst und Vampire, weil du einer bist. Du konntest Renesmee nicht sehen.“ Meine Stimme brach bei ihrem Namen.
„Was für ein schöner Name“, murmelte Alice.

„Ich werde sie wohl nie wieder sehen. Sie wird wohl nie existieren. Nicht, wenn ich die Zukunft ändern will, um uns alle zu retten.“

„Es tut mir so leid Edward“, wisperte sie.

„Sie war wunderschön und hoch intelligent. Sie hatte ein außergewöhnliches Talent. Selbst Eleazar war begeistert von ihr.“
Alice strich mir die Tränen von der Wange.
„Es ist merkwürdig das zu sehen. Es macht mich irgendwie neidisch.“ Wieder fing sie eine meiner Tränen auf und zerrieb sie nachdenklich zwischen ihren Fingern.
„Ich habe das Gefühl meine Nichte zu vermissen, obwohl ich sie nicht kenne. Möchtest du mir von ihr erzählen?“, fragte sie leise. Wem konnte ich sonst je von ihr erzählen? Unter Tränen und Lachen erzählte ich Alice von meiner Tochter, die nie existieren würde. „Weißt du. Es besteht noch eine geringe Chance. Wenn ihr die Zeugung am gleichen Tag versucht… Ich weiß es ist total unwahrscheinlich, aber ich weiß nicht, was ich dir sonst sagen soll, wie ich dich trösten kann.“ Ich nahm ihre Hände in meine.
„Euch alle lebend und lachend zu sehen ist ein großer Trost.“
Ich grinste sie schief an. „Und ehrlich gesagt glaube ich auch nicht, dass ich mich solange von Bella fern halten kann.“ Ich erzählte ihr von dem Durst, den ich früher in Bellas Nähe immer zu bekämpfen hatte und sie sah mich erschrocken an. Sie liebte Bella bereits genug um sich Sorgen um sie zu machen. „Das war damals der Grund, warum ich mich sehr lange nur mit Händchenhalten zufrieden geben musste.“ Ich schmunzelte wieder. „Keine Sorge, was das anbelangt. Ich bin drüber weg. Ich habe meinen Durst so gut wie nie zuvor im Griff. Ich war heute nur extra noch jagen, weil ich auf Nummer sicher gehen wollte. Ich hab sie lange nicht als Mensch gerochen. Du wirst sehen, sie duftet himmlisch.“ Es entstand eine kleine Pause in der Alice versucht ihre Gedanken zu ordnen.
„Sag mal wie weit musstest du zurück?“

„Etwas über zwei Jahre. Ich weiß es nicht genau. Ich saß lange in Volterra im Kerker.“

„Zum heutigen Tag? Das alles ist in zwei Jahren geschehen?“

„Noch viel mehr, aber das zu erzählen ist sinnlos. Kurz: Bella wäre erst fast von einem Auto zerquetscht worden, danach lief sie einem Vergewaltiger und Mörder in die Arme und dann einem sadistischem Tracker. Wir mussten ihn töten. Deswegen erschuf seine Gefährtin aus Rache eine Armee von Neugeborenen und jagte sie uns auf den Hals. Ich wäre in Volterra beinahe freiwillig in den Tod gegangen, weil ich dachte Bella ist tot. Dank deiner Visionslücken und Rosalie. Das Werwolfrudel wurde zu unseren Freunden. Zum Schluss bestand das Rudel aus siebzehn Wölfen. Wir wurden so was wie eine große etwas komisch anmutende Familie.
Ich sollte vielleicht erklären, dass Bella ein echter Gefahrenmagnet ist. Deshalb brauche ich auch deine Hilfe. Ich habe Angst sie aus den Augen zu lassen. Wenigstens solange sie noch ein Mensch ist. Wir müssen sie im Auge behalten und zwar vierundzwanzig Stunden täglich!“
„Moment! Mir dreht sich alles. Nicht so schnell!“ Ich lachte.

„Kann ich verstehen. Selbst für einen Vampir ist das sehr viel.“
Wir schwiegen wieder eine Weile.
„Das muss merkwürdig sein. Du hast das Gefühl mit ihr verheiratet zu sein. Du liebst sie doch sie kennt dich gar nicht“, sagte Alice plötzlich nach einer kleinen Pause und ich seufzte.

„Du weißt ja gar nicht wie schwer! Deshalb brauche ich auch deine Hilfe. Ich weiß, es wäre anständiger etwas zu warten, sie erst kennen zu lernen, ihr Zeit zu geben, aber ich vermisse sie so. Sie weiß gerade meinen Namen und ich möchte sie in meine Arme ziehen und sie küssen! Meine letzte Erinnerung an sie ist der Horror- Ich muss was dagegen tun. Ich muss diese Bilder aus meinem Kopf bekommen.“ Ich schauderte bei der Erinnerung.

„Okay. Gerne. Wie kann ich helfen?“ Sie konnte mir ansehen, dass ich den Trost brauchte, dass ich Bella brauchte.

„Ich kann sie schlecht jetzt schon um ein Date bitten, aber du könntest etwas mit ihr unternehmen und ich würde dann rein zufällig dazu stoßen.“

„Shopping?“
„Nur wenn du mir verspricht, sehr viel Zeit in der Umkleide zu verbringen“, grinste ich, als ich den Plan in ihren Gedanken lesen konnte.
„Fein, ich frage sie gleich morgen.“

„Lade sie vielleicht erst einmal an unseren Tisch in der Cafeteria ein. Ich will sie nicht durch zu schnelles Vorgehen verschrecken, das hätte ich heute schon beinahe geschafft.“

„Auch gut. Was erzählen wir den anderen?“

„Oh Mann, wenn ich das schon wüsste… Kann ich dich nicht erst mal vorschieben? Du könntest sagen, dass du sie magst.“

„Wieso so feige Bruderherz?“

„Rosalie könnte problematisch werden. Ich will einfach eine Weile meine Ruhe haben. Sie wird Bella auch eines Tages mögen, aber sie war am Anfang ziemlich schwierig.“

„Na gut. Wenn du es so willst. Ich spreche Bella morgen an.“

„Alice? Wieso glaubst du mir das alles einfach so? Ich meine, ich habe keinerlei Beweise und diese Geschichte ist so abwegig!“ Alice grinste mich an.

„Du hast keinen Grund dir so was auszudenken. Ganz zu schweigen davon, dass diese Geschichte so abwegig ist, dass sie sich gar keiner einfach so ausdenken kann und wenn ich deine Tränen sehe, denke ich übrigens, dass du einen sehr guten Beweis hast. Und Schlussendlich hast du mir eine Vision vorhergesagt! Das ist absolut neu!“ Sie lachte herzlich. „Ich kriege eine neue Schwägerin und werde Tante! Das ist so super!“
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Monday, July 27th 2009, 10:17pm

Kapitel 6

Projekt Volterra

Zu Hause angekommen, plagte mich das schlechte Gewissen und am liebsten hätte ich es ihnen allen erklärt, nur das ging eben nicht. Selbst meine kleine süße Schwester hatte schwer an all dem zu knabbern gehabt und war lieber erst einmal nicht mit mir mit gekommen. Sie hatte nicht gewollt, dass Jasper ihre Verwirrung spürt. Stattdessen war sie jagen gegangen. Es war schon ziemlich spät, aber noch nicht spät genug, um meine Liebste zu besuchen.

Wie ich sie vermisse…

Ich setzte mich ans Klavier und fing an zu spielen.
Als erstes Esmes Lieblingsstück und ohne es zu bemerken, ging es in meines über - Bellas Schlaflied. Ich hatte ihre Gedanken so sehr ausgeblendet, dass ich erst bemerkte, dass sie verwundert hinter mir standen, als ich fertig war.
Esme: „Edward, dass ist wunderschön. Hast du das selbst geschrieben?“
Erschrocken fuhr ich auf.
„Ehm. Ja, Mom. Gefällt es dir?“

„Es ist wirklich schön“, antwortete Carlisle.

„Es klingt etwas melancholisch. Vor allem am Schluss. Wieso?“, fragte Jasper und ich wusste, er spielte dabei auf meine eigene Melancholie und Sehnsucht an.

„Hat es eine Geschichte?“, fragte Esme weiter, bevor ich antworten konnte.

Was soll ich ihnen antworten? Ich will sie nicht schon wieder anlügen.

„Ich habe es schon vor über zwei Jahren geschrieben. Ich war da etwas melancholisch.“ Ich grinste leicht.
„Immer drei perfekte Liebespaare zu erleben und dabei Single zu sein schlägt einem manchmal aufs Gemüt.“

„Wieso haben wir es nie vorher gehört? Es ist so schön. Spielst du es noch einmal?“ Ohne zu antworten drehte ich mich lächelnd um und wollte wieder beginnen, als mich Carlisles Gedanken kurz inne halten ließen.

Dabei komponiert er doch immer nur, wenn er seine Gefühle verarbeiten muss. Ich kann mich nicht erinnern, dass er vor zwei Jahren eine solche Phase hatte. Habe ich das übersehen? Wie konnte ich nur? Was habe ich noch übersehen? Ich sollte besser auf ihn achten. Esme hat Recht. Edward fehlt etwas. Hoffen wir, dass er bald findet, wonach er sucht.

Verdammt.

Ich hatte nicht gewusst, dass ich so durchschaubar war. Liegt vielleicht daran, dass wir einander schon so lange kannten und uns voll vertrauen konnten. Mein Schweigen hatte ja schließlich auch nichts mit meinem Vertrauen gegenüber der Familie zu tun, sondern mit dem von Tempes.
Als ich geendet hatte, ging ich hinauf in mein Zimmer. Ich musste über die Begleichung meiner Rechnung nachdenken. Ich grübelte lange.
Wie soll ich ihm eine Nachricht zukommen lassen?
Einfach einen Brief zu schreiben wäre zu riskant, wenn die falschen ihn lesen würden…Ich selbst kann unmöglich nach Volterra. Alice, Jasper, Rosalie sowie Emmett fallen ebenfalls aus.Wie soll ich Carlisle dazu bringen, nach Volterra zu fahren und den Volturi für mich einen Besuch abzustatten. Wie soll ich ihm beibringen, dass er Aro auf keinen Fall berühren darf und dass er ihm nicht zuviel von unserer Familie erzählen soll?Ein kompliziertes Problem.Carlisle und Esme hatten lange keinen Urlaub gemacht. Das wäre eine Möglichkeit, ihn auf die Reise zu schicken. Rom um diese Zeit wäre sehr schön. Esme und er hätten Zeit für sich. Ich könnte ihn fragen, ob er an Volterra vorbei kommt und ihn bitten, einen Brief für mich ab zu geben. Wie halte ich ihn nur davon ab, Aro die Hand zu geben?Eine Berührung und Aro kennt jeden Gedanken von Carlisle.
Der stetige Gedanke an Bella, der immer in meinem Hinterkopf schlummerte, brachte mich auf eine Idee. Sie hatte mir einmal gesagt, dass sie seine Gabe furchtbar fand, weil jeder noch so intime Gedanke zwischen uns, auch ihm bekannt werden würde, wenn ich ihn berührte.
Das war noch vor der Schlacht gewesen. Ich sage bewusst Schlacht und nicht Kampf, denn es war ein „Abschlachten“ gewesen. Nicht mehr und nicht weniger. Das hatte nichts mit Justiz zu tun gehabt.
Esme kann der Gedanke nicht weniger unangenehm sein - vielleicht liegt darin die Lösung.

Im Garten hinter dem Haus, sah ich Esme, die vor einer Leinwand stand. Die Dunkelheit störte sie beim Malen natürlich nicht im Geringsten.
Sie malte eigentlich immer nur aus Hobby, doch sie war so talentiert, dass sich ihre Gemälde sehr gut verkauften, denn selbst wir hatten nicht genug Häuser, um sie alle irgendwo auf zu hängen. Sie verkaufte nur unter Synonymen. Derzeit war es „Luc M. Seelen“. Ein Anagramm. Sie arbeitet an einem Wasserfall. Ich erkannte ihn sofort, es war der von Esmes Island.
„Warum bist du denn hier draußen? Gefällt dir dein Atelier auf dem Dachboden denn nicht?“

„Ich liebe die Gerüche hier draußen und das Plätschern des Flusses, es inspiriert mich immer sehr. Sieh dir die Wolken an, sind sie nicht wunderschön?“

„Hm, stimmt. Das Bild ist wirklich bezaubernd. Wenn du es fertig hast, möchte ich es gerne haben, wenn ich denn Anspruch darauf erheben darf.“ Ich zwinkerte ihr neckisch zu. Sie sah mich überrascht an.

„Oh danke Edward. Natürlich mein Junge, wenn es dir gefällt.“

„Ihr wart lange nicht dort. Du und Carlisle. Ihr wart an sich lange nicht mehr fort.“

„Stimmt“, antwortete sie seufzend. „Er liebt seine Arbeit und sie fehlt ihm so, wenn wir weg sind. Und ihr fehlt uns dann natürlich auch immer sehr.“

„Vielleicht solltet ihr mal einen kleinen Ausflug machen. Ein verlängertes Wochenende in Paris oder Rom vielleicht. Das wäre nicht so lange und du könntest mal wieder den Rahmen deiner Kreditkarte mit etwas anderem als Möbelkaufen sprengen.“ Wieder musste ich grinsen. Esme lachte.

„Ja, das ist keine schlechte Idee. Aber sag mal wie kommst du darauf? Willst du uns vielleicht aus dem Haus haben? Wilde Partys feiern, während Mom und Dad nicht zu Hause sind?“ Nun musste ich wirklich lachen.

„Soll das heißen, dass wilde Partys verboten sind, solange ihr hier seid? Ich dachte immer, wir könnten jederzeit eine veranstalten, wenn uns danach zumute wäre.“ Esme fiel in mein Lachen mit ein. In ihren Gedanken sah ich, wie sie mit den Gedanken bei einem Kurztrip nach Rom war. Sehr gut.

„Ich setze Carlisle den Floh gerne ins Ohr, wenn du möchtest…“, bot ich ihr verschwörerisch flüsternd an.
Hmm Wieso eigentlich nicht! Du hast Recht, ich hab ihn schon viel zu lange nicht mehr für mich alleine gehabt.

Manchmal erschrak ich vor mir selbst. Ich konnte wirklich gut manipulieren.

Carlisle saß wie immer in seinem Büro über einem Buch.

„Hey Dad, kann ich mit dir reden?“

„Klar mein Junge worum geht’s?“

„Es geht um Esme. Hast du dir in letzter Zeit mal ihre Bilder angesehen?“

„Ich sehe mir alle ihre Bilder an. Wieso?“

„Ist dir aufgefallen, dass sie viel von ihrer Insel malt?“ Ich bekam einen verwirrten Blick als Antwort.
Willst du mir damit etwas sagen?

„Ich glaube Esme hätte gerne mal wieder ein bisschen Zeit mit dir allein. Vielleicht solltest du dir mal ein bisschen Zeit für sie nehmen.“

„Glaubst du sie fühlt sich vernachlässigt?“, fragte er erschrocken.

„Nein, ich denke nur, sie selbst würde nichts sagen, wenn es so wäre. Sie weiß wie sehr du deine Arbeit liebst. Sie ist glücklich, wenn du es bist. Sie kommt allerdings aber auch nicht sehr oft raus. Vielleicht langweilt sie sich und ein bisschen Abwechslung kann ja nicht schaden. Rede doch mal mit ihr.“ Ich zwinkerte ihm zu und verließ das Büro. Hinter mir hörte ich bereits in seinen Gedanken die Überlegungen, wie er seine Liebste glücklich machen könnte.
Ich musste grinsen.
Vielleicht sollte ich im nächsten Reisebüro vorbei schauen und einige Rom- Prospekte herum liegen lassen
, dachte ich. Nein, das wäre zuviel des Guten.

Zurück in meinem Zimmer angekommen begann ich einen Brief zu verfassen.

Quoted

Hallo Tempes,
Ich weiß, ich habe mich lange nicht gemeldet.

Du hast mir letztens ja berichtet, dass du für die Volturi arbeitest, du aber eine Auszeit gebrauchen könntest.
Daher wollte ich dich nur einmal daran erinnern, dass du mich besuchen wolltest.
Du musst unbedingt meine Familie kennen lernen.

Schließlich bist du für mich selbst wie ein Onkel und so bekäme ich endlich die Möglichkeit meine alte Rechnung zu begleichen…

Den Gefallen, den du mir getan hast habe ich nicht vergessen.

Außerdem schuldest du mir noch eine tränenreiche Geschichte.

Ich wollte dich eigentlich persönlich besuchen, aber Godolewa mag es nicht, wenn ich solange fort bin.
Das verstehst du sicherlich.

Hoffentlich sehen wir uns bald.
Edward
Nun wenn das kein Text voller Hinweise ist…
Jetzt musste ich Esme nur noch darauf hinweisen, dass Carlisle, Aro nicht berühren durfte.

Doch dazu später.
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8

Tuesday, July 28th 2009, 12:16am

Kapitel 7

Ernste Angelegenheiten


Jetzt musste ich erst einmal zu Bella.
Sie schlief unruhig und redete ununterbrochen in dieser Nacht.
Sie sprach vor allem von ihrer Mutter. Sie machte sich Sorgen und erklärte ihr im Schlaf immer wieder wo sie gewisse Dinge finden würde. Ein Handy in der Schreibtischschublade, eine Bluse in der Wäscherei…

Ich saß nicht wie üblich im Schaukelstuhl sondern hockte direkt neben ihrem Bett. Ich betrachtete ihr Gesicht und genoss ihren Duft.
Wenn Bella aufgewacht wäre, hätte sie direkt in meine Augen geblickt.
Dann hätte ich so einiges erklären müssen…

Sie rutschte näher zu mir und atmete tief durch. Mein Atem strich über ihr Gesicht und Bella wurde immer ruhiger, bis sie schließlich verstummte.
Ich wusste, einige Stunden später, die Sonne würde bald aufgehen also richtete ich mich auf und streifte vorsichtig mit meinen Lippen die ihren.
„Edward“, murmelte sie leise und ich erstarrte vor Schock. Doch ein Blick auf ihre schlafende Gestalt und ich war mir sicher, dass Bella nur träumte.
Bella träumte bereits wieder von mir. Ich lächelte selig.
„Bis nachher meine Liebste“, wisperte ich leise und Bella lächelte im Schlaf.
Es war nicht viel, aber es war alles was ich derzeit brauchte.


Zu Hause angekommen sahen mich alle außer Alice fragend an.

Ich habe ihnen gesagt, dass sie sich keine Sorgen machen brauchen, dass du aber noch nicht darüber reden willst. Sie sind etwas geknickt, dass ich bescheid weiß und sie nicht.

Alice einzuweihen war die richtige Entscheidung gewesen. Ich lächelte ihr zu.
„Ich zieh mich schnell um. Gebt mir eine Minute.“

„Was willst du denn solange machen?“, fragte Emmett spöttisch.
Ich lachte nur als Antwort.
Mir Mühe geben mit meinem Outfit – schließlich will ich heute flirten was das Zeug hält…
Ich hab dir was raus gelegt
kam es von Alice.
Ich sah mir das schwarze hautenge Shirt, die dunkle Jeans und die Lederjacke genau an. Ja, das würde Bella gefallen… Ich kämmte mir noch die Haare und war noch vor Ende der Minute unten in der Küche. Ich gab Esme einen Kuss auf die Wange, sagte ihr, dass ich sie lieb habe und raste dann zum Auto. Ich würde nie wieder einen Tag ohne diese Worte vergehen lassen. Grinsend lief ich auf meinen Volvo zu. Alice stand mit Rosalie am Cabrio. Aus irgendeinem Grund wollte sie damit zur Schule fahren. Alice zwinkerte mir heimlich zu. Es war ihre Idee gewesen. Sie hatte einen Plan und es ging dabei offensichtlich um Bella.
Rosalie: Gestern so geschniegelt und heute wieder. Das ist irgendwie ungewöhnlich. Was hat Edward nur?

Jasper: Schon wieder so euphorisch. Von seinen Gemütslagen bekomm ich noch ein Schleudertrauma. Wenn mir Alice nur sagen würde was los ist…

Emmett: Grinst schon wieder so dämlich, der Junge verliert eindeutig den Verstand…

Plötzlich meldete sich Alice, mit der Hand an der Türklinke.

„Oh. Das ist ja toll. Ich bekomm eine neue Freundin!“
Alle sahen sie verdutzt an. Selbst mich hatte sie damit total überrascht. Ich wusste natürlich wen sie meinte und ich verstand auch, warum sie das gesagt hatte und doch hatte sie mich damit überrumpelt.
„Wen denn?“, fragt Jasper.

„Die neue Schülerin. Isabella Swan“, antwortete sie euphorisch.

„Einen Menschen?“, fragte Rosalie verwirrt.

„Klar wieso nicht. Wenn du im nächsten Jahr in der Uni bist muss ich mir jemand anderen zum Shoppen suchen. Ich kann ja nicht immer mit den Jungs gehen, das ist schließlich ein Mädchending“, kicherte Alice.
„Hey Edward. Hilfst du mir sie dazu zu überreden mit mir zum Shoppen zu fahren? Du hast doch Bio mit ihr zusammen. Oder?“
„Ich?“, fragte ich gespielt überrascht.

„Oh bitte… Du bist der offizielle Single unserer Familie. Vielleicht steht sie ja auf dich- das wäre ’ne echte Hilfe. Tu einfach mal so als wärst du charmant“, stichelte sie.
„Wenn du mich dann im nächsten Jahr mit deinen Shoppingexzessen verschonst. Bitte gerne“, lachte ich amüsiert.
Edward und Bella die sitzen auf ’nem Baum und K-Ü-S-S-E-N sich… trällerte Alice in ihren Gedanken. Ich musste kichern.
„Schön wär’s.“ Alice lachte.
Bald! Ich sorge schon dafür…Lass mich nur machen! Schön, wenn du soviel lachst, das macht mich glücklich.

Emmett hatte genervt gegrummelt, als wir unseren Witz nicht teilen wollten. Alice hatte sich, mit der Ausrede mit mir einen Schlachtplan entwickeln zu müssen, zu mir ins Auto gesetzt und wir waren zu zweit zur Schule gefahren.


Auf dem Parkplatz angekommen, erklärte mir Alice, dass sie noch einen Plan hatte. Worum es dabei genau gehen sollte, verriet sie mir allerdings nicht und hielt sich auch in ihren Gedanken sehr bedeckt. Mir war es egal und ich forcierte das Wissen nicht aus ihr heraus. Hätte ich es doch getan…

Alice blieb zurück und wartete auf dem Parkplatz, während ich mich auf machte. Ich verfolgte Alice Gedanken allerdings weiterhin und blieb kurz erschrocken stehen, als sie die Motorhaube von Bellas Truck öffnete und entschlossen nach einem der Kabel, die zur Zündung führten griff. Sie riss es mit einer kleinen Bewegung durch.

„Alice!“, schimpfte ich wütend und wollte schon umdrehen, um ihr den Hals umzudrehen, als sie mir antwortete.

Beruhig dich. Das wird für sie nicht zu teuer. Du kannst ihr sagen woran es liegt und ihr anbieten, ein neues Kabel für sie zu bestellen. Bis dahin müsste sie laufen, wenn sie nicht mit uns zweien zur Schule fahren möchte.
Ich runzelte leicht die Stirn.

„Erinnere mich daran, dich niemals gegen mich auf zu bringen, kleines Monster“, antwortete ich laut genug, damit sie mich hören konnte. Alice lachte und schloss wieder die Motorhaube.

Geht klar. Wir lassen ihren Wagen nachher von Emmett mit seinem Jeep abschleppen. Ich warne ihn gleich vor und nun geh. Du hast noch was vor, bevor du in die Klasse gehst.


Noch vor dem Unterrichtsbeginn ging ich in das Büro von Miss Cope, unsere Sekretärin. Ich wollte so viele Kurse von mir tauschen wie möglich und ich hatte noch keine Ahnung, wie ich das anstellen sollte.

„Ehm guten Morgen, Miss Cope.“

„Hallo Edward. Was kann ich für dich tun?“
Meine Güte diese Cullens sind aber auch gut aussehend. Alle gute Gene. Ach Quatsch- die sind doch gar nicht mit einander verwandt…

Bevor sie darüber nachdenken konnte, dass wir alle die gleiche ungewöhnliche Augenfarbe haben ohne Verwandte zu sein redete ich weiter.

„Tja um ehrlich zu sein, möchte ich gerne einige Kurse tauschen.“
Mir fiel nur einfach keine sinnvolle Ausrede dafür ein, wieso ich das tun wollte.
„Welche Kurse denn? Und noch wichtiger wieso? Hast du Probleme mit den Lehrern?“ Ich räusperte mich.

Verdammt, das wird schwierig.

„Äh, nein. Keine Probleme Miss Cope.“

Natürlich nicht. Nie gibt es Probleme mit den Cullens. Sie sind alle immer so höflich und ruhig.

„Nun wie kann ich dir denn nun helfen?“

„Tja könnte ich vielleicht meinen Englischkurs, meinen Mathekurs und Geschichte verlegen?“ In diesen Kursen saß ich neben Alice.
Sie wird es verstehen. Die anderen wären sauer, wenn ich meine gemeinsamen Stunden mit ihnen tauschen würde
, dachte ich.

Gleich drei Kurse? Das ist aber merkwürdig.

„Nun ich kann nachsehen, aber ehrlich gesagt brauche ich eine Erklärung, um dich umzusetzen. Wieso willst du sie verlegen?“

Das ergibt keinen Sinn… Er sieht irgendwie verlegen aus.

„Was ist denn los Edward? Ist alles in Ordnung?“
Mir fiel keine gute Lüge ein also beschloss ich es mit der Wahrheit zu versuchen. Ich sah verlegen auf meine Hände.
„Um ehrlich zu sein, bin ich aus rein privaten Angelegenheiten an dem Wechsel interessiert, Miss Cope. Ich“
Ich stockte.
Gott ist das peinlich!

„Nun sag schon“, forderte sie mich freundlich auf.

Was ist es nur. Jetzt bin ich wirklich neugierig…

„Können sie mir versprechen, dass das unter uns bleibt?“

„Natürlich, Edward. Kein Problem. Nun sag schon, was ist los?“ Ich sah mich um, als wollte ich checken, dass wir wirklich alleine waren und beugte mich dann über den Tresen. Die Sekretärin beugte sich mir neugierig entgegen.

„Das ist eine Herzensangelegenheit.“ Wenn ich hätte rot werden können, wäre ich wohl so rot wie der lahm gelegte Truck von Bella geworden.

Hm? Das versteh ich jetzt mal gar nicht…

„Soll das heißen du hast dich verliebt und willst deswegen die Kurse tauschen?“, fragte sie verwirrt und irgendwie schien sie amüsiert.
Das ist das erste Mal, dass ich erlebe, dass sich ein Cullen- Sprössling tatsächlich auch wie ein Teenager benimmt.

Ich nickte nur und traute mich nicht, ihr in die Augen zu sehen vor Verlegenheit. Meine Gefühle gingen eben niemanden etwas an!

Das ist sooo süß!

„Na ja, bei einer so ernsten Angelegenheit, kann ich ja schlecht nein sagen. Oder?“ Sie grinste mich an, als ich überrascht aufsah.

Wer sie wohl ist?

„Du willst also mehr Kurse mit ihr zusammen haben?“ Ich war so überrascht von ihrem Entgegenkommen, dass ich wieder wahrheitsgemäß antwortete. „Wenn du mir sagst, wer es ist, lässt sich da vielleicht noch mehr machen…“, bot sie mir mit einem verschwörerischen Grinsen an.
„Nein, nein. Diese Kurse reichen völlig aus“, murmelte ich verlegen.

Ach, das kriege ich auch noch raus. Ich brauche ja nur die Teilnehmerinnen seiner Kurse zu vergleichen…

Ich erklärte ihr, in welche Kurse ich wechseln wollte und sie begann zu tippen.
„Ich hätte nie gedacht, dass ich mit meinem Job mal Amor spielen kann. Das gefällt mir“, kicherte sie vergnügt.

Ich sollte einen Weg finden, mich bei ihr zu bedanken…
,
sinnierte ich.

„Ich werde einfach als Begründung >organisatorische Gründe< rein schreiben. So erledigt. Und du hast nicht vor mir anzuvertrauen, wer sie ist?“, fragte sie noch einmal grinsend und händigte mir den Zettel aus, den ich den Lehrern vorzeigen sollte.

Ach, wieso eigentlich nicht. Sie war so hilfsbereit. Wenn das, das Einzige ist, was sie im Gegenzug verlangt…
Ich beugte mich grinsend über den Tresen und flüsterte ihr zu.

„Das bleibt aber unser Geheimnis!“, sie nickte eifrig.
„Isabella Swan.“
Die kleine Tochter des Chief? Hm, okay. Ich hatte eher gedacht die kleine Jessica oder Lauren. Sie ist doch erst seit gestern hier. Liebe auf den ersten Blick! Das ist so süß. Sie geben bestimmt ein hübsches Paar ab. Hoffentlich wird was draus, dann hab ich mal was, was ich meinen Enkelkindern erzählen kann…, dachte sie amüsiert.

„Na dann viel Glück!“ Sie zwinkerte mir noch einmal zu. In der Tür drehte ich mich noch einmal herum und lächelte ihr noch einmal zu.
„Ich danke ihnen, Miss Cope. Ich schulde ihnen etwas. Ich mach das irgendwie wieder gut. Versprochen!“ Morgen würde ein großer Blumenstrauß und ein Kasten Pralinen auf ihrem Platz stehen…
In der ersten Stunde hatte ich also von da an Englisch.
Konnte der Tag besser beginnen?
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9

Tuesday, July 28th 2009, 12:58am

Kapitel 8

Die Kunst des Flirtens


Ich kam etwas spät zum Unterricht, weil der Drucker länger gebraucht hatte. Im Raum angekommen ging ich zum Lehrertisch und reichte ihm den Zettel zum unterzeichnen.

„Hm, das ist aber ungewöhnlich.“

„Ich weiß nicht, was dazu geführt hat. Miss Cope meinte nur, dass ich bestimmt keine Schwierigkeiten haben würde den Kurs zu wechseln. Sie hat deswegen wohl extra mich gefragt“, log ich fehlerfrei. Sobald ich mich im Raum nach einem Platz umsah, trafen sich unsere Blicke und ich lächelte ihr zu. Verwirrt lächelnd nickte sie kurz. Sie saß in der Mitte und die Bank direkt hinter ihr war zufällig noch frei. Neben ihr saß Angela Weber.

Ah, ich darf sie nicht vergessen. Ich schulde ihr noch die Verabredung mit Ben.
Ich muss dieses Gespräch mit Emmett wohl noch einmal führen. Gleich heute noch, beschloss ich. Als ich auf gleicher Höhe zu Bella war, zwinkerte ich ihr frech zu. Bella wurde rot, sah jedoch diesmal nicht weg.
Hat Edward Bella gerade zugezwinkert? Wow. Ich hab ihn noch nie flirten gesehen. Ob sie ihn auch mag? Das wird ja noch interessant und dann sitzt er auch noch direkt hinter uns.

„Hm, Bio und jetzt auch noch Englisch. Ich sollte Miss Cope einen Blumenstrauß zukommen lassen“, flüsterte ich gerade so laut, dass Bella es hören konnte. Sie warf mir einen verwirrten Blick über die Schulter zu.

„Buon giorno, Bella“, sagte ich etwas lauter und grinste sie an.
Ich sprach ihren Namen nicht wie üblich aus, sondern gab dem ganzen die italienische Note, um sie an unser Gespräch vom Vortag zu erinnern.
„Guten Morgen, Edward“, wisperte sie und mein Herz erwärmte sich beim Klang meines Namens aus ihrem Mund. Angela beugte sich zu ihr herüber und flüsterte.

„Woher kennt er denn deinen Namen?“

„Wir sitzen in Bio neben einander“, raunte Bella zurück.
Beide konnten ja nicht wissen, dass ich sie klar und deutlich hören konnte. Und ich las mit, als Angela einen Zettel hervor holte und anfing darauf zu schreiben:

Quoted

Habt ihr euch unterhalten? Er spricht sonst nie mit jemandem, außer seiner Familie.

Ja, ein wenig. Bleibt ja nicht aus, wenn man neben einander sitzt.

Ich glaube ich habe ihn noch nie mit einem Mädchen flirten sehen. Ich glaub er mag dich.

Flirten? Blödsinn. Er ist nur nett.


Wenn du meinst. Ich denke er flirtet mit dir. Sieht jedenfalls so aus.
Bella schüttelte stur den Kopf, sah daraufhin allerdings das erste Mal über ihre Schulter zu mir. Ich zwinkerte ihr wieder frech mit einem schiefen Grinsen zu. Erschrocken drehte sie sich wieder um. Ihr Herz schlug laut und viel zu schnell. Danach war es mit ihrer und meiner Ruhe vorbei.
In Angelas Gedanken konnte ich Bella erröten sehen.

Eindeutig flirtet er mit ihr. Ob sie wohl lieber neben ihm sitzen möchte? Sie könnte ja zu ihm hinter rutschen. Ich biete es ihr später an. Ich will ihr ja nicht im Weg stehen.
Ja, Angela verdiente es glücklich verliebt zu sein. Gleich nachher in Spanisch…
Die gesamte Stunde über hatte ich nur Augen für Bella. Sie schien immer nervöser zu werden und einige Male drehte sie den Kopf so weit, dass sie mich aus dem Augenwinkel sehen konnte. Jedes Mal, wenn ihr Blick auffällig wurde, zwinkerte ich ihr zu und grinste. Ich war die ganze Stunde über überhaupt nicht bei der Sache.
Als es klingelte fragte ich sofort:
„Und was habt ihr beiden hübschen Mädchen jetzt?“ Als mich beide verblufft ansahen grinste ich nur. Angelas Gedanken waren kurzzeitig inkohärent.

„Ehm, ich muss zum Sport. Wir sehen uns dann später Bella“, antwortete Angela schnell und lächelte mich verwirrt an. „Edward.“ Bella nickte nur.

Wow was für ein Lächeln. Er ist scheinbar wirklich an Bella interessiert. Ich glaube, er hat mich bisher noch nie angesprochen. Bella ist so nett und ich finde sie würden ein hübsches Paar abgeben. Aber Jessica wird das nicht gefallen. Sie hat er schließlich abblitzen lassen… Sie werden im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen, dass wird Bella nicht mögen. Die beiden werden das Gespräch der Schule…

Danach war sie verschwunden.

„Und du?“, fragte ich nun Bella.

„Ich muss zu Mathe.“ Ich grinste wieder und ihr Herz begann zu rasen.

„Das trifft sich ja blendend. Miss Cope hat einige meiner Kurse tauschen müssen. Ich habe jetzt auch Mathe. Dann können wir ja zusammen gehen.“
Sie nickte nur und wollte nach ihrer Tasche greifen.
„Darf ich? Die sieht sehr schwer aus“, fragte ich schnell und griff nach der Tasche. Unsere Finger berühren sich und es war wie ein Stromschlag, Bella zuckt zurück. Ich nahm die Tasche einfach und legte mir den Riemen über die Schulter.

„Das ist wirklich nicht nötig“, stotterte sie leise und wurde wieder rot.

„Ich mache es gerne. Meine Mom hat mir außerdem beigebracht, immer nett und zuvorkommend zu sein“, scherzte ich. Sie sah mich verwirrt an und ich konnte die Frage in ihrem Blick lesen. >Hat er das mitbekommen? Nein, unmöglich. Oder?<

„Hast du in Mathe schon einen Sitznachbarn?“, fragte ich unschuldig, obwohl ich die Antwort bereits kannte.
„Ja, ich sitze neben Jessica.“ Ich schmunzelte.
„Und ich nehme an, daran lässt sich nichts mehr ändern. Schade. Bist du gut in Mathe?“ Sie sah verwirrt auf.

„Geht so. Ich mag Mathe nicht sonderlich.“ Ich grinste wieder.

„Wenn ich dir Nachhilfe anbieten soll, brauchst du nur ein Wort zu sagen.“ Sie bekam wieder diesen verträumten Gesichtsausdruck.
Bella räusperte sich, bevor sie antworten konnte:
„Danke. Vielleicht komme ich darauf zurück.“

„Jederzeit“, sagte ich leise und legte ihre Tasche auf ihrem Tisch ab.

Edward Cullen trägt Bellas Tasche? Was geht denn hier vor? Wieso ist er überhaupt hier?
Er hat doch gar kein Mathe mit uns zusammen.
Ich legte den Zettel dem Lehrer vor und setzte mich dann an den freien Tisch, der am nächsten zu Bella’s stand. Er war leider trotzdem zwei Tische schräg vor ihr. Immerhin ein Fensterplatz, auch wenn ich nicht herausschauen wollte, sondern immer nur in eine Richtung…
Ich setzte mich wieder schräg hin, so dass ich sie im Blickfeld hatte. Den Rücken am Fenster lauschte ich dem Gespräch zwischen Jessica und Bella sowie Jessicas Gedanken. Nebenbei tat ich so, als würde ich rechnen. Die Aufgaben hatte ich natürlich bereits alle gelöst.
„Was macht denn Edward Cullen hier?“
„Ich schätze Mathe“, antwortet Bella trocken. Ich musste schmunzeln.
Ich mache hier ’ne ganze Menge, aber Mathe am allerwenigsten…
„Wieso ist er denn mit dir her gekommen und wieso hat er dir deine Tasche getragen?“, platzte es unhöflich aus ihr heraus.

„Wir haben jetzt auch Englisch zusammen. Er sitzt direkt hinter mir und hat mich gefragt, ob ich denn jetzt auch Mathe habe. Er ist vielleicht der Meinung, dass ich nicht kräftig genug bin, um sie selbst zu tragen. Was weiß ich“, antwortete sie leicht schnippisch. Die Fragerei ging Bella offensichtlich auf die Nerven. Beide sahen zu mir rüber und ich blickte auf. Unsere Blicke trafen sich und ich lächelte ihr zu, wippte frech mit den Augenbrauen.
Jessica zog tief die Luft zwischen den Zähnen ein und Bella musste kichern.
Ah! Wie ich ihr Lachen vermisst habe.
Scheinbar gewöhnte sie sich langsam daran, dass ich mit ihr flirtete und ich genoss es in vollen Zügen. Jessicas Gedanken dagegen kamen einem hysterischen Schrei gleich.

Edward Cullen flirtet mit diesem völlig uninteressanten Ding? Ich versteh das nicht. Was soll denn bitte so spannend an ihr sein. Das kann doch wohl nicht sein! Wieso sie? Nur weil sie die Neue ist? Erst Mike und Erik und jetzt auch noch er.

„Flirtet Edward etwa mit dir?“, giftete sie leise. Bella sah zu ihr rüber.

„Ich weiß es nicht. Vielleicht meint er ja auch dich?“, antwortete sie übertrieben unschuldig. „Würdest du ihn bitte nicht so anstarren? Er grinst mich schon den ganzen Tag so an. Ich hab mich schon gefragt, ob ich was im Gesicht kleben habe.“ Um mein Lachen zu verstecken hustete ich kurz und drehte mich ganz zur Tafel um.

Okay, das ist wirklich witzig!

„Alles in Ordnung Edward?“, fragte mich Mr. Varner.

„Ja, ich wollte sie nur fragen, ob mein Ergebnis richtig ist. Ich bin schon fertig mit der Aufgabe“, improvisierte ich schnell.

„Gehst du mit ihm aus?“, fragte Jessica jetzt direkt.

„Ich kenne ihn doch überhaupt nicht.“

„Würdest du mit ihm ausgehen, wenn er dich fragt?“

Nun, vielleicht sollte ich mich auch irgendwie bei Jessica bedanken.
Das ist schließlich genau die Frage die auch mich brennend interessiert.
„Ich weiß es nicht. Ich kenne ihn ja gar nicht und irgendwie hab ich das Gefühl, er scherzt nur mit mir und macht sich über mich lustig.“

Autsch! Okay also zukünftig etwas ernster.

Ohne dass ich es bemerkt hatte, sah ich schon wieder zu ihr rüber.
Bella erwischte mich diesmal, spürte scheinbar meinen Blick. Keiner von uns wollte das Gesicht abwenden und den Augenkontakt abbrechen. Ich verlor mich in ihren braunen Augen während ich darüber nachdachte, wie ich ihr zeigen konnte, dass ich es ernst mit ihr meinte. Mr. Varner bemerkte, dass wir abgelenkt waren und beschloss Bella eine Frage zu stellen. Ich wusste, sie hatte die Lösung nicht, also schrieb ich sie schnell groß über mein Blatt, als Mr. Varner seine Frage an Bella richtete. Die sah verwirrt auf. Ich drehte schnell den Block hoch und zeigte ihr die Lösung. Sie sah sich erschrocken um.
Auf frischer Tat ertappt
, dachte Mr. Varner.
Ihr Blick fiel auf mich und ich tippe kurz auf die Lösung, lächelte ihr zu. Mr. Varner stand, Gott sei Dank, mit dem Rücken zu mir. Einige Mitschüler kicherten, aber Mr. Varner schrieb das der peinlich berührten Bella zu.
„Ehm, 7/8 x?“, fragte sie zögernd. Mr. Varner war völlig überrascht.

„Ja, das stimmt.“

Hm hätte nicht gedacht, dass sie überhaupt mit gerechnet hat. Bei Herrn Cullen hat man ja nie was zu meckern. Ich hab allerdings auch noch nie erlebt, dass er irgendeine Mitschülerin ablenkt. Wirklich ungewöhnlich…
Ja, der Junge verliert langsam wirklich den Verstand…, dachte ich amüsiert. Er drehte sich um und ging wieder an die Tafel, um das Ergebnis anzuschreiben. Bella lächelte mir dankbar zu und ich zwinkerte zurück, woraufhin sie krampfhaft versuchte sich ein Lachen zu verkneifen. Mir war klar, dass ich mich benahm, wie ein Klassenclown, aber ich war zu aufgedreht, um ernst zu sein. Die Spekulationen in den Gedanken unserer Mitschüler wurden immer lauter und einige vermuteten bereits, dass ich ein Auge auf Bella geworfen hatte. Danach sah ich nur noch gelegentlich zu Bella hinüber, obwohl es mir schwer fiel. Schließlich wollte ich sie nicht in Schwierigkeiten bringen.
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Severn

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10

Saturday, August 1st 2009, 2:55pm

Kapitel 9

Theaterstück


Kurz vor Ende der ersten Mathestunde hörte ich Alices Gedanken. Sie war auf der Damentoilette.

Was will sie denn dort?
Ah! Bella treffen…
Bella stand wie zu erwarten mit dem Klingeln auf und ging zur Toilette.
Alice trat im selben Moment aus der Kabine wie Bella und ging zum Waschbecken, um sich die Hände zu waschen, obwohl sie natürlich nur die Spülung betätigt hatte. Ich belauschte ihr Gespräch durch Alice Gedanken.
„Oh hallo. Du musst Bella Swan sein.“

„Ja und du bist Alice Cullen. Richtig?“

„Richtig. Freut mich dich kennen zu lernen.“ Schwägerin!, grinste Alice. „Wie gefällt dir unsere Schule so?“
„Sehr klein. Ich bin andere Dimensionen gewohnt und ich vermisse irgendwie die Metaldetektoren am Eingang“, lachte Bella vergnügt während sie sich die Hände wusch. „Aber alle sind sehr freundlich zu mir.“
„Ja, das glaube ich dir gerne. Zu den <Eingeborenen> sind immer alle sehr nett. Unsere Familie dagegen wird immer noch nicht recht angenommen. Klingt es sehr gemein, wenn ich sage, ich hatte gehofft, dass es dir ähnlich ergeht?“ Bella sah sie verdutzt an.
„Wieso solltest du mir so was wünschen?“

„Ich bin etwas egoistisch.“ Sie grinste breit. „Ich habe nicht mit sehr vielen Mädchen hier zu tun. Meine Schwester ist die Einzige, um ehrlich zu sein, ich hatte gehofft eine neue Freundin zu finden.“

„Oh“, machte Bella nur.

„Das war wohl zu aufdringlich…“ Alice machte ein traurig, entschuldigendes Gesicht.

„Nein, nein. Schon okay“, erwiderte Bella schnell und lächelte sie an. „Deine direkte Art gefällt mir, ich bin nur selbst nicht unbedingt so.“

„Pass auf. Ich mache dir einen ganz direkten Vorschlag. Du setzt dich mit mir zum Mittagessen zusammen und wir lernen uns ein bisschen besser kennen. Wenn wir uns mögen, gut, wenn nicht, auch gut.“
„Ich soll mich einfach so mit an den Tisch deiner Familie setzen?“

„Wenn sie dir unheimlich sind, nimmst du erst mal nur mit mir vorlieb. Sie können etwas einschüchternd wirken, vor allem Emmett, aber wenn man sie erst einmal kennt, hat man sie alle ganz schnell ins Herz geschlossen“, grinste Alice wieder übermütig.

„Äh gut. Wieso nicht.“ Alice hatte Bella offensichtlich überrollt.
„Fein. Dann bis gleich!“, antwortete meine kleine Schwester noch mit einem Grinsen und verschwand aus der Toilette zu ihrer nächsten Stunde.
Mein kleiner Psycho ist ein Genie, dass muss man ihr lassen.

Bella warf mir einen nachdenklichen Blick zu, als sie den Raum wieder betrat und sich wieder hinsetzte.

Soll ich mich zu den Beiden nachher dazusetzen? Oder Alice erst einmal allein mit ihr lassen? Nein. Ich werde Bella einfach bis in die Cafeteria begleiten und dann ganz überrascht tun, wenn Bella sich zu Alice setzt.

Die Stunde erschien mir einerseits ewig zu dauern, immer dann, wenn ich nicht zu ihr sehen konnte und andererseits war sie viel zu schnell vorbei. Bella überraschte mich, indem sie nach der Stunde direkt auf mich zukam.

„Cafeteria?“, fragte sie mit einem leichten Lächeln und mein Herz zog sich vor Freude zusammen.

„Gerne. Soll ich deine Tasche nehmen?“, bot ich an.

„Nein. Das geht schon. Ich sehe vielleicht zerbrechlich aus, bin es aber nicht“, erklärte sie trocken und drehte sich zur Tür um. Ich musste schmunzeln.

„Na gut. Ich wollte dir das auch nicht unterstellen.“ Auch wenn ich genau das dachte, denn verglichen mit mir war sie es.

„Deine Schwester Alice hat mich gefragt, ob ich mit ihr zu Mittag esse. Hast du was damit zu tun?“

Okay, damit habe ich jetzt nicht gerechnet, sie merkt aber auch alles.

„Wie kommst du darauf?“, fragte ich gespielt unschuldig und verwirrt. Sie sah mich kurz skeptisch an, zuckte dann aber nur mit den Schultern.

„Nur so ein Gedanke. Danke übrigens, für die Lösung vorhin.“

„Gern geschehen. Ich glaube, ich hab dich ein bisschen abgelenkt. Ich wollte nicht, dass dich Varner wegen mir zurecht weist.“ Ich schmunzelte wieder.

„Mich in Mathe abzulenken ist keine Kunst“, erwiderte sie nur trocken. Sie wollte mich zurecht weisen, damit ich mir nicht zuviel einbildete. Ich fing an zu lachen.

„Okay, das habe ich wohl verdient. Aber wenn ich ehrlich sein soll, du lenkst mich sehr vom Unterricht ab. Ich glaube, dieser Kurswechsel wird sich nicht sonderlich gut auf meine Noten auswirken, wenn das so weiter geht.“ Bella wurde wieder rot.
Ah! Das ist so süß!

Verdammt was will Bella denn schon wieder bei dem Cullen?
- Mike schon wieder.
Seine Gedanken waren die Lautesten, aber lange nicht die Einzigen, die mir nach schrieen. Lauren und Jessicas Gedanken waren nicht minder schlecht. Allerdings betrafen ihre Tiraden nicht mich sondern Bella.
Verdammte Klatschweiber!

Alice saß bereits an einem kleinen Tisch in der Mitte und hatte ein Tablett mit Essen vor sich stehen.

Du gönnst mir nicht mal fünf Minuten mit meiner neuen Schwägerin allein. Oder?

Ich grinste nur und deutete ein Kopfschütteln an. Nicht nur der Rest unserer Familie beobachtete uns verwirrt, sondern auch die gesamte Schülerschaft, während ich Bella den Stuhl zurecht schob und mich dann dazu setzte.

„Ihr habt doch nichts dagegen. Oder?“, fragte ich und zog mir ohne eine Antwort abzuwarten, einen Stuhl an den Tisch, um mich verkehrt herum darauf zu setzen. Ich verschränkte die Arme auf der Rückenlehne und legte den Kopf darauf ab, um sicher zu gehen, dass meine Hände auch bei mir blieben und ich nicht aus versehen Bellas Hand in meine nahm.

„Wenn es Bella nicht stört?“ Alice warf ihr einen fragenden Blick zu. „Sei ruhig ehrlich. Wenn er dich nervt, schick ich ihn zu den anderen.“ Bella schmunzelte und stützte ihr Kinn in ihre Hand, um mich anzusehen.

„Würdest du dich denn fort schicken lassen?“ Ich seufzte theatralisch.

„Du hast wohl Recht Alice. Ich bin wohl nicht annähernd so charmant, wie ich gehofft hatte. Möchtest du denn, dass ich gehe?“ Mein Blick war wohl ein klein wenig zu intensiv, denn Bella schluckte und ihr Herz raste. Sie blinzelte kurz verwirrt, sagte eilig: „Nein, schon okay“, und spielte mit dem Verschluss ihrer Flasche.

Meine Güte das arme Ding ist ja schon hoffnungslos verloren. Böser Bruder!
Musst du sie so verwirren? Sie hyperventiliert ja gleich, dachte Alice und warf mir einen bösen Blick zu, in dem allerdings mehr Belustigung und Amüsement lag als alles Andere. Ich hielt mich aus der Unterhaltung weitgehend heraus und genoss es einfach Bella nur anzusehen. Es wirkte so tröstlich.
„Sag mal Edward, hast du morgen schon was vor?“, fragte Alice schließlich, als die Pause dem Ende zulief. Zeit für unsere kleine Aufführung.

„Oh, nein! Bitte! Nicht schon wieder!“, stöhnte ich gequält.

„Oh, komm. Du hast es versprochen!“, antwortet Alice und schob die Unterlippe vor.

„Kann ich dir nicht einfach meine Kreditkarte geben?“

„Darum geht es ja nicht. Ich habe schließlich selbst eine. Ich will nur nicht alleine fahren“, maulte sie zur Antwort.

„Ich habe aber keine Lust die ganze Zeit vor einer Umkleidekabine zu sitzen und darauf zu warten, dass du alle zehn Minuten in einem neuen Outfit heraus kommst und dich einmal drehst. Die Warterei ist so langweilig!“ Ich folgte der Textvorgabe in ihrem Kopf.

„Dann nehmen wir eben Bella auch noch mit. Dann bekomme ich zwei Meinungen und ihr könnt euch zwischenzeitlich beschäftigen.“ Bella hustete, weil sie sich an ihrer Soda verschluckt hatte.

„Wie bitte?“

„Vielleicht solltest du so was nicht einfach bestimmen, sondern die liebe Bella erst einmal fragen“, wendete ich ein und tat so als würde ich mit einem kleinen Kind sprechen. Alice fand das nicht ganz so komisch, fuhr aber unbeirrt mit ihrem Plan fort.

„Bella? Fährst du bitte, bitte mit?“ Sie setzte ihre Schnute auf und klimperte ganz übertrieben mit den Wimpern. Ihre Hände hatte sie in Gebetshaltung.

„Wohin?“

„Port Angeles. Ich brauche ein Kleid.“ Sie beugt sich zu ihr hinüber und flüstert, völlig überflüssigerweise.
„Jasper hat zu unserem Jahrestag Musikalkarten organisiert. Er weiß nicht, dass ich es schon weiß. Ich brauche was Ausgefallenes zum anziehen.“ Jasper hinter uns horcht auf.

Musikalkarten? An so was habe ich nicht mal gedacht. Na wenn sie ins Musical will – Kaufe ich eben nachher Karten.

Emmett und Rosalie waren zu sehr mit einander beschäftigt, um überhaupt zu zuhören. Nur mein bärenhafter Bruder grübelte kurz, was Alice damit gemeint hatte, dass die drei sich nach der Schule beeilen sollten, um nach Hause zu kommen, wo Emmett auf meinen Anruf warten sollte. Was wir nicht alles für unsere quirlige kleine Schwester taten. Und was sie nicht alles für mich tat.
„Du bist so schamlos. Hast du wieder geschnüffelt?“, fragte ich lachend.
„Nur ein bisschen…“, grinste sie.

„Bella“, wendete ich mich jetzt an sie. „Hättest du die Güte mich nicht dieser Qual alleine auszusetzen? Ich bettle auch, wenn es hilft“, sagte ich und versuchte dabei ernsthaft zu bleiben. Es gelang mir nicht ganz und einer meiner Mundwinkel zuckte.

„Ist sie so schlimm?“, fragt Bella lachend.

„Du hast ja keine Vorstellung!“, seufzte ich theatralisch. „Bist du bestechlich? Ich tu alles, wenn ich das nicht alleine über mich ergehen lassen muss.“ Ich war kurz in der Versuchung, zur Bekräftigung, meine Hand auf ihre zu legen, unterließ es aber dann doch.

„Oh, nun übertreib nicht so!“ Bevor wir anfangen konnten zu diskutieren, lachte Bella los.

„Okay, okay. Ich komme mit.“

Bin ich gut oder doch?

Ich wusste, das Bella unser kleines Theaterstück bestimmt durchschaut hatte, aber es war mir egal, denn wenn es so war, hatte sie wieder einmal ja zu mir gesagt und das alleine zählte. Wir verabredeten uns für den nächsten Nachmittag, bevor es zur nächsten Stunde klingelte. Ich zwinkerte Alice noch unauffällig zu und ging dann mit Bella zu Biologie. Es war nervig, dass ich jedes Gespräch, dass ich bis dahin mit ihr geführt hatte wiederholen musste. Es brachte mir aber auch immer wieder einen neuen Blickwinkel auf Bella. All die Fragen, die ich ihr gerne hatte stellen wollen und nicht konnte, weil sie zuviel von meinem Wissen über sie preisgegeben hätten. Es war anstrengend, immer darüber nachdenken zu müssen, was ich wissen durfte und was nicht.

„Deine Schwester ist wirklich nett, aber ich kann mir vorstellen, dass sie sehr anstrengend werden kann.“

„Sie ist meine engste Vertraute. Ich kann ihr nur schwer etwas abschlagen. Ich denke, ich habe sie ein bisschen mit verzogen“, eröffnete ich grinsend.

„Erzählst du mir ein bisschen von deiner Familie?“ Natürlich tat ich ihr den Gefallen und Mr. Banner unterbrach genau an der richtigen Stelle. Bella sah mich kurz verwirrt an, als ich sie nach dem Unterricht wieder bis zur Turnhalle begleitete. Wieder standen wir eine Weile davor und keiner wollte gehen, wie am Tag zuvor. Auf dem Weg dorthin hatte ich sie nach ihrer Familie befragt und unser früheres Gespräch wiederholte sich fast wortwörtlich. Es war eines der Wenigen, denn meistens antwortete Bella in einer Weise, die mich überraschte.
Mike fluchte hinter uns wie verrückt. Er ahnte bereits, dass er keine Chance bei Bella hatte, wenn ich mich um sie bemühte.
Mich beruhigte das sehr.

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11

Sunday, August 2nd 2009, 2:13am

Kapitel 10

Pleiten, Pech und Pannen


Nach meiner letzten Stunde stand Alice schon vor meinem Raum und wartete auf mich. Ihr Zusatzplan behagte mir nicht, doch mir blieb nichts anderes übrig. Sie grinste Emmett an und sagte:

„Denk dran. Beeil dich. Von dir hängt das Projekt „neue Freundin“ auch mit ab. Versau mir das nicht. Du weißt meine Rache wäre sonst mörderisch.“ Emmett fing schallend an zu lachen.

„Mensch hast du ’nen Knall! Ich hoffe du erzählst mir später auch, warum du so scharf darauf bist, mit diesem Mädchen befreundet zu sein. Dass du ihr auch noch mit einem dümmlichen Grinsen im Gesicht dabei hilfst, versteh ich allerdings am wenigsten“, seufzte er und sah mich skeptisch an.

„Irgendetwas muss man ja machen, den ganzen Tag. Abwechslung ist alles. Lass das mal mein Problem sein“, antwortete ich mit meinem „dümmlichen“ Grinsen darauf und lief mit Alice zum Schülersekretariat, um bei Miss Cope meinen Zettel abzugeben. Diese zwinkerte mir noch mal verschwörerisch zu und fragte mich, wie es denn mit der „ernsten Angelegenheit“ so lief. Woraufhin ich nur lachte und sie bat mir etwas mehr Zeit zu geben, bevor sie Ergebnisse verlangt. Langsam gingen wir zum Parkplatz und ich geleitete Alice vorsichtig, da sie Bella im „Auge“ behielt und versuchte für uns den richtigen Moment abzupassen, in dem wir auf dem Parkplatz ankommen sollten.
Dieser war bereits leer. Nur mein Volvo und ihr Truck waren noch da und ich konnte Bella bereits sehen. Alice hörte auf voraus zu sehen und zwinkerte mir neckisch zu. Sie hatte einen heiden Spaß bei ihrer Kuppelaktion. Ich atmete noch einmal nervös durch und ging an Alice Seite weiter. Ich kann nur noch einmal betonen, wie sehr mir das Ganze missfiel. Bellas Auto lahm zu legen, nur um mit ihr ins Gespräch zu kommen war einfach fies, aber nun war es zu spät für Reue oder Zurechtweisungen.
Diese versuchte ihr Monstrum von Auto zu starten, doch es röhrte nur hilflos und sprang nicht an. Wieder und wieder versuchte sie es und schlug letztendlich wutentbrannt auf das Lenkrad, um sich danach mit schmerzverzerrtem Blick die Hand zu reiben. Sie fluchte und sah zum Nieselregen hinaus. Mit einem weiteren sehr undamenhaften Wortschwall ließ sie die Stirn auf das Lenkrad sinken und löste dabei die Hupe aus. Erschrocken fuhr sie wieder hoch und wir kamen an ihrem Wagen an.
Ein Grinsen unterdrückend, klopfte ich leicht gegen ihre Scheibe. Mit vor Schreck geweiteten Augen fuhr sie zu mir herum und griff sich ans Herz, welches gegen ihre Brust hämmerte. Ich lächelte höflich und deutete eine Kurbelbewegung an, damit sie die Scheibe runter kurbelte. Sie tat es und ich fragte ruhig:
„Klingt als ob du ein Problem hast. Können wir vielleicht helfen?“

„Ehm ich… Heute früh lief er noch ohne Probleme. Ich weiß gar nicht, was jetzt damit los ist“, stotterte sie verlegen.

„Ich schätze mal Sprit ist genug drin? Ich bin kein Mechaniker, aber ich kann gerne mal unter die Motorhaube schauen, wenn du magst“, bot ich an und betrachtete, wie ihre Wangen diese delikate Farbe annahmen.

„Ja, der Tank ist voll. Meinst du, du kannst mal nachsehen?“ Ich grinste.

„Klar. Kein Problem. Bleib sitzen.“ Ich ging zur Motorhaube und öffnete sie. Von wo aus ich sie bat, noch einmal den Motor zu starten und so tat, als würde ich eine Weile suchen. Ich zog das zerrissene Kabel heraus und sagte möglichst laut:

„Aha. Ich glaube, ich habe den Übeltäter!“ Alice plapperte derweil leicht auf Bella ein. Sie hatte auf dem Beifahrersitz Platz genommen. Nun sahen beide zu mir auf.

Was für ein Held! Du Retter in der Not!
, trällerte Alice in ihren Gedanken sarkastisch.
Ich schloss die Motorhaube wieder und ging zu Bellas Tür, die inzwischen offen stand, damit sie mich besser verstehen konnte. Ich zeigte ihr die beiden Kabelstücken und sie seufzte entnervt.
„Na toll, dabei hatte mir Jacob gesagt, dass der Truck komplett überholt worden ist“, schnaubte sie. So verlockend der Gedanke auch war, Jacob ein wenig zu diskreditieren, so sehr kämpfte ich doch dagegen an und sagte schließlich:

„Das war bestimmt in Ordnung. Es sieht aus, als wäre es durch gebissen worden. Vielleicht einer dieser nervigen kleinen Nager von hier.“ Dabei warf ich Alice einen bedeutungsvollen Blick zu.
Haha. Sehr komisch, Edward!

„Das ist doch kein Problem. Dann nehmen wir dich eben mit und setzen dich zu Hause ab“, sagte sie fröhlich und tätschelte Bella den Arm.

„Das kann ich nicht verlangen. Ihr braucht doch wegen mir keinen Umweg zu fahren. Ich laufe, es ist nicht weit. Außerdem kann ich doch nicht einfach meinen Truck hier stehen lassen“, antwortete Bella entrüstet und warf Alice damit kurz aus der Bahn. Ich konnte das „Pitsch“ förmlich hören, als ihr Plan, wie eine Seifenblase zerplatzte und erbarmte mich einzugreifen, damit er nicht zur totalen Pleite ausartete.
„Was wären wir denn für Nachbarn, wenn wir dich im Regen nach Hause laufen lassen würden, Bella? Und so sehr ein Umweg ist das nun wirklich nicht“, sagte ich ruhig und lächelte sie an, als sie mich ansah.
„Und was mache ich mit meinem Truck?“, fragte sie nach einem Moment, nachdem ihr Blick wieder in die Gegenwart zurückkam.

„Hm“, begann ich und lehnte mich lässig an den Fahrzeugrahmen neben ihr. Ich war ihr so nah, dass ich ihre Wärme durch unsere beiden Jacken hindurch spüren konnte, denn Bella saß zu mir gewandt auf dem Sitz, die Beine aus der Tür baumelnd. Ihr linkes Knie war nur wenige Zentimeter von mir entfernt. Ich sah ihr mit einem schiefen Lächeln tief in die Augen.
„Setzt doch mal die Waffen der Frauen ein und flirte ein bisschen mit mir. Ich kenne da jemanden, der dich kostenlos abschleppen würde, wenn ich ihn darum bitte“, fuhr ich nach kurzem Zögern fort und zwinkerte ihr zu. Sie war einen Moment lang total verdattert und brach dann in ein atemloses Lachen aus.
„Ich und flirten! Dann steht mein Truck noch in einer Woche hier“, prustete sie und ich schmunzelte.

„Das bezweifle ich stark. Aber dieses Lachen war noch viel bezaubernder, als es jedes Wimpernklimpern hätte sein können“, versicherte ich ihr und zückte mit einem erneuten Zwinkern mein Handy. Sie brach ab und sah mich verwirrt an.

„Was machst du?“

„Ich sorge dafür, dass dein Truck abgeschleppt wird.“

„Das ist unnötig. Ich rufe von zu Hause einfach den Abschleppdienst an.“

„Um Himmels Willen bloß das nicht! Wir haben hier nur eine Werkstatt und Dowling ist ein echter Gauner! Der nimmt dir ohne zu zögern das Fünffache von dem ab, was es normalerweise kosten würde“, fiel Alice ein. Emmett nahm nach dem zweiten Klingeln ab.

„Hallo mein lieber Pfadfinder. Hier ist dein Lieblingsbruder.“

„Hm? Jasper? Ich dachte du bist oben.“

„Sehr witzig. Hast du heute schon deine gute Tat vollbracht?“

„Wovon zum Geier redest du bitte? Was wollen du und Alice von mir?“

„Weißt du hier ist eine schüchterne, junge und sehr hübsche Frau in Nöten.“ Ich zwinkerte Bella wieder mit einem Lächeln zu. „Kannst du uns helfen? Ihr Auto springt nicht mehr an und wir brauchen jemanden, der sie abschleppt.“

„Darum geht’s? Sie abschleppen? Wieso sagst du mir das nicht gleich? Ich dachte eigentlich dafür hatte Alice dich angeheuert?“

„Hast du ’nen Clown gefrühstückt?“, fragte ich bereits leicht genervt.
„Nein. Da hätte Carlisle was dagegen und außerdem schmecken die komisch“, konterte er trocken. Ich lachte kurz auf.
„Okay Scherzkeks. Würdest du dich jetzt her begeben oder muss ich dir damit drohen Rosalie von der Frau im Kino zu erzählen, die du letzte Woche so heiß fandest?“

„Wovon redest du? Keine Frau ist heißer als Rose!“

„Wem wird sie wohl glauben…?“, fragte ich mit einem fiesen Lächeln.

„Soll ich mit dem Jeep kommen?“, war seine einzige Antwort und ich lachte wieder kurz. Stress mit Rosalie war die schlimmste Drohung überhaupt für Em’.

„Ja und bring Jasper mit. Wir müssen dieses schwere Monstrum ja auch die Auffahrt beim Chief rauf bekommen.“ Emmett lachte dröhnend am anderen Ende und rief nach Jasper.

„Schon klar. Kann der kleine Junge nicht alleine, was? Wir fahren sofort los. Sollen wir uns etwas Zeit lassen, damit Alice mit der kleinen Miss Swan quatschen kann, oder wären diese Mädchengespräche eine zu große Strafe für dich?“ Doch genau auf diese Zeit spielte ich.

„Rase nicht so und halte dich mal an die Geschwindigkeitsbegrenzungen. Denk dran, was Alice gesagt hat“, antwortete ich und legte auf.
Diese war bereits aus dem Auto gesprungen und lief auf den Volvo zu. Ich zückte meine Fernbedienung und öffnete ihn, während ich langsam neben Bella her lief.
„Ich kann für dich gerne ein neues Kabel im Internet bestellen. Dann ist es nicht so teuer und die sind meistens mit der Lieferung auch sehr schnell. Gib mir einfach das kaputte mit“, bot ich ihr an. Sie sah mich zögernd an und ich lächelte wieder leicht. Alice kletterte bereits auf die Rückbank.

„Du musst dir die Mühe nicht machen. Ich will keine Umstände machen“, murmelte sie verlegen.

„Das sind keine Umstände. Nennen wir es doch einfach Nachbarschaftshilfe. Vielleicht haben wir sogar etwas Passendes in der Garage rum fliegen und ich brauch gar nicht erst im Internet zu suchen. Allerdings kann ich dir das nicht sicher sagen, denn… und solltest du das jemals jemandem verraten, dann spreche ich nie wieder ein Wort mit dir…“
Was für eine Lüge! Sie könnte jedem erzählen, dass ich ein aus der Zukunft zurück gereister Vampir bin und ich würde es ihr verzeihen.

„Rosalie ist bei uns die Autoverrückte. Sie kümmerte sich bei uns um alle Fahrzeuge. Selbst um das unseres Vaters.“ Bella grinste kurz und suchte mit einem amüsierten Kopfschütteln in ihrer Jackentasche nach dem Kabel. Natürlich konnte meine Liebste beim Laufen einfach keine Ablenkung gebrauchen und stolperte. Da ich in ihrer Gegenwart immer damit rechnete, sie auffangen zu müssen, fasste ich sofort hin. Sie fiel nach vorne direkt in meinen bereits ausgestreckten Arm und starrte mit geweiteten Pupillen zu mir auf. Ihr Gesicht war nur wenige Zentimeter von meinem entfernt und wir starrten uns einen Augenblick lang einfach nur an. Ihr Atem streifte meine Lippen und ich musste schwer schlucken. Wie gerne hätte ich jetzt einfach den Kopf ein wenig nach vorn gebeugt und ihre Lippen mit den meinen berührt. Ihre Hände krallten sich Halt suchend in meinen Unterarm und ihre Augen wanderten zu meinem Mund.
Geht es ihr genauso? Will sie, dass ich sie küsse? Fühlt sie sich bereits so zu mir hingezogen, wie ich mich zu ihr?

Wieder einmal verfluchte ich die Tatsache ihre Gedanken nicht lesen zu können. Was hätte ich in diesem Moment nicht alles dafür gegeben? Ihre Wangen zierte wieder dieses süße Pink und sie murmelte verlegen:

„Tut mir leid.“

„Kann jedem passieren. Da gibt es nichts zu entschuldigen“, erwiderte ich leise.
Hört sie wie rau meine Stimme ist?

Meine freie Hand legte sich unter ihren Ellenbogen und ich half ihr, sich wieder aufzurichten. Nur zögernd ließ ich sie wieder los. Alice Gedanken klangen höchst amüsiert.

Junge, Junge. Euch hat es ja erwischt. Holla die Waldfee. Das nenn ich mal ein Knistern.
Mit einem Schmunzeln öffnete ich Bella die Beifahrertür und ging um das Auto herum, um auf der anderen Seite einzusteigen. Kaum saß ich, schob ich den Schlüssel ins Zündschloss und das Radio sprang an. Debussy erschallte laut aus den Lautsprechern. Ich wollte es gerade leiser drehen, als Bellas Hand die meine berührte, um mich aufzuhalten.
„Du brauchst es wegen mir nicht leiser machen. Ich mag Claire de Lune sehr gerne“, sagte sie und senkte den Blick, als ich zu ihr aufsah. Ich war überrascht, von ihrer plötzlichen Berührung. Es war wie ein Stromschlag, dessen Wirkung nicht so schnell vergehen würde. Das wusste ich bereits. Meine Hand kribbelte.

„Du bist also ein Fan der Klassiker. Es ist eines meiner Lieblingsstücke.“
Also ich wäre ja eher für was anderes…

Doch anstatt ihre Gedanken auszusprechen, begann Alice von unserem geplanten Ausflug zu reden. Und Bella drehte sich im Sitz um, um möglichst leicht den Blickkontakt aufrecht zu erhalten. Immer wieder schielte sie zu mir rüber. Auch ich saß seitwärts und konnte so beide besser beobachten. Bellas Umgang mit Alice war bereits sehr offen.
Einige Minuten später kamen meine beiden Brüder mit dem Jeep auf den Parkplatz gefahren und hielten nahe dem roten Chevy. Bella hatte ihn offen gelassen und ich stieg aus, um mit Emmett und Jasper das Abschleppen vorzubereiten.
„Wie läuft es für Alice?“, fragte Jasper neugierig, obwohl ihm die Sache mit der menschlichen Freundin nicht behagte. Hauptsache seine Alice war glücklich.

„Die beiden mögen sich. Bella ist sehr nett.“ Emmett warf mir einen verwirrten Blick zu und ein „Aha“ war die einzige Antwort, die ich darauf bekam. Jasper aber musterte mich kritisch. Er spürte, dass hier etwas faul war, konnte es aber noch nicht definieren und das machte ihn fast wahnsinnig. Er hasste es, den Plan nicht zu kennen und nicht eingeweiht zu sein.
Jasper stieg in den Jeep und Emmett setzte sich in Bellas Truck, während ich mich wieder hinters Steuer schwang. Wir fuhren dem Abschlepptransport voraus und ich parkte etwas weiter die Straße herunter, um den beiden entsprechend Platz zu lassen. Wir stiegen aus und Alice lenkte Bella mit weiterem Gerede so gut wie möglich von uns dreien ab, als wir den Truck mühelos und doch extra langsam die Auffahrt hinauf schoben. Der Kies knirschte unter den Rädern und ich lauschte neugierig auf Alice Gedanken, die mir verrieten, dass Bella mich die gesamte Zeit über neugierig beobachtete.
„Ihr solltet ein angestrengtes Gesicht ziehen“, murmelte ich den beiden amüsierten Vampiren neben mir zu und Emmett lachte leise, als Jasper ein gequältes Gesicht aufsetzte.

„Meint ihr ich muss mich mit ihr auch unterhalten? Sie ist ein Mensch. Ich meine… ihr Blut… Muss ich?“, fragte er dann plötzlich mit ehrlich schmerzverzerrtem Ausdruck und ich lachte leise.

„Erst mal nicht. Und wenn doch, dann nur, wenn du frisch getrunken hast. Komm ihr durstig nicht zu nahe. Alice würde es dir lange übel nehmen, wenn du ihr was tust.“ Von mir ganz zu schweigen…

Die drei kletterten, als wir fertig waren und nach einigen Abschiedsworten in den Jeep ein und fuhren los. Ich stieg erst in den Volvo ein und danach gleich noch einmal aus. Bella sah mich verwirrt an, als ich mit einem schiefen Grinsen auf sie zukam.
„Wir haben was vergessen“, begann ich zu erklären. „Du wolltest mir noch das Kabel geben.“ Denn das hatte sie nach dem fast- Sturz immer noch in der Tasche. Ich streckte die Hand aus.
„Oh. Ja klar“, antwortete sie überrascht und vielleicht sogar ein wenig enttäuscht. Sie wühlte wieder in der Jacke herum und zog die beiden Teile schließlich hervor. Ich nahm sie ihr ab und sah verlegen darauf, als ich sagte:

„Dann wird dich wohl morgen dein Vater zur Schule fahren. Nehme ich an.“ Bevor ich weiter sprechen konnte unterbrach sie mich mit einem Stöhnen.
„Oh Gott. Alles bloß das nicht.“ Ich grinste neckisch.
„Na ja. Mit Blaulicht kommst du auf jeden Fall nie zu spät zur Schule.“ Die rosa Mundwinkel ihrer schönen Lippen zogen sich nach unten. Sehnsüchtig beobachtete ich die Bewegung.
„Du könntest es ja noch mal mit dem Flirten probieren und mich fragen, ob ich dich morgen mitnehmen soll“, fuhr ich leise fort und konnte meine Augen einfach nicht von ihrem Mund nehmen. Sie verzog ihn zu einem sarkastischen Lächeln und mein Blick glitt wieder zu den haselnussbraunen Iriden.
„Das ist ein nettes Angebot, aber ich habe dir schon genug Umstände gemacht. Ich werde einfach laufen. Es ist ja nun nicht so weit und frische Luft ist ja angeblich sehr gesund.“ Ich hatte geahnt, dass sie das sagen würde.
„Du machst keine Umstände. Wenn du es dir noch anders überlegen solltest, dann ruf einfach bei uns zu Hause an. Die Nummer weiß dein Vater sicherlich“, murmelte ich. Ich atmete noch einmal tief durch und zog ihren Duft in meine Lungen, bevor ich mich umdrehte und wieder in meinen Volvo stieg.

Natürlich rief Bella nicht an. Ich hatte gar nicht daran geglaubt und doch war ich enttäuscht. Wie konnte ein Unsterblicher nur so ungeduldig sein?

Wieder verbrachte ich die Nacht in ihrem Zimmer und saß an ihrem Bett. Sie sprach sehr viel in dieser Nacht und lächelte immer wieder im Schlaf. Doch ich konnte kaum etwas wirklich verstehen. Ab und zu glaubte ich allerdings, meinen Namen heraus gehört zu haben. Vielleicht war das auch nur Wunschdenken. Ich wusste es nicht und es war mir in diesen Momenten auch egal. Wieder streifte ich mit meinen Lippen, noch vorsichtiger als in der Nacht zuvor, ihren Mund. Mit einem schläfrigen Lächeln zog sie die Hand an eben diese Stelle und seufzte.


Es regnete draußen in Strömen, als es Zeit wurde zur Schule zu fahren. Alice stieg mit Jasper bei Rosalie und Emmett ins Cabrio und ich nahm den Volvo.
Als mich alle verwirrt ansahen lächelte ich nur schief und erinnerte sie daran, dass Alice und ich direkt nach der Schule noch etwas vorhätten. Doch anstatt ihnen einfach zu folgen, fuhr ich bei Bella zu Hause vorbei. Ich parkte um die Ecke und horchte auf die Geräusche. Bella verließ verspätet das Haus und ich wartete noch einige Minuten, bis ich weiter fuhr. Sie war bereits nass geworden, denn ihre Jacke war viel zu dünn und ich war mir sicher, dass sie bereits frieren musste.
Sie holt sich lieber eine Lungenentzündung, als mich anzurufen. Wie kann man nur so stolz sein?
, fragte ich mich kopfschüttelnd und wurde neben ihr langsamer. Mit einem Surren fuhr die Scheibe an der Beifahrerseite auf Knopfdruck herunter. Bella drehte sich zu mir um und blieb perplex stehen. Ich trat auf die Bremse und lächelte sie schief an.
„Guten Morgen. Tolles Wetter heute, oder?“
„Ansichtssache“, antwortete sie und zog skeptisch eine Augenbraue hoch.

„Du bist, glaub ich, etwas spät dran. Soll ich dir vielleicht doch noch einmal anbieten, dich mit zu nehmen?“, fragte ich mit einem Grinsen und sie drückte trotzig ihren Rücken durch, drehte sich um und lief weiter.

„Nein Danke. Nicht nötig. Ich laufe. Das siehst du doch.“

Wieso muss sie immer so kompliziert sein?
, fragte ich mich seufzend.

„Als Sohn eines Arztes kann ich doch unmöglich zulassen, dass du dir die Grippe holst oder sogar eine Lungenentzündung. Findest du nicht?“, fragte ich, während ich langsam wieder anfuhr und neben ihr her rollte.

„Ich bin nicht so empfindlich“, maulte sie ohne mich auch nur anzusehen.

„Vielleicht bin ich aber auch gar nicht deswegen hier. Ich fahre diese Strecke jeden Tag und ausgerechnet heute habe ich doch geträumt und meine Ausfahrt verpasst. Ist das zu fassen? Was glaubst du? Will mir mein Unterbewusstsein etwas damit sagen?“, fragte ich neckend. Wieder blieb sie stehen und drehte sich zu mir um. Auch ich stoppte wieder.

„Was willst du von mir, Edward?“, fragte sie gereizt und ich grinste breit. Sie war so süß, wenn sie wütend wurde. Wieder erinnerte sie mich an ein kleines Kätzchen, dass glaubte ein Tiger zu sein.

„Nachbarschaftshilfe leisten. Steig ein und wir reden über das Kabel für dein Vehikel“, bot ich noch mal an und als sie weiter zögerte, lachte ich auf. „Himmel Bella. Hast du Angst vor mir? Ich werde dich schon nicht entführen oder so was. Ich tu dir schon nichts.“ Natürlich reizte sie das.

Wieso ist mir dieser Kommentar nicht gleich eingefallen?

Sie drückte wieder trotzig den Rücken durch und mit einem entnervten Schnauben stieg sie ein und schnallte sich an. Regen tropfte von einer ihrer Strähnen auf ihre Schulter und ich konnte nicht widerstehen. Ich hob eine Hand und strich ihr eine Strähne ihres inzwischen feuchten Haares hinter das Ohr. Sie fühlten sich wie Seide zwischen meinen Fingerkuppen an und ich genoss das bekannte Gefühl, dass mich dabei durchströmte. Schmetterlinge tanzten in meinem Magen. Ich berührte ihre Haut dabei nicht, doch ich konnte die Wärme deutlich spüren. Ich wollte nicht, dass sie noch mehr fror. Meine Hände waren einfach zu kalt. Bella hielt den Atem an und ihre Pupillen weiteten sich eine Spur. Ich berichtete ihr, dass ich das Kabel im Internet bestellt hatte.

„Es standen so viele Autos auf dem Parkplatz und ausgerechnet in meinem muss ein Nager wüten. Ich bin ein echter Pechvogel“, seufzte sie und ich lachte.

„Ja da ist was dran, aber wenn du die Panne nicht gehabt hättest, würde ich jetzt alleine zur Schule fahren müssen“, antwortete ich leicht hin und grinste ihr noch einmal zu. Ein leichtes Lächeln umspielte ihren Mund und ihre Wangen färbten sich rosa.
„Es sieht sehr hübsch aus, wenn du rot wirst“, komplimentierte ich leise. Danach begann ich schnell mich mit ihr über Musik zu unterhalten, um keine verlegene Stille aufkommen zu lassen.
Wir nahmen Bella direkt nach der Schule im Volvo mit. Alice saß auf dem Rücksitz, Bella neben mir. Wir lauschten während der Fahrt nach Port Angeles meistens still dem Radio. Nur einige Male unterbrach Alice die eigentlich angenehme Stille mit einem Gespräch.
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12

Sunday, August 2nd 2009, 3:50pm

Kapitel 11

Einkaufsbummel mit Folgen


Bella und ich saßen gerade etwa eine halbe Stunde in der Boutique und beobachteten, wie Alice ein Kleid nach dem anderen anzog. Sie fand an jedem etwas zu meckern und ließ sich unnormal viel Zeit beim umziehen, um mir und Bella Zeit zu geben.

„Ich weiß wirklich nicht, was deine Schwester will. Sie sieht in allem gut aus. Ich habe bis jetzt kein Kleid an ihr hässlich gefunden“, seufzte Bella.

„Ich sagte ja, sie ist anstrengend. Du könntest dich ein bisschen beschäftigen, indem du auch etwas anprobierst. Für mich ist das hier leider nicht machbar“, antwortete ich grinsend und ließ mich tiefer in den Sessel sinken.
„Ich glaube nicht, dass das meine Preisklasse ist und außerdem denke ich, ich würde neben deiner Schwester ziemlich schäbig aussehen.“ Ich fing an zu lachen.
„Blödsinn. Weißt du was: Ich suche dir was raus und du probierst es an. Dann bin ich auch beschäftigt. Was meinst du?“, fragte ich amüsiert. Bella sah mich allerdings an, als hätte ich den Verstand verloren. Alice hatte unser Gespräch natürlich mit angehört und hatte es sehr eilig mir zu helfen.
„Oh ja! Bella, lass dich mal von Edward beraten. Er hat einen tollen Geschmack! Du wirst überrascht sein. Er hat ein gutes Auge. Deswegen zwinge ich auch immer ihn mit mir mit zu kommen“, kicherte sie. Ich rollte mit den Augen.

„Manche nennen es eine Gabe. Ich nenne es einen Fluch…“ Ich stand auf und trat vor ihren Sessel, beugte mich über sie, stütze mich auf ihren Armlehnen ab und blickte sie bittend an. Mein Gesicht war nur wenig von dem ihren entfernt.
„Gib mir nur einen Versuch! Bitte! Nur zum Spaß! Bevor wir beide hier an Langeweile verenden und Alice wegen Mordes eingesperrt wird.“ Bella war einen Moment sprachlos und hatte wieder diesen verträumten Ausdruck im Gesicht.
„Okay. Wenn’s dich glücklich macht. Aber nur einen Versuch!“, willigte sie schließlich leise ein. Ich grinste und klatsche kurz die Hände zusammen. Sie aneinander reibend, begann ich die Kleiderständer abzusuchen und schließlich auch durch zu wühlen. Ich suchte auch einige weitere Kleider für Alice heraus und warf sie ihr über die Tür ihrer Kabine. Ich wusste genau wonach ich suchen musste und ich wurde fündig. Ich drückte es ihr in die Hand und sagte unschuldig:

„Ich denke 36 passt.“ Natürlich würde 36 passen. Ihre Schuhgröße sogar ihre BH- Größe kannte ich… Sie nahm das Kleid in Augenschein und sah mich skeptisch an.

„Wie wäre es mit etwas mit mehr Stoff dran? Außerdem ein Abendkleid? Was sollte ich denn damit?“

„Ich kann mir gerne einen Event einfallen lassen, wenn du mir versprichst mit mir hin zu gehen“, antwortete ich trocken und zuckte die Schultern.
Als sie wieder zögerte grinste ich. „Ist doch nur zum Spaß und du hast zugestimmt. Denk an den drohenden Mordprozess. Es würde Esme das Herz brechen, wenn sie Alice einbuchten würden und Jasper erst. Er würde sicherlich einen Befreiungsversuch starten und dabei selbst geschnappt werden. Das würde unsere arme Mutter dann erst Recht in tiefe Depressionen stürzen“, spann ich gut gelaunt weiter. Seufzend gab Bella nach und trat in die Kabine. Ich hörte ihre Kleidung rascheln und auf den Boden fallen. Alice kam in einem Kleid in weiß und schwarz aus der Kabine.
„Nimm das auf jeden Fall mit. Es steht dir, Alice.“

„Gute Wahl“, wisperte sie und ich wusste sie meinte nicht ihr Kleid.

„Damit kann man sich doch in der Öffentlichkeit nicht zeigen“, sagte Bella entsetzt.

„Oh komm schon raus!“, antwortete Alice genervt.
„Bitte Bella!“, bat ich nur.
„Ich weiß noch nicht wie, aber dafür werde ich mich rächen, Edward!“, knurrte sie verärgert und dann trat Bella aus der Kabine heraus.

„Wow, du hast dich mal wieder selbst übertroffen, Edward!“, lachte Alice. Das Kleid war natürlich in einem nachtblau gehalten, es war knöchellang aber eng geschnitten. In der Taille war es ihr einige cm zu weit. Der V- Ausschnitt war verdammt tief und Bella verschränkte die Arme davor. Obwohl eine fast blickdichte Spitze den unteren Teil des Dreiecks verdeckte. Es hatte an der linken Seite einen Schlitz bis über die Mitte des Oberschenkels und war komplett rückenfrei und ärmellos. Der Clou aber war, dass es funkelte als wären lauter klitze kleine Diamanten in den Stoff eingenäht. Es erinnerte mich an eine sternenklare Nacht. Mein Mund klappte auf und ich konnte ihn einfach nicht mehr schließen.
„Oh, Bella du siehst atemberaubend aus!“, klatschte Alice wieder. Bellas Wangen wurden tiefrot, was den Glitzereffekt und das Nachtblau aber nur noch perfekt untermalte. Endlich brachte ich ein leises „Wow“ heraus.
„Da ist überhaupt kein Stoff dran“, maulte Bella und wollte einfach nicht die Hände herunter nehmen. Völlig unbewusst trat ich einen Schritt auf sie zu.
„Bella würdest du bitte mal die Arme herunter nehmen und dich mal drehen?“, fragte ich ganz leise. Irgendetwas in meinem Blick überzeugt sie und sie folgte. Ihr Anblick nahm mir den Atem. Ich sah sie schon auf einer Tanzfläche stehen, in einem von Kerzenlicht erhellten Tanzsaal. Alice flüsterte plötzlich in Vampirgeschwindigkeit und unterbrach damit meine Phantasie.
„Jesus! Krieg dich wieder ein. Du verschreckst sie ja noch völlig.“ Ich konnte mein Gesicht in ihren Gedanken sehen. Ich brannte vor Verlangen nach meiner Frau. Also drehte ich mich schnell zur Seite und sah auf Alice hinunter, damit Bella mein Gesicht nicht sehen konnte, welches sich zu einer Grimasse verzog, während ich versuchte mich wieder zu fangen. Es war schwer. Ich konnte förmlich fühlen, wie sie im Tanz in meinen Armen lag und würgte den Kloß in meinem Hals herunter.

Du bist ne Messe! Meine Güte dich hat’s ja mindestens genauso schwer erwischt wie sie
, teilte mir Alice amüsiert mit.

„Das perfekte Kleid für einen Tanzabend“, sagte ich ruhig, aber das war nur Fassade und nicht mal eine Gute. Meine Stimme zitterte leicht und Bella lachte schallend.

„Tja nur zu dumm, dass ich nicht tanzen kann. Dann muss das Kleid wohl hier bleiben.“

„Blödsinn“, antwortete ich ärgerlich. „Jeder kann tanzen, mit dem richtigen Partner.“
Und der einzige Partner für dich bin ich!

Bella lachte noch immer.

„Ja, jeder außer mir. Ich bin so tollpatschig, dass es an körperlicher Behinderung grenzt, Edward.“

„Ich gehe jede Wette mit dir ein, dass ich jetzt, hier sofort mit dir einen Walzer hinlegen könnte und kein Zuschauer würde bemerken, dass du nicht tanzen kannst.“

„Auf keinen Fall. Ich habe zwei dermaßen linke Füße…“

„Willst du wetten?“, unterbrach ich sie trocken. Bella verstummte.

„Wetten? Worum?“

„Dass ich mit dir hier und jetzt einen perfekten Walzer tanzen könnte.“ Ich hatte keinerlei Zweifel daran. Ich war ein guter Tänzer und kräftig genug und es wäre nicht das erste Mal.

„Du willst mit mir wetten? Worum?“

„Wenn ich Recht habe, “ Ich zögerte. „dann musst du mit mir tanzen gehen. Diesen Samstagabend.“ Bella lachte wieder.
„Ach. Und was bekomme ich, wenn ich gewinne und wir uns hier voll zum Trottel machen?“, fragte sie amüsiert. Ich zuckte die Schultern.
„Was willst du denn? Vielleicht das Kleid?“ Dann konnte ich nur doppelt gewinnen. Sie war immer so kompliziert bei Geschenken und ich würde dieses Kleid für sie kaufen. Das stand fest, wie das Amen in der Kirche. Jetzt brach sie wieder in ein Lachen aus.
„Super Idee! Dann habe ich Recht, dass ich unfähig bin zu tanzen, habe aber ein sauteures Kleid im Schrank, dass ich nie anziehen werde.“
„Du könntest es auch zu einem Opernbesuch, oder dem Schulball anziehen. Aber das ist eh egal. Ich gewinne sowieso.“ Erinnerte ich mich an meine Taktik vom Morgen und versuchte wieder sie zu reizen. Es funktionierte. Ich konnte es ihr ansehen und musste grinsen.
„Fein. Top die Wette gilt. Dann hab ich eben ein überflüssiges Kleid im Schrank. Wer soll der Schiedsrichter sein? Deine Schwester?“, fragte sie genervt und ich grinste. Sie sollte keinen Grund finden, das Ergebnis der Wette anzuzweifeln. Also verneinte ich.

„Nein. Wir brauchen jemand neutrales.“
„Fein such jemanden. Ich ziehe mich nur schnell um.“
„Nein wirst du nicht. Ich sagte sofort. Dauert nur einen Moment.“ Ich wollte sie in diesem Kleid im Arm halten, also suchte ich schnell nach einer Verkäuferin.
„Entschuldigen sie Miss. Könnten sie uns kurz helfen?“, sprach ich die Erste an, die ich finden konnte.

„Natürlich.“ Sie eilte mir nach und Sekunden später stand ich wieder vor Bella.
„Sehen sie genau zu!“, kommandierte ich die verwirrte Verkäuferin und zog Bella mit einem Grinsen in meine Arme.

„Bereit?“, fragte ich leise.
„Nein“, wisperte sie mit rauer Stimme.
„Gut!“, lachte ich und Schwang sie im nächsten Moment durch den Laden. Ihren warmen Körper an meinem zu fühlen, ihre Hand in meinem Nacken, ihr Gesicht dem meinem so nah und ihr vertrauter Geruch.

Es war berauschend. Ich war trunken von meiner ganz persönlichen Droge. Ihr nackter Rücken unter meiner Hand fühlte sich an wie warme Seide. Ich fühlte mich wieder lebendig. Ihr Herz schlug heftig an meiner Brust und ich zog sie noch ein wenig fester an mich, während ich mit ihr zwischen Kleiderständern und Regalen entlang tanzte. Dem Takt in meinem Kopf folgend, sah ich ihr in die Augen und ihre Wangen brannten. Ihre Lippen öffneten sich leicht und sie atmete schneller.

Du solltest den Tanz auch mal wieder beenden, auch wenn du nicht willst, Brüderchen. Ihr seid ein wirklich schönes Paar, aber sie mit einer Wette zu einem Date zu zwingen… Das ist nicht sehr „Gentleman- Like“.
Ihren Truck lahm zu legen auch nicht
,
dachte ich säuerlich.

Wieder vor den Kabinen angekommen, hielt ich Bella noch einen Moment zu lange fest, bevor ich sie endlich zögernd frei gab. Ich hielt aber immer noch ihre Hand und sah in ihre glänzenden Augen. Ich hob ihre Hand an meine Lippen und drückte einen Kuss darauf, ohne den Blick von ihren Augen zu wenden.

„Danke für den Tanz“, wisperte ich und hob widerstrebend den Blick. „Würden sie sagen, dass dieses Mädchen nicht tanzen kann?“, wandte ich mich an die verwirrte Verkäuferin. Meine Stimme klang ein wenig triumphierend und atemlos. Ich konnte mein Gesicht im Spiegel sehen, als ich zu der Frau aufblickte und man sah mir die Begeisterung an, meine Augen funkelten.

Wow was für ein Typ. Ein bisschen zu jung aber hey, was soll’s. Man würde ich gerne mit ihr tauschen…

Sie hatte nicht geantwortet, sondern sah nur verwundert aus. Ich sah sie fragend an. Und dann fiel ihr ein, dass eine Antwort von ihr erwartet wurde.

„Nein, ganz und gar nicht. Das sah sehr professionell aus.“

„Ich danke ihnen“, erklärte ich grinsend und sah wieder auf Bella herunter.
Sie sah verwirrt und nachdenklich aus und mich packte das schlechte Gewissen, denn sie hatte noch kein Wort gesagt. „Wenn du nicht mit mir tanzen gehen möchtest ist das auch okay“, flüsterte ich und mein Herz wurde im selben Moment schwer. „Ich werde dich natürlich nicht zwingen. Ich wollte nur…“
Ja, was? Mit meiner Ehefrau tanzen. Verdammt!
Bella sah zu mir rauf und in mein schmerzerfülltes Gesicht in ihren Puppillen gespiegelt. Ich versuchte meinen Gesichtsausdruck wieder unter Kontrolle zu bekommen, doch ich wusste, sie hatte es gesehen. „Du musst nicht, wenn du nicht willst“, wiederholte ich leise. Sie sah verwirrt aus. Bella konnte nicht verstehen, warum ich so verletzt war, aber der Anblick schien sie zu stören. Sie lächelte mich strahlend an und drückte meine Hand, die immer noch die ihre hielt.

„Wettschulden sind Ehrenschulden. Holst du mich dann ab, oder wie? Ich hoffe aber sehr, dass ich mich nicht zu schick machen muss, das hasse ich nämlich wie die Pest.“

„Das übernehme ich gerne, Bella!“, antwortete Alice und verschwand kichernd in der Umkleidekabine. Und wieder hatte Bella ja zu mir gesagt. Ich lächelte sie glücklich an.

„Ich denke, ich nehme das schwarz- weiße hier mit“, rief Alice uns zu. Bella ging sich wieder umziehen und ich sprach mit der Verkäuferin. Ich bezahlte das Kleid und bat sie in der Taille an jeder Seite noch zwei Zentimeter herausnehmen zu lassen.

„Es soll ein Geschenk sein, sie soll also nicht merken, dass ich es gekauft habe.“ Ich würde es übermorgen abholen können. Also am Freitag. Und am Samstag würde ich mit ihr tanzen gehen. Ich hatte bereits eine tolle Idee, wie unser erstes Date aussehen sollte.

„Schöne Idee“, murmelte Alice hinter mir. „Ich kümmere mich um die Einzelheiten, wenn du möchtest.“

„Du darfst aber nicht übertreiben. Keine zig Blumen und so weiter. Ich will Kerzen und einen kleinen Tisch für Getränke und Speisen, um die ich mich aber selbst kümmere. Musikanlage mit Fernbedienung und viel Platz.“

„Kein Problem. Ich weiß schon, wie alles aussehen soll!“ und in ihrer Vision konnte ich den Tanzsaal sehen. Ich grinste und nickte. Bella kam wieder aus der Kabine und ich gab der Verkäuferin das Kleid.

„Jasper hat angerufen. Er hat Sehnsucht“, erklärte Alice plötzlich und ich sah in ihren Gedanken, dass sie ihn gebeten hatte her zu kommen. Sie wollte uns noch mehr Zeit zu zweit verschaffen.
„Ich kann noch nicht nach Hause. Ich wollte gerne noch in einen Buchladen, wenn du mit möchtest, Bella? Möchtest du mit Jasper und Alice, oder mit mir zurück fahren?“, fragte ich Bella und sah ihr dabei tief in die Augen. Ihr Herz stotterte. „Ich beeile mich auch im Buchladen. Dann kommst du schneller nach Hause, als wenn du mit den Beiden mit fährst. Außerdem ist es ziemlich nervig, die beiden Turteltauben so lange zu ertragen“, bot ich ihr mit einem Augenzwinkern an.

„Buchladen klingt gut. Mein Lesestoff ist ziemlich karg“, hauchte sie.

„Gut dann ist das ja geklärt.“ Alice drückte Bella kurz und lächelte sie dann strahlend an.
Wow, sie riecht wirklich gut…

„Das war ein toller Shoppingausflug. Das müssen wir bald mal wiederholen, aber dann nur wir Mädels.“ Sie warf mir einen Blick zu.

Das schuldest du mir!
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13

Sunday, August 2nd 2009, 4:35pm

Kapitel 12

Shakespeare sagt: „Bravo“


Bella und ic
h liefen nebeneinander her zum Buchladen. Die Luft schien zu knistern. Ich sehnte mich danach ihre Hand zu halten und ich glaube, ihr ging es nicht anders. Nur wusste ich nicht, wie ich es beginnen sollte, also ließ ich es bleiben. Der Buchladen war klein, dunkel und roch nach alten Büchern. Ich mochte diese Atmosphäre sehr gerne. Der Einkauf begann dabei immer schon, wenn man durch die Tür trat und die altmodische Glocke den Kunden ankündigte. Die blonde Verkäuferin kannte mich bereits und grüßte mich mit einem freundlichen Lächeln und nicht ganz jungendfreien Gedanken. Sie hatte mir schon einmal ihre Telefonnummer mit in die Tüte mit den Büchern gesteckt. Danach hatte ich eine Zeit lang meine Bücher über das Internet bestellt, aber mir fehlte der Laden und so war ich schließlich doch wieder her gekommen. Die Sache mit der Nummer war nun schon ein Jahr her und sie hatte sich damit abgefunden, was sie aber nicht davon abhielt, in gewisser Weise an mich zu denken. Mich amüsierte das sehr. Ich schlenderte zwischen den Regalen entlang und sah mich für Carlisle nach neuen medizinischen Werken um. Für mich selbst kaufte ich ein neues Notenbuch. Ich hatte es eigentlich nicht nötig, die Noten aufzuschreiben, tat es aber gerne und die Bücher dienten mir als eine Art „Playlist“ am Klavier. Bella stand an einem Regal mit Klassikern. Natürlich.
Sie hielt ein kleines Buch mit Shakespeares Sonetten in der Hand und ich schielte über ihre Schulter. Sie war so vertieft, dass sie mich erst nicht bemerkte. Wir waren völlig allein in diesem Gang und mir wurde ihre Nähe unheimlich stark bewusst. Sie duftete so herrlich.

„Die meisten seiner Sonette sind ziemlich deprimierend“, sagte ich leise neben ihrem Ohr. Bella schrak hoch und fuhr zu mir herum.

„Oh! Musst du dich so anschleichen?“ Ich schmunzelte.
„Ich bin nicht geschlichen, du warst nur so vertieft. Ich würde dir trotzdem wirklich etwas anderes empfehlen.“
„Du kennst dich also auch noch mit Shakespeare aus? Ich finde, was ich bisher gelesen habe nicht schlecht. Fachmann für alles, was?“, fragte sie sarkastisch und deutete auf meine Auswahl. „Medizin und ein Notenbuch? Spielst du etwa auch noch ein Instrument?“ Ich grinste sie an.

„Ja, ich spiele Klavier. Ich gebe mir Mühe und beschäftige mich mit sehr vielen verschiedenen Dingen. Okay. Ich gebe zu, er hat seine Momente, aber im Allgemeinen schreibt er mir zuviel über den Tod und seine Reime sind oft fast stümperhaft und zu direkt.“

„So gut kennst du also seine Werke? Ich bin beeindruckt“, antwortete sie immer noch in sarkastischem Ton. Ich stützte mich neben ihrem Kopf am Regal hinter ihr ab und sah ihr tief in die Augen, während ich leise zitierte:

„Wie voller Angst ein schlechter Komödiant,
Der auf der Bühne seinen Spruch vergaß,
So wie ein Raubtier, grimmer Wut entbrannt,
Sich selber schwächt im Zornesübermaß;
So fehlt mir oft in schüchternem Verzagen
Die rechte Form, in der sich Liebe fasst,
Des Herzens Kraft scheint gänzlich zu versagen,
Erliegt sie schweigend meiner Liebeslast.
Dann mögen meine Blicke mich erklären,
Die stummen Boten der beredten Brust,
Die Liebe flehen und ihren Lohn begehren
Mit besserem Wort, als Lippen je bewusst.
Verstehst du ihre Sprache, wenn sie schweigen?
Augen, die hören, sind der Liebe eigen.“

Bella sah mich verwundert an. Während ich sprach näherte sich mein Gesicht langsam dem ihren, ohne es zu wollen. Ihre Lippen zogen meinen Blick wie gebannt an. Vor der letzten Zeile stockte ich kurz und sah ihr wieder in die Augen. Doch diesmal konnten sie meinen Blick nicht lange halten.

Hmm dieser rote Mund. Wie ich diesen seidigen Geschmack vermisse, ihre Wärme.

Mein Mund wurde trocken, als Bella sich leicht auf die Unterlippe biss.
Ich wusste, sie wollte diesen Kuss auch. Unser Atem wurde schneller. Etwas polterte leise - Bella hatte das Buch fallen gelassen.
„Ist hier noch jemand? Wir machen gleich zu“, rief plötzlich eine Frauenstimme ganz in der Nähe und ich trat erschrocken zurück. Bella sah völlig verwirrt aus. Ihr schoss das Blut in die Wangen.

Ah verdammt! Das ist doch kein Ort für einen ersten Kuss! Was mache ich denn?

Ich schluckte hart und schüttelte den Kopf, um wieder klar zu werden. Ihre Nähe hatte mich benebelt. Ich bückte mich im selben Moment zu dem Buch herunter, wie Bella und wieder berührten sich unsere Hände. Wir sahen im gleichen Moment auf und unsere Lippen waren wieder nur wenige Zentimeter voneinander entfernt. Ihr süßer Atem streifte mein Gesicht und der erdbeerige Duft ließ mir das Wasser im Mund zusammen laufen. Doch ich spürte keinen Durst, sondern nur das Verlangen sie zu küssen. Mein Kopf war allerdings wieder etwas klarer. So klar er eben in ihrer Nähe sein konnte. Ich seufzte und stand mit dem Buch in der Hand auf.

Das ist wirklich zuviel für ein einziges Herz. Wer kann eine solche Sehnsucht so lange aushalten?
Ich reichte Bella die Hand, um ihr aufzuhelfen und ließ sie einfach nicht los, als wir zur Kasse gingen, um die Bücher zu bezahlen.

Das muss sie mir gönnen, diese kleine Berührung. Wenigstens das.
Der Stapel war nicht gerade klein. Bella dagegen hatte nur das eine kleine Buch. Ich musste sie loslassen, um nach meiner Brieftasche zu greifen.
Ich bezahlte ihr Buch einfach mit und nahm den Beutel. Bella war noch zu verwirrt von unserem beinahe Kuss, um zu protestieren. Auf dem Weg bis zum Auto sagte sie kein Wort, bis ich mich im Auto seufzend zu ihr um drehte.
„Es tut mir leid Bella, das war aufdringlich. Ich hätte nicht… Ich meine…“ Ich stockte kurz, bis Bella mich ansah. „Mir liegt sehr viel an dir. Ich weiß, dass dir das scheinbar alles zu schnell geht und ich versuche mich wirklich zu bremsen, aber das fällt mir ehrlich gesagt ziemlich schwer. Es tut mir leid. Ich werde mich in Zukunft benehmen. Ich wünschte, ich könnte dir erklären…“ Ich stockte wieder, denn eine Erklärung war nicht möglich.
„Ich habe einfach das Gefühl dich schon viel länger zu kennen. Du bist mir so vertraut. Es fühlt sich einfach so richtig an, mit dir zusammen zu sein.“ Meine Stimme klang fremd und viel zu intensiv. Ohne ein Wort legte sie ihre Hand auf die meine und es wunderte mich wieder, dass sie vor der Kälte nicht zurück schreckte. Ich startete den Wagen und fuhr los. Wir hatten bereits die Hälft der Strecke Händchen haltend zurückgelegt, als sie leise flüsterte.
„Es ist nicht so, dass ich dich nicht mag. Ich…“ Sie stockte.

„Ja?“
„Ich mag dich sogar sehr und das macht mir ein bisschen Angst. Schließlich kenne ich dich kaum.“ Konnten Vampirhände schwitzen? Die Schmetterlinge in meinem Bauch, drehten mir mit ihren Loopings fast den Magen um und ein erleichtertes Seufzen brach aus mir heraus.
„Ich kann geduldig sein“, antwortete ich und das Grinsen in meinem Gesicht schien nicht mehr verschwinden zu wollen.

„Es ist nur so- Das klingt jetzt total paranoid, aber - ich habe immer wieder das Gefühl, dass du mir etwas sagen möchtest, aber dann etwas ganz anderes sagst, als du es vorher geplant hast. Das macht mich vorsichtig. Na ja, eigentlich ist es nur logisch. Wir kennen uns noch nicht lange…“ Natürlich hatte sie das bemerkt und ich wollte ehrlich zu ihr sein.
„Du hast Recht“, antwortete ich deshalb ruhig. Sie sah überrascht hoch.

„Ach!“

„Ja. Du bist nicht paranoid. Ich habe ein Geheimnis und ich werde es mit dir teilen, sobald ich weiß, wie ich es dir sagen soll. Es ist… schwierig.“
Das muss die Untertreibung des Jahrtausends gewesen sein.

„Kannst du warten bis ich soweit bin?“, fragte ich möglichst gelassen, aber ich wusste, dass Bella bemerkte, wie angespannt ich war.

Vielleicht sollte ich es ihr einfach sagen. Ganz direkt. Jetzt gleich.

„Gut. Ich kann warten“, sagte sie locker und ich war erleichtert über die Galgenfrist, die ich bekommen hatte. Doch ich sah auch, dass ihr etwas auf der Seele brannte.

„Aber du hast eine Frage…“, stellte ich daher fest.
Hat sie bereits eine Theorie?
Sie zögerte wieder.
„Frag einfach.“ Ihre Stimme war so leise, dass es sogar mir fast schwer fiel sie zu hören. Sie klang besorgt.

„Bist du krank?“ Das verbluffte mich.

„Nein. Wie kommst du darauf?“

„Du isst in der Schule nicht, du bist so extrem blass und immer eiskalt.
Du suchst, soweit ich gehört habe, nie den Kontakt zu anderen. Du kapselst dich ab - todkranke Menschen tun so etwas.“ Dabei kannte sie mich gerade den dritten Tag. Sie war unglaublich. Ich schmunzelte amüsiert und schüttelte innerlich den Kopf.
„Du bist sehr aufmerksam, Bella. Das alles hat etwas damit zu tun, aber ich bin nicht krank. Ich bin so gesund wie ein Pferd.“ Bella seufzte erleichtert. Sie hatte Angst vor der Antwort gehabt, Angst um mich.


Charlie war noch nicht zu Hause, als wir ankamen und Bella stieg aus, bevor ich ihr die Tür öffnen konnte. Wir trafen uns vor der Motorhaube und ich brachte sie zur Tür. Dort gab ich ihr das Buch.

„Wir sehen uns dann morgen, Bella“, sagte ich ruhig, doch sie konnte die Sehnsucht in meiner Stimme hören.
„Du bekommst das Geld für das Buch noch.“

„Sieh es als Dankeschön dafür an, dass ich Alice heute nicht alleine ertragen musste.“

„Das ist nicht nötig, Edward. Ich möchte es bezahlen.“

„Ich möchte mich aber irgendwie revanchieren.“

„Das brauchst du nicht. Ich hatte eine Menge Spaß.“ Sie sah sehnsüchtig zu mir auf und ich wusste, ich konnte nicht mehr warten.

Ist denn der Ort wirklich so wichtig? Wie lange genau sollte man sich denn für einen ersten Kuss kennen? Gibt es dafür eine Regel und wenn ja, trifft die auch auf einen Vampir und seine große Liebe zu? Das Gefühl zählte doch sowieso viel mehr…

Es gab keinen Verstand mehr, keine Vorsicht nur noch Herz und Sehnsucht.

„Bella?“, flüsterte ich und schob vorsichtig eine ihrer samtenen Haarstränen hinter ihr Ohr. Ich hob ihr Kinn mit einer Hand an. Mit dem Daumen fuhr ich sanft über ihre Unterlippe. Bella schauderte und ihre Lippen öffneten sich leicht. Ich konnte ihren warmen Atem auf meiner Haut spüren und ihre schokoladenfarbenen Augen verschmolzen mit den meinen.
„Ich weiß, ich sollte warten. Ich weiß, ich sollte dir Zeit geben, aber ich kann nicht, Bella! Also wenn du jetzt nicht sofort rein gehst, dann werde ich dich jetzt küssen“, flüsterte ich rau und meine Stimme klang dabei fast wie eine Drohung. Ihre Lippen verzogen sich zu einem Lächeln und für mich gab es kein Halten mehr. Mein Gehirn schaltete sich aus.
Nur ein kleiner Kuss…
Das war mein letzter zusammenhängender Gedanke. Meine Lippen berührten die ihren und ein erleichtertes Seufzen entrang sich meiner Kehle. Ihre Hände lagen auf meiner Brust und wanderten langsam höher, bis sie meinen Nacken erreichten. Wie eine Ertrinkende klammerte sie sich an mich. Meine Arme fanden ihren Weg von ganz allein um ihre Taille, zogen sie fest an mich. Mit einem leisen Stöhnen öffneten sich ihre Lippen und ihre Zunge berührte meine Unterlippe. Ihr Griff um meinen Nacken wurde fester und ihre Hände griffen in meine Haare. Ich tat es ihr gleich. Ich trank alles von ihren Lippen, was sie mir gab.
Bella wurde immer fordernder und ich drückte sie gegen die Haustür. Unsere Zungen spielten miteinander und es war, als kannten sie sich - das war nicht wie ein Kuss zwischen Fremden, es war vertraute Leidenschaft. Es war das erste Mal, dass ich wirklich begriff, dass ich in der Zeit zurück gereist war, dass ich eine zweite Chance bekommen hatte. Eine Welle des Glücks durchlief mich und ich genoss ihren Geschmack, ihren Duft, ihre Nähe. All die Zeit der Qualen, der Entbehrung…
Mit einem Kuss hatte Bella alle meine Schmerzen in Luft aufgelöst. Das Einzige was noch zählte war sie, das Hier und Jetzt. Ich war so glücklich, dass ich es hätte herausschreien können.
Nur ein kleiner Kuss…
Bella löste kurz ihren Mund von meinem, um Luft zu holen und mein Gehirn schaltete sich widerwillig wieder ein. Meine Arme von ihr lösend, trat ich einen Schritt zurück. Bella lehnte an der Haustür, ein Lächeln auf den geschwollenen Lippen.

WOW
War das Einzige, was ich denken konnte.
Wow! Wow! WOW!
Ein Vampir verfügte über soviel Kapazität in seinem Gehirn, um hunderte Dinge gleichzeitig zu denken und Bella hatte einfach alles mit einem Kuss überschrieben und für sich vereinnahmt. Ich fuhr mir mit der Hand fahrig durch die Haare und trat noch einen Schritt zurück. Abstand war wirklich notwendig, sonst hätten wir bestimmt gleich da weiter gemacht, wo wir gerade aufgehört hatten. Ich musste bei dem Gedanken grinsen. Das Buch mit den Sonetten lag schon wieder auf dem Fußboden.
Wie kann man seine Werke nur so stiefväterlich behandeln? Was würde Shakespeare wohl dazu sagen… >Bravo< ?

Ich hob es auf und drückte es ihr wieder in die Hand. Sie umfasste es fest mit beiden Händen und drückte es an ihre Brust. Ich räusperte mich.

„Ich sollte dir jetzt vielleicht eine gute Nacht wünschen.“

„Wir sehen uns ja dann morgen früh“, antwortete sie leise. Ich hob die Hand und streichelte über ihre Wange.

„Möchtest du morgen früh vielleicht mit mir zur Schule fahren?“

„Gerne“, hauchte sie und errötete. Noch einmal trat ich auf sie zu und beugte mich vor. Meine Lippen fanden die Stelle direkt unter ihrem Ohr.

„Du bist atemberaubend schön, wenn du rot wirst Bella. Süße Träume. Wir sehen uns schon in ein paar Stunden wieder“, wisperte ich.

„Gute Nacht Edward. Bis morgen.“ Auch ihre Stimme zitterte leicht. Noch einmal drückte ich meine Lippen schnell auf ihre und zwang mich danach zu meinem Auto zu gehen. Mit einem letzten Winken fuhr ich los, mein Nacken kribbelte, denn ich wusste, dass sie mir nachsah. Ich musste mich beeilen. Ich hatte noch so Einiges zu erledigen, bevor ich mich zurück in ihr Zimmer schleichen konnte.
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14

Sunday, August 2nd 2009, 5:11pm

Kapitel 13

Halbwahrheiten


Diese Nacht würde schwierig werden, aber meine Laune war auf einem Hoch.

Bella und ich sind bereits ein Paar. Das ist viel schneller gegangen, als ich je gedacht hätte. Und dieser Kuss! Hm! Einfach WOW.

Alice und Jasper waren natürlich bereits zu Hause.
Alice zwinkerte mir amüsiert zu.
Du siehst ja sehr zufrieden aus. Soll ich raten?

Sie spitzte frech die Lippen und schlang sich die Arme um den Oberkörper.
Ich lachte und zog sie in meine Arme, um ihr einen Kuss auf die Wange zu drücken.
„Ich werde mich irgendwie noch bei dir revanchieren, für deine Hilfe. Ich lasse mir was Besonderes einfallen. Versprochen.“ Ich zwinkerte ihr zu und sie kicherte.

War der Kuss so wie er sein sollte?

„Besser!“, flüsterte ich. Ich schaltete die Musikanlage ein, drehte sie laut auf und verbeugte mich tief vor ihr.

„Darf ich bitten?“ Alice knickste grinsend und wir tanzten Cha- Cha durch das Wohnzimmer. Jasper kam dazu und beobachtete uns von der Tür her. Er wunderte sich wieder einmal über meine euphorische Stimmung. Als Esme das Zimmer betrat, lieferte ich Alice vor ihrem Ehemann ab und schnappte mir meine Mutter. Lachend tanzte sie mit mir.

„Was ist denn nur mit dir los, Edward? Du bist so aufgedreht. Ich weiß nicht, was dich so verändert hat, aber es gefällt mir sehr!“

Sie sollten es wirklich endlich erfahren.

Ich wollte mein Glück am liebsten heraus schreien. Alice hatte bereits meine Entscheidung gesehen. Der Rest unserer Familie musste gewisse Dinge erfahren. Sie wunderten sich sowieso bereits, was ich nachts so tat. Also rief ich die Familie zusammen. Carlisle war zum Glück bereits zu Hause. Wir saßen am Esszimmertisch und ich musste schmunzelnd daran denken, wie Alice mir gesagt hatte, dass ich Bella liebe. Soviel war seither passiert.

„Es gibt etwas, dass ich euch erzählen muss. Als aller erstes aber, muss ich euch sagen, dass ihr euch keine Sorgen zu machen braucht. Es wird alles so kommen, wie es sein soll und ich muss euch bitten die Ruhe zu bewahren.“

„Was ist los mein Sohn?“, fragte Carlisle etwas nervös.

„Ich möchte euch bitten mich auf jeden Fall ausreden zu lassen.“ Ich warf einen Blick in die Runde. Alle außer Alice sahen mich neugierig an. Meine kleine Schwester grinste. Ich grinste zurück.
„Unsere Familie wird sich vergrößern.“ Ich ließ das kurz sickern.
„Was?“, fragten Esme und Carlisle im Chor.

„Nun, noch nicht gleich. Tatsache ist aber, dass ich der Liebe meines Lebens begegnet bin und dass sie mich ebenso liebt, wie ich sie.“

„Oh“, machte Esme nur. Ich ließ ihnen wieder Zeit das zu verdauen. Esme hatte sich als erste wieder gefangen.
„Wer ist sie?“, fragte sie nun und strahlte über das ganze Gesicht. „Hast du dich jetzt doch für Tanja entschieden?“, vermutete sie. Ich verzog angewidert das Gesicht.
„Nein. Die Sache ist etwas komplizierter.“ Alice kicherte.

„Das kannst du laut sagen. Was für eine Untertreibung!“

„Alice bitte, lass mich ausreden.“

„Nun sag schon, wer ist es?“, fragte Emmett jetzt ungeduldig, er war sauer, weil Alice schon informiert zu sein schien. Tief durchatmend fuhr ich fort.

„Ich liebe Isabella Swan.“ Fünf Unterkiefer klappten in Unglaube nach unten.

„Dieses Menschenmädchen?“, zischte Rosalie.

„Die Tochter des Chief?“, fragte Carlisle verdattert. Emmett brach in lautes Lachen aus.

„Scheiße Junge, du machst ja Sachen!“

„Ein Mensch?“ Esme schien verwirrt.

„Das erklärt so Einiges“, sagte Jasper nur trocken und warf Alice einen wissenden Blick zu. Sie kicherte wieder und wenn ihre Ohren nicht gewesen wären, dann hätte sie vermutlich im Kreis gegrinst.
„Ich mag sie wirklich und wir werden beste Freundinnen. Ich liebe sie! Sie ist so toll!“ Sie freute sich für mich und hatte Bella bereits fest ins Herz geschlossen.
„Was soll das? Bist du wahnsinnig? Das geht nicht! Das weißt du Edward!“, wetterte Rosalie außer sich vor Wut. Ich ignorierte sie, denn ich wusste, es lag nur an ihrer Eifersucht.
„Alice würdest du ihnen bitte sagen, dass es sehr wohl klappen wird!“, antwortete ich stattdessen nur gelassen. Sich aufzuregen würde die Situation nur aufheizen. Alice nickte eilig.

„Kein Grund zur Sorge vorhanden.“

„Soll das heißen, sie weiß was wir sind?“, fragte Jasper nun skeptisch. Er war nicht begeistert von der Idee.

„Nein, noch nicht. Sie hat bereits gemerkt, dass wir anders sind. Aber ich werde es ihr sagen und…“ Weiter kam ich nicht.

„Du wirst was? Das kommt nicht in Frage! Du bringst uns damit alle in Gefahr!“
Dieser egoistische Idiot!

„Oh Rosalie komm wieder runter! Du wirst sie auch mögen. Ich verspreche es dir!“, versuchte Alice sie zu beruhigen.

„Es ist unwichtig, was Rosalie einwendet, Bella gehört zu mir. Sie wird akzeptieren was wir sind und ich werde sie sogar irgendwann heiraten. Das steht fest. Finde dich damit ab. Ich kann dir allerdings versprechen, dass sie etwas in unsere Familie bringen wird, was du schon immer wolltest. Du wirst sie lieben Rosalie“, startete ich einen Beschwichtigungsversuch.
„Was weißt du denn schon über meine Gefühle? Sie könnte uns verraten! Du bringst uns alle in Gefahr! Du weißt, dass wir besonders vorsichtig sein müssen! Du weißt, dass man uns beobachtet und nur auf Fehler wartet!“

„Heiraten? Du kennst sie doch gerade mal – wie lange? Drei Tage?“, fragte Esme nun verwirrt, aber ihr schien meine Zuversicht zu gefallen.

Er sieht so glücklich aus! Er ist verliebt! Ich habe solange darauf gewartet, dass er sie findet. Sie muss etwas Besonderes sein. Oh es wird schon funktionieren.
„Wenn sie noch nicht mal weiß, was wir sind, wie kannst du dir da so sicher sein? Hast du etwas gesehen, Alice?“, fragte Emmett nun. Alice antwortete schulterzuckend.

„Die beiden gehören zusammen. Ich konnte sehen, wie sie in seinen Armen liegt und ihn im Sonnenschein anlächelt. Sie wird es akzeptieren. Sie haben sich auf den ersten Blick füreinander entschieden.“

„Die Vision in der Cafeteria?“, vermutete Jasper.

„Ja.“

„Also wird sie eine von uns?“, fragte nun Esme.

„Höchstwahrscheinlich“, antwortete ich ausweichend.
„Da sie noch nicht weiß, was wir sind, konnte sie eine solche Entscheidung noch nicht treffen.“
Ich muss vorsichtig mit meinen Lügen sein. Sie müssen logisch sein, sonst fallen sie auf. Oh wie ich es hasse sie anzulügen!

„Findest du das richtig?“, fragte Carlisle ruhig. Er spürte mein Unwohlsein.
Er konnte uns genauso gut lesen, wie Jasper und ich es konnten.
„Nein. Aber ich weiß, dass ich ab einem bestimmten Punkt einfach keine andere Wahl mehr habe, Dad“, antwortete ich ehrlich.

„Das erklärt dein Gefühlschaos in den letzten drei Tagen.“
Obwohl das schon angefangen hat, bevor du ihr begegnet bist… Irgendwas stimmt hier nicht. Ihr verschweigt uns etwas. Ich kriege das noch raus Edward!, versprach mir Jasper.
Alice: Willst du ihnen noch mehr erzählen? Ich deutete nur ein Kopfschütteln an. Alice Mundwinkel zuckten kurz nach unten, denn sie war nicht mit dieser Entscheidung einverstanden. Ebenso wie ich, hasste sie es Geheimnisse vor der Familie zu haben. Aber wir Freaks unter den Freaks hielten eben immer zusammen.

„Das ist erst einmal alles. Ich wollte nur, dass ihr bescheid wisst.“

„Ich möchte sie gerne kennen lernen, Edward.“
„Das wäre, denke ich, angebracht“, sagten Esme und Carlisle.
„Ich könnte sie am Sonntag zu uns einladen. Wir sind am Samstagabend verabredet“, antwortete ich grinsend.

„Ich fasse es nicht“, zischte Rose und verschwand aus dem Raum.

„Ein Mensch. Das ist so typisch für dich Edward. Machst du es dir mal irgendwann einfach?“, lachte Emmett und schlug mir auf die Schulter.
„Jetzt versteh ich auch das dümmliche Grinsen. Hauptsache sie macht dich glücklich. Kann ich sie auch kennen lernen? Setzt euch doch morgen wieder an unseren Tisch.“ Ein Knurren drang vom Garten her zu uns und er zuckte zusammen.
Okay, vielleicht verschieben wir das erst einmal. Mach dir keine Sorgen. Ich pass auf Rose auf. Die kriegt sich schon wieder ein…
Er zwinkerte mir zu und folgte Rosalie.

Irgendwann bestehe ich darauf den Rest der Geschichte auch noch zu hören.

„Diese Entscheidung liegt leider nicht bei mir, Jasper. Ich denke aber, dass es noch dazu kommen wird. Keine Sorge.“ Er zog eine seiner perfekten Augenbrauen hoch und ich konnte die Narbe darunter deutlicher sehen.

Also gibst du zu, dass du etwas verschweigst?

Er ahnt etwas stimmt’s? Ich werde ihn ein bisschen ablenken. Überlass das nur mir…
Alice zwinkerte mir zu und gurrte dann Jasper ins Ohr:
„Ich hab mir was Schönes gekauft. Soll ich es dir vorführen…?“ Sie dachte an die Dessous, die sie heute gekauft hatte… Jasper konnte an ihrer Stimmung bereits erkennen, dass es mit wenig Stoff zu tun haben musste. Und schon dachte er nicht mehr über mich und meine Geheimnisse nach.
Ich hab übrigens schon den Saal gemietet. Das ist kein Problem. Um die Kerzen, die Blumen und die Musikanlage kümmere ich mich morgen. Sorg du für die Musik.

Also ging ich rauf in mein Zimmer und begann Musik zusammen zu schneiden und sie auf CD zu brennen. Ich war schnell damit fertig und setzte mich vor eine Leinwand in Esmes Atelier. Ich begann ein Bild von Renesme zu malen, um mir die Zeit zu vertreiben, bis ich wieder zu Bella konnte. Mit jedem Pinselstrich kullerten Tränen über meine Wangen und irgendwann konnte ich nur noch schwer hindurch sehen und gab auf. Alice würde es bestimmt gerne sehen, wenn ich irgendwann in der Lage sein sollte es fertig zu stellen. Ich legte ein Tuch darüber bevor ich ging, damit niemand es zu Gesicht bekam, bevor ich soweit war.


Bellas schlanker Körper zeichnete sich unter der dünnen Decke ab. Unter ihrer Hand lag offen das kleine Buch. Ich zog es vorsichtig hervor und musste grinsen, als ich die offene Seite las. Es war das Sonett, das ich im Buchladen zitiert hatte. Auf der anderen Seite war ein anderes sehr passendes abgedruckt.

Dem kecken Veilchen hab' ich so gedroht:
Wem stahlst den Duft du, der dich köstlich macht,
Als meines Liebsten Hauch? Wenn zierlich loht
Von deiner Wange dunkle Purpurpracht,
Sie ward gefärbt aus seines Herzen Rot.
Die Lilie traf um deine Hand mein Zorn,
Den Majoran, weil er dein Haar entwandt,
Und zitternd hingen Rosen an dem Dom,
Bleich in Verzweiflung oder schamentbrannt.
Und keine, weder weiß noch rote, nahm
Zu anderm Raub noch deinen Odem dir;
Zur Strafe nagt, blüht sie auch wundersam,
Doch rächend schon des Todes Wurm in ihr.
Mehr Blumen sah ich, aber keine, die
Von dir nicht Duft und süße Farbe lieh.

Auch in dieser Nacht murmelte sie meinen Namen und lächelte im Schlaf.
Wieder saß ich direkt neben ihrem Bett und gab ihr zum Abschied einen leichten Kuss. Ich wusste, dass das leichtsinnig war, aber ich konnte nicht anders. Mein Gefahrenmagnet arbeitete wieder mal sehr konsequent.
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15

Sunday, August 2nd 2009, 6:45pm

Kapitel 14

Konkurrenz


Die zwei Tage vergingen wie im Flug.
Als ich sie am nächsten Morgen abholte kam sie strahlend zum Auto. Bevor ich ihr die Tür öffnete, sah ich ihr tief in die Augen und als sie lächelte beugte ich mich langsam zu ihr hinab und gab ihr einen kurzen Kuss auf die Lippen. Dieser Begrüßungskuss wurde danach Routine, ebenso wie der Abschiedskuss, wenn ich sie nach der Schule zu Hause ablieferte. Von dem Kuss, den ich ihr jeden Morgen gab, bevor ich ihr Zimmer verlies, wusste meine Liebste ja noch nichts.
Der Tratsch begann unmittelbar, als wir Händchen haltend auf dem Schulhof gesichtet wurden, doch Mike wollte sich noch nicht geschlagen geben. Sobald ich Bella am Donnerstag alleine lassen musste, war er auch schon an ihrer Seite und besaß sogar die Frechheit sie um ein Date zu bitten.
„Also Bella, was machst du denn morgen Abend? Weißt du, ich wollte mal wieder ins Kino und ich dachte, du möchtest vielleicht mit.“ Bella sah völlig überrumpelt aus.

„Ehm weißt du Mike, das ist sehr nett, aber ich hab schon was vor.“

„Bist du etwa mit Cullen verabredet?“, fragte er und man konnte den Trotz in seiner Stimme hören.

„Nein, ich bin morgen nicht mit Edward verabredet. Ich bin beschäftigt.“
„Womit denn dann?“, fragte er nun und war sichtlich beleidigt.

„Ich bin gerade erst wieder her gezogen. Was glaubst du wohl?“

„Das mit Cullen – ist das was Ernstes?“

„Ich wüsste nicht, was dich das angeht, Mike.“ Daraufhin musste ich lachen und Emmett neben mir sah mich verwirrt an. Auf seine Frage hin schüttelte ich nur grinsend den Kopf und antwortete schlicht: „Bella“.

Die süße Isabella Swan selbst konnte nicht mal annähernd abschätzen, wie ernst das mit mir werden würde. Nun ja, wenigstens brachte mich meine Eifersucht nicht mehr so in blinde Wut. Ich war sogar ein bisschen stolz darauf, dass scheinbar jeder meine Bella so anziehend fand, sie allerdings nur mich.
Etwas genervt war ich dann aber doch, als auch Tyler sie nach einem Date fragte. Denn er war um einiges hartnäckiger. Er fragte erst ob sie diesen Freitag, dann nach diesem Samstag und letztendlich ob sie am folgenden Samstag Zeit hätte. Das Ganze ging bis Bella ihm genervt zu verstehen gab, dass sie sich bei ihm melden würde, wenn sie Zeit für ihn hätte.
Tylers Selbstbewusstsein war ungebrochen, denn er glaubte fest daran, dass sich Bella früher oder später melden würde.
Vielleicht sollte ich mir den hartnäckigen Tyler mal zur Brust nehmen und ihm erklären, dass er seine unegalen Pfoten von ihr lassen soll, wenn er selbige behalten will, grübelte ich.
Tylers Pech war, dass ich direkt in der nächsten Stunde Sport mit ihm zusammen hatte. Basketbälle konnten aber auch hart sein…

Alice kicherte anfänglich immer wieder, hielt mich aber nach der ersten hälfte der Stunde davon ab, ihm doch noch ernsthaft weh zu tun.

„Was hat dir denn der arme Tyler getan?“ Der möchtegern Casanova stand in Hörweite und ich antwortete knurrend in normaler Lautstärke:
„Ich hab gehört, er belästigt mein Mädchen.“ Alice lachte.

„Ich glaube nicht, dass sie einen anderen außer dir küsst. Wer will dich schon als Konkurrenz, vor allem wenn der Kampf schon entschieden ist. Beruhige dich wieder und lass ihn in Ruhe.“
Küsst? Er hat sie geküsst? Edward und Bella? Er wird ein ernstzunehmender Konkurrent, schwieriger als Mike oder Erik, sinnierte Tyler. Er sah mich tatsächlich immer noch als Konkurrenten und nicht als Sieger, das machte mich sauer. Tyler wollte nicht aufgeben. Wie sehr das noch zum Problem werden würde, konnte ich damals noch nicht abschätzen. Grinsen musste ich allerdings, als sich Alice an Tyler wandte und sagte:
„Lass die Finger von meiner Spe- Schwägerin, wenn du selbige behalten willst.“
Leider hörte das auch der Rest der Sportklasse und der Tratsch wurde ohrenbetäubend. Deshalb begrüßte Jessica, Bella am Freitag in Mathe mit den Worten:
„Du hast Edward geküsst?“ Bella wurde feuerrot und es tat mir leid, dass sie das durch machen musste.

„Nein, er mich“, flüsterte sie.
„Wieso das denn?“, fragte sie zickig und ich musste mich an der Tischkante fest halten, um nicht aufzuspringen und sie zu würgen.
Was fällt ihr ein so mit ihr zu reden?
„Nun vielleicht, weil er es wollte!“ Durch Bellas bissigen Ton war das Gespräch damit beendet. Damit war die, noch in den Kinderschuhen steckende Freundschaft der beiden wohl beendet, wenn sich das Fräulein Stanley nicht bei Bella entschuldigen sollte. Jessicas Eifersucht quälte dafür mich. Ihre Gedanken waren ein einziges Geschrei und woher kannte dieses Mädchen nur bitte solche Ausdrücke? Es war belastend. Nach der Mathestunde sah Bella mich sauer an, als ich im fast verlassenen Flur auf sie wartete.

„Tut mir leid. Ich konnte sie bis zu meinem Tisch hin hören.“

„Wieso hast du es erzählt?“ Ich kaute auf meiner Unterlippe.

Wie ich es hasse, wenn sie böse mit mir ist.

„Eigentlich hat Alice getratscht. Ich hab nur ihr davon erzählt. Und dann hat Tyler mich provoziert und sie hat sich verplappert. Tut mir wirklich leid.“

„Also hast du es Alice erzählt?“, hakte sie nach.

„Sie ist meine Schwester und na ja, sie hat es mir angesehen.“ Ich zuckte mit den Schultern und blieb dann vor ihr stehen, um ihr in die Augen zu sehen, mit den Fingerspitzen strich ich über ihre Wange.
„Ich war nach unserem Kuss ziemlich aufgekratzt. Ich hoffe du bist mir nicht böse. Es tut mir leid, wenn es dir peinlich ist, dass jeder weiß, dass wir uns geküsst haben…“ Bella seufzte und ich sah, dass sie mir bereits verziehen hatte.
„Du weißt ganz genau, dass das nicht wahr ist. Ich mag es nur nicht, wenn mein Privatleben in der Öffentlichkeit breit getreten wird.“ Ich grinste.

„Ich hab gehofft, dass du so was sagst. Sie werden bald aufhören mit der Tratscherei. Versprochen. Wenn nicht könnte ich mit einigen verbeulten Nasen dafür sorgen…“ Ich grinste und zwinkerte ihr spitzbübisch zu. Sie sah mich erschrocken an.

„Du würdest doch nicht…“ Mein Grinsen wurde noch breiter.

„Es gibt da natürlich noch eine weniger blutige Möglichkeit.“

„Und die wäre?“

„Gib dem Mob, was er verlangt…“, antwortete ich schulterzuckend. Bella runzelte die Stirn.

„Und das wäre?“ Ich beugte mich zu ihr herunter und flüsterte in ihr Ohr.

„Ein filmreifer Kuss mitten in der Cafeteria. Dann begreift die Konkurrenz, wo sie steht.“ Bella lachte herzlich und das Geräusch brachte mein Herz zum Schmelzen.

„Dann hört Jessica mit der Eifersüchtelei auf?“

„Ich dachte da eher an deine vielen Verehrer, Bella.“

„Ich glaube, dass mich jedes Mädchen der Schule mit Blicken durchbohren würde, wenn das passiert. So viele Verehrer habe ich bestimmt nicht.“
„Möchtest du wieder wetten?“, lachte ich.

„Wenn du mit mir ausgehen möchtest solltest du mich vielleicht einfach fragen, Edward.“ Liebevoll sah sie zu mir auf und griff nach meiner Hand. „Ich hab langsam das Gefühl, dass hier irgendwas vorgeht, von dem ich nichts weiß. Es ist fast so, als wäre ich der Gegenstand einer dummen Wette oder so. Wie in einem dieser schlechten Teeny- Filme.“ Ich sah sie verdutzt an.

„Wie kommst du nur auf solche Ideen? Bella du bist einfach hinreißend und deshalb laufen dir die Jungs nach. Akzeptiere es: du bist attraktiv und süß und intelligent und witzig…“ Während ich sprach nahm ich sie in die Arme und beugt mich zu ihrem Gesicht herunter. Ich gab ihr einen sanften Kuss auf die Lippen und sie widersprach nur flüsternd:

„Wenn ich so bezaubernd bin, wieso habe ich dann in Phoenix keinerlei Aufmerksamkeit auf mich gezogen?“

„Hast du bestimmt - du hast es nur nicht bemerkt. Oder die Sonnenanbeter dort haben sich alle ihr Gehirn weg gebrutzelt“, raunte ich an ihren Lippen und wollte sie noch einmal küssen. Sie warf jedoch den Kopf in den Nacken und lachte.


Ich sprach so oft und soviel wie ich konnte mit Bella. Doch ich merkte schnell, dass ich ihr nicht viel von mir erzählen konnte. Jedenfalls nicht solange sie nicht erfuhr, was ich bin. Ich musste es ihr bald sagen.
Einmal kam ich wirklich ins schlingern, denn ich wollte sie nicht anlügen.
„Was trinkst du am liebsten?“, fragte sie Freitagmittag.

„Ich folge einem bestimmten Ernährungsplan. Deshalb habe ich nicht wirklich Auswahl. Mir bleibt da nicht viel übrig und ich muss sagen, dass ich mir nicht all zu viele Gedanken darum mache. Ernährung ist eine Notwendigkeit.“ Wenn ich dazu in der Lage wäre, wäre ich rot wie eine Tomate geworden. Ich konnte ihr nicht einmal in die Augen sehen. „Hast du deinem Vater denn schon erzählt, dass du morgen Abend mit mir ausgehst? Vielleicht solltest du mich ihm vorher offiziell vorstellen“, lenkte ich daher schnell vom Thema ab.

„Ich dachte, ich erzähle es ihm heute Abend beim Essen.“


Freitag nach der Schule, kam das Packet mit dem Kabel an und ich fuhr sofort wieder zu Bella, um es in den Truck einzubauen.
Sie empfing mich an der Tür mit einem strahlenden Lächeln und folgte mir zu ihrem roten Monster. Ich steckte das Kabel an seinen rechtmäßigen Platz und Bella startete den Motor kurz probeweise. Er lief wieder.
Isabella saß auf ihrem Fahrersitz und ich stand in der offenen Tür, während wir uns danach noch unterhielten, scherzten und lachten. Als sie mich ins Haus bitten wollte, sah ich widerwillig auf die Uhr und lehnte mit traurigem Blick ab.

„Tut mir leid, Bella. Ich muss noch etwas erledigen, aber ich komme gerne ein anderes Mal darauf zurück. Wir sehen uns dann morgen Abend.“

„Ja. Bis morgen Abend.“ Wieder sah sie mich mit diesem sehnsüchtigen Blick an und seufzte leise. Wieder gab ich ihr einen Kuss und diesmal war es kein reines Lippenbekenntnis. Gut dass sie noch im Truck saß, sonst wäre sie vermutlich in meinen Armen zusammen gesackt. Mit einem leisen Lachen löste ich mich schließlich von ihr und seufzte noch einmal sehnsüchtig, bevor ich mich verabschiedete.
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16

Sunday, August 2nd 2009, 8:00pm

Kapiteln 15

Überraschungen


Danach fuhr ich los und holte ihr Kleid aus Port Angeles ab. Ich hatte es in einen großen weißen Karton mit breiter großer Schleife einpacken lassen.
Ich legte es zusammen mit einem Brief von mir vor ihre Tür und wartete bis sie oben im Haus war, um zu klopfen. Von einer Baumkrone aus beobachtete ich sie. Sie sah sich verdutzt um und nahm dann als erstes den Brief auf. Ein Lächeln trat auf ihr Gesicht, als sie ihn betrachtete. Auf dem Umschlag stand nur „Schöne“ und sie begriff sofort, dass er von mir stammen musste. Sie nahm das Packet und ging hinein, die Treppe hinauf in ihr Zimmer. Ich konnte nicht widerstehen und kletterte an der hinteren Hauswand rauf, um sie zu belauschen. Ich hockte direkt über ihrem Fenster, damit ich im Notfall aufs Dach verschwinden konnte.
„Was soll das nur wieder?“, murmelte sie und ich brannte vor Neugier.
Mit einem Seufzen öffnete sie den Briefumschlag. Ich konnte das Papier rascheln hören.

Quoted

Meine liebste Bella,

Ich habe lange über unsere Wette nachgedacht und finde, dass sie nicht sehr fair ablief.
Du kanntest mich noch nicht gut genug, um zu wissen, dass ich ein mehr als nur sehr gut geübter Tänzer bin. Ich bin daher der Meinung, dass die Voraussetzungen nicht gerecht waren.
Mein Sieg ist also nicht verdient und ich erkläre hiermit unsere Wette für unentschieden.
Da ich aber nicht bereit bin, auf meinen Gewinn zu verzichten, habe ich beschlossen, dass dir der deine ebenfalls zusteht.
Ich habe es an der Taille etwas enger machen lassen, damit es perfekt sitzt. Daher kann ich es also auch nicht mehr zurückgeben – finde dich also damit ab, dass es dir gehört.

Alice hat die Schuhe ausgesucht. Sie meinte sie müssten passen.

Ich hoffe du bist mit meiner Lösung einverstanden und noch mehr hoffe ich, dich vielleicht morgen in genau diesem Kleid abholen zu können.

Was natürlich allein dir obliegt.

Sehnsüchtig darauf wartend, dass die Zeit verrinnt:
~Dein Edward~
„Er wird doch wohl nicht!“, murmelte sie und ich hörte wie sie den Karton öffnete.
„Oh! Er hat! Das kann doch nicht sein Ernst sein?“ Der Duft von Freesien und Flieder drang durch ihr offenes Fenster. Ich hatte einen kleinen Strauß in den Karton gelegt. Sie nahm ihn heraus und hielt ihn sich unter die Nase, sog tief den Duft ein.
Alice hatte ein paar passende Schuhe gekauft und sie mir gegeben bevor ich das Kleid abholen konnte, auch sie lagen im Karton. Bella nahm die Schuhe heraus und lachte.
„Damit kann ich doch nie laufen, geschweige denn tanzen.“
Sie ließ sich auf das Bett fallen und kicherte.
„Aber sie passen. Was für ein Augenmass! Erst Edward mit dem Kleid und jetzt auch noch die Schuhe! Na ja, wenn man das Schuhe nennen darf.“ Etwas raschelte. Das Seidenpapier.

„Da war sowieso schon so wenig Stoff dran und er lässt noch was wegschneiden.“ Ich kicherte leise. Es war eine Weile ruhig und ich schielte vorsichtig durch das Fenster. Bella saß mit dem Rücken zu mir auf dem Bett, das Kleid auf dem Schoß. Sie spielte mit den kleinen Steinen und nahm seufzend noch einmal die Blumen in die Hand.

„Wasser. Blumen brauchen doch Wasser und Licht. Wieso hat er sie dann bitte in den Karton gelegt? Männer!“ Sie verschwand und kam nach kurzer Zeit mit einem Glas wieder, in das sie die Blumen stellte. Sie platzierte sie auf dem Nachttisch und griff sich wieder das kleine Buch.

„Wenn ich doch nur wüsste, was er an mir findet. Warum ich? Er könnte jede haben. Das kann einfach nicht sein. Es wird mir das Herz brechen…“, murmelte sie leise vor sich hin und mir zog sich das Herz schmerzhaft zusammen. Ich wollte nicht, dass sie zweifelte. Erinnerungen kamen in mir hoch. Hatte sie nicht erst geglaubt, dass ich sie wirklich liebe nachdem ich sie verlassen hatte. Ihre „Epiphanie“ kam erst nachdem ich wieder bei ihr war. Ich wusste, ich musste ihr die Wahrheit sagen. Schon morgen würde ich ihr erzählen was ich bin. Es raschelte wieder und ich schielte wieder durch das Fenster. Bella zog ihr T-Shirt aus und danach die Jeans. Ich zog mich zurück und atmete mehrfach tief durch. Ich hatte sie schon nackt gesehen, jeden Zentimeter an ihr kannte ich bereits und jetzt kam ich mir vor, wie ein Spanner. Ich wollte nicht spannen, aber meine Sehnsucht war so stark.
„Hm passt“, hörte ich sie wieder murmeln und schielte wieder ins Zimmer. Ich konnte ihren nackten Rücken sehen. Ihre weiße Haut hob sich cremig von dem Blau des Kleides ab. Ich sprang mit einem Satz leise vom Dach und rannte. Meine Sehnsucht nach ihr war so groß, dass ich wenn ich nicht gelaufen wäre, einfach zu ihr ins Zimmer geklettert wäre.
Ich hätte sie an mich gezogen, sie geküsst bis ihr schwindelte und dann hätte ich sie auf das Bett gelegt und…
Ich halte es niemals bis zur Hochzeit aus. Diesmal nicht. Wenn es einen Gott gibt kann er mir das verzeihen?, grübelte ich. Eigentlich sind wir ja bereits verheiratet… Ah Hör auf! Was wenn sie nicht will? Was wenn sie nicht erträgt, dass du ein Vampir bist? Du Trottel! Mach dir erst mal um die wichtigen Dinge Sorgen!
Und dann dachte ich an diesen zweiten ersten Kuss…
Eigentlich war er wie unser wirklicher erster Kuss gewesen, nur konnte ich es diesmal genießen. Sie würde wollen und ich würde bestimmt nicht nein sagen können. Ich musste mich ablenken. Zu Hause setzte ich mich an das Klavier. Die Vorbereitungen für den folgenden Abend waren soweit alle getroffen. Carlisle kam die Treppe herunter und stellte sich zu mir ans Klavier.
Dein Spiel ist irgendwie anders seither. Optimistisch, irgendwie fast euphorisch. Und das alles nur wegen dieses Mädchens?

„Jupp.“ Und weil meine Familie wohl auf ist.
Ich habe noch nie erlebt, dass sich ein Vampir auf den ersten Blick verliebt. Wirklich interessant. Ich verstehe nur nicht, wie du dir so sicher sein kannst, dass sie uns akzeptiert. Du weißt, Alices Visionen sind nicht perfekt.

„Ich bin mir sicher, Carlisle.“ Ich zögerte. Ihm gegenüber konnte ich ehrlicher sein. Tempes musste Carlisle auf jeden Fall über seine Gabe aufklären, wenn er ein Teil dieser Familie werden wollte.
„Sagen wir mal, ich habe noch eine zweite Quelle und die ist hundert prozentig sicher.“ Carlisle hob eine Augenbraue.
Was für eine zweite Quelle? Ist sie sicherer als Alice?
„Ja, ist sie. Ich bin die Quelle.“ Carlisle war total überrascht.
„Was? Wie?“
„Ich kann es dir nicht erklären. Sagen wir, ich hatte selbst so was wie eine Vision…“
„Erklärst du mir das?“ Hat sich deine Fähigkeit vielleicht erweitert?

„Nein. Ich erkläre es dir vielleicht später. Vertrau mir bitte einfach, Dad. Ich weiß, dass dir das nicht gefällt, aber es muss sein.“

Ja. Mir gefällt das nicht so recht. Es ist gefährlich, aber ich denke, dass wir dir vertrauen können. Du tust schon das Richtige. Aber jetzt zum wirklich interessanten Teil.
Erzähl mir von deinem Mädchen. War es wirklich Liebe auf den ersten Blick?
„Was soll ich darauf antworten? Sie ist mein Schicksal, Dad. Ich wusste es bereits, als sie mich in der Cafeteria angesehen hat.“ Ich konnte ihm schlecht sagen, dass ich sie auf den ersten Blick hin aussaugen wollte.
Und denkst du, dass du für sie nicht gefährlich sein könntest? Ich meine, sie ist ein Mensch…

„Sagen wir mal, ich hatte ein sehr ernüchterndes Erlebnis. Ich habe meinen Durst perfekt unter Kontrolle.“ Im selben Moment kam Alice herein.

„Dad, du wirst gebraucht. Es gab einen schweren Unfall.“ Sie beschrieb uns genau wo und wir machten uns auf.

„Ich hole deine Tasche und wir treffen uns am Auto“, sagte ich schnell. Ich wollte das Gespräch beenden bevor ich lügen musste. Ich stieg zu ihm ins Auto und er sah mich verblufft an.
„Ich komme mit. Vielleicht kann ich helfen.“ Ich musste noch viel Zeit herum bekommen und wir kamen noch vor dem Rettungswagen an – Dank meiner Fahrweise. Ein Motorradunfall. Der Motorradfahrer hatte einen schweren offenen Bruch und blutete heftig. Carlisle sah mich verwirrt an, als ich ausstieg und den Mann fest hielt während er ihn in Ruhe untersuchte.
„Sieht schlimm aus. Bestimmt müssen Splitter aus der Wunde geholt werden. Wir sollten im Krankenhaus bescheid sagen, dass sie einen OP bereithalten sollen.“
Wie machst du das? Das habe ich noch nie erlebt? Geht es dir gut? Ich verstehe das nicht!
Ich grinste meinen Vater nur an und antwortete:
„Ich ruf im Krankenhaus an und dann sehe ich mir mal die Autofahrer an. Vielleicht solltest du ihm erst mal was gegen die Schmerzen geben.“ Das Motorrad wäre fast durch die Windschutzscheibe geflogen, aber der jungen Fahrerin und ihrem Beifahrer ging es gut. Sie standen unter Schock und hatten kleine Schnittwunden. Nichts Ernstes. Den Motorradfahrer hatte es am schlimmsten erwischt. Ich nahm Verbandszeug und Desinfektionsmittel aus Carlisles Tasche, um sie zu behandeln und während ich die Wunde an der Stirn der Frau säuberte, redete ich beruhigend auf sie ein. Ihre Gedanken waren ziemlich schnell vom Geschehen zu einem ganz anderen Thema übergegangen und amüsierten mich köstlich…
Einer der Sanitäter behandelte den Jungen und Carlisle war mit dem Krankenwagen, einigen Sanitätern und dem Schwerverletzten auf dem Weg zum Krankenhaus. Chief Swan kam plötzlich auf mich zu.

„Hallo junger Mann. Du bist einer der Söhne des Doktors. Richtig? Was machst du denn hier?“

„Hallo Chief Swan. Ja, ich bin Edward. Ich bin mit meinem Vater zufällig vorbei gekommen, Sir. Wir waren noch vor den Sanitätern hier und ich habe eine gute medizinische Grundausbildung. Ich dachte, ich kann vielleicht helfen. Ich werde dann den Wagen meines Vaters zum Krankenhaus bringen, wenn ich hier nichts weiter tun kann.“
Sollte ich ihm sagen, dass ich mit Bella ausgehen würde…

„Ja, ich denke, das Schlimmste ist überstanden. Danke für deine Hilfe, mein Junge.“ Er reichte mir die Hand und ich schüttelte sie gelassen.
„Gern geschehen. Bestellen sie doch Bella liebe Grüße von mir.“

„Du kennst meine Tochter bereits?“

„Ja. Wir haben verschiedene Kurse zusammen und ich war mit ihr und meiner Schwester in Port Angeles. Sie haben ihre Tochter heute noch nicht gesehen oder?“, fragte ich vorsichtig.

„Nein. Wieso?“, fragte er gleich misstrauisch.
„Ehm, na ja, Ich habe Bella gebeten mit mir morgen Abend aus zu gehen. Sie hat zugestimmt. Sie wollte es ihnen wohl heute Abend erzählen, aber jetzt bin ich ihr wohl zuvor gekommen.“ Charlie musterte mich kritisch. Meine Haare waren wortwörtlich durch den Wind, mein zerknittertes Hemd war etwas blutverschmiert und meine Jeans hatte Dreck- und Grasflecken von der ersten Hilfe. Ich fing an zu lachen als ich an mir hinunter sah.

„Ich mache ja einen tollen ersten Eindruck. Ich sehe bestimmt gerade aus wie ein Serienmörder.“ Ich fuhr mir nervös durch die Haare. Charlie grinste.

„Ich denke mal, du siehst aus, wie ein Lebensretter eben aussehen muss. Ich sehe da heute mal drüber weg. Aber morgen will ich mich doch etwas mehr mit dir unterhalten können. Also bis morgen. Danke auch deinem Dad von mir. Fahr vorsichtig!“

Na toll! Das lief ja super…Hoffentlich läuft das morgen besser.

Ich wartete im Büro meines Vaters. Meine Hände hatte ich inzwischen gewaschen und meine Haare hatte ich mir auch wieder gerichtet. Mein Hemd war allerdings ruiniert. An den romantischen Gedanken der Krankenschwestern im Gang wusste ich, dass mein Vater auf dem Weg zu mir war, seine Gedanken waren konfus und neugierig.

„Hallo Edward. Die Sanitäter haben mir gesagt, dass du noch gut geholfen hast nachdem ich weg war. Danke dir dafür.“

„Gern geschehen. Schön das ich helfen konnte. Jetzt verstehe ich so langsam deine Begeisterung für deinen Job, auch wenn man sich dabei ganz schön einsaut…“
„Schön. Und jetzt sag mir wie du dazu fähig warst“, unterbrach er mich. Ich grinste ihn an.
„Alles eine Frage des Fokus. Ich habe schon Schlimmeres durch gestanden.“ Das erste Mal Bellas Blut zu trinken und mitten drin wieder auf zu hören - das war eine Herausforderung gewesen. Alles andere erledigte ich inzwischen mit links!

„Und was war noch schlimmer als das Blutbad von vorhin?“
„Ich musste einem Blut widerstehen lernen, dass so köstlich gerochen hat, wie keines vorher und wie wahrscheinlich nie wieder eines für mich duften wird. Mehr kann ich dir nicht sagen, aber ich denke, du glaubst mir jetzt und vertraust mir. Ich glaube, ich könnte dir inzwischen sogar in der Notaufnahme helfen.“ Ich lachte. Carlisle zog verwirrt und skeptisch eine Augenbraue hoch.

„Ich verstehe kein Wort. Wovon sprichst du? Versteh mich nicht falsch! Ich bin begeistert. Du weißt, ich denke, dass jeder Vampir mit dem richtigen Fokus dazu fähig ist, aber du hast das bisher nie gekonnt. Von was für Blut redest du?“

„Von dem Blut eines Menschen, Carlisle. Es hat so verführerisch gerochen, dass ich kurz davor war, einen ganzen Raum voller unschuldiger Menschen zu töten, nur um es zu bekommen.“ Bei der Erinnerung an die erste Begegnung mit Bella schüttelte ich den Kopf. Carlisle sah mich entsetzt an.

„Aber ich hab widerstanden. Frag mich aber bitte nicht wie! Seither ist jedes andere Blut für mich die reinste Plörre. Ich bin über meinen Durst hinweg.“
Carlisle sah mich nachdenklich an.
Drüber weg… Es sieht so aus. Erzählst du mir irgendwann die ganze Geschichte?

„Diese Entscheidung liegt nicht bei mir. Aber ich hoffe, dass ich es eines Tages kann. Und ich hoffe, dass es bald soweit ist.“ Carlisle gab sich mit einem Nicken zufrieden.

Ich wusste, dass du das irgendwann schaffen wirst. Du hattest immer die meiste Kontrolle. Auch wenn Rosalie noch nie Menschenblut getrunken hat, so war deine Selbstbeherrschung immer die Beste. Sie sieht das wahrscheinlich anders.
„Komm lass uns nach Hause fahren. Ich vermisse meine Frau.“

„Übrigens deine Frau… Hast du mit Esme gesprochen?“

„Ja. Sie möchte gerne mal wieder einen kleinen Kurztrip mit mir machen. Sie sprach von Venedig, Rom oder Paris.“

„Rom ist um diese Zeit zwar sehr warm, aber nicht zu warm. Das wäre nicht schlecht, wenn ihr da hin fahren würdet. Ich hätte da einen Brief, den ihr für mich überbringen könntet.“

„Ein Brief? Warum schickst du ihn nicht mit der Post?“

„Zu privat, also wenn ihr nach Rom wollt, sag mir bescheid, ja?“
„Klar. Für wen ist der Brief denn?“

„Für einen alten Freund namens Tempes. Er arbeitet momentan für die Volturi und ich möchte ihm den Brief nur persönlich zukommen lassen.“

„Wenn es wirklich wichtig ist, frage ich Esme gerne ob sie nach Rom möchte. Aber wieso fährst du nicht selbst?“

„Ihr braucht es nicht davon abhängig zu machen. So wichtig ist es nun auch wieder nicht. Ich will Bella nicht aus den Augen lassen. Albern ich weiß, aber ich will nicht fort von ihr.“ Carlisle lachte laut.
„Das verstehe ich besser als du denkst.“ Carlisle und Esme hatten keinen Tag getrennt verbracht, seit er sie verwandelt hatte.

Weder die Nacht noch der Tag wollten so recht schnell vergehen.
Ich hätte die Nacht gerne bei ihr verbracht, aber sie schlief so unruhig, dass ich nicht durchs Fenster kletterte. Ich wollte sie nicht wecken. Stattdessen lauschte ich von außen. Ich saß auf der Dachkante und hörte zu, wie Bella von mir träumte. Kein einziges Wort schien in dieser Nacht nicht mit mir zu tun zu haben. Bella war genauso aufgeregt wie ich.

Am Samstag war Alice am späten Nachmittag zu Bella gefahren und wollte ihr helfen sich schick zu machen. Ich bat sie inständig es zu lassen, aber natürlich half es rein gar nichts. Aber immerhin versprach sie mir Bella nicht stundenlang zu malträtieren. Sie würde sich nur anbieten, ihr einige Tipps zu geben. Mir schwante Übles, aber was sollte ich denn tun? Alice irgendwo fest zu binden hätte wohl kaum funktioniert obwohl ich sehr in Versuchung war es zu probieren…

Ich beschäftigte mich damit die Häppchen zu machen und für Getränke und Gläser zu sorgen. Ich brachte alles nach Port Angeles und sah mich dort noch einmal im Tanzsaal um. Alice hatte schwere bordeauxrote Samtvorhänge vor die großen Fenster gehängt. Die indirekte Beleuchtung würde perfekt mit dem Kerzenlicht harmonieren und brachte den frisch polierten Parkettboden zum glänzen. Auf beiden Seiten des dunkelroten Dreisitzersofas standen riesige Vasen gefüllt mit roten Rosen. Testweise schaltete ich die Musikanlage ein und spielte den ersten Cha Cha der ersten CD ab –

Perfekt! Die Akustik ist grandios.
Alles was jetzt noch fehlt, ist meine hübsche Ehefrau…
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17

Sunday, August 2nd 2009, 9:32pm

Kapitel 16

Tanzabend


„Dad machst du bitte mal die Tür auf? Ich komme gleich!“
Hörte ich Bella von oben herunter rufen. Nervös atmete ich noch einmal tief durch und zog das Jackett meines Anzuges glatt. Ich war fast so unruhig wie bei unserem ersten ersten Date, was irgendwie dumm war schließlich war ich nicht in Gefahr Bella zu verletzen. Der heutige Abend hatte nichts mit unserem Treffen auf der Lichtung gemeinsam und doch war ich unglaublich exaltiert und fahrig. Ich hatte beschlossen ihr heute Abend zu sagen, dass ich kein Mensch bin, wie genau war mir allerdings immer noch schleierhaft. Alice hatte mir gesagt, dass sie Bella überredet hatte tatsächlich das Kleid anzuziehen. Also trug ich ein nachtblaues Hemd zu meinem schwarzen Anzug. Die Tür öffnete sich und Charlie sah mich mit einem skeptischen Lächeln an.
„Hallo Edward komm doch rein. Bella ist gleich soweit.“

„Guten Abend Chief Swan.“

„Sag doch bitte Charlie.“ Ich nickte nur. Er musterte meinen Aufzug.

Lass bloß die Finger von meinem kleinen Mädchen.

Aha Charlie war also im Daddy- Modus. Also schön vorsichtig mit deinen Kommentaren, Edward
, dachte ich.
„Siehst ja sehr schick aus. Wo soll es denn hin gehen?“ Ich lächelte höflich.
„Wir werden in Port Angeles tanzen gehen.“

„Tanzen?“ fragte er nun völlig überrascht.

Oh hoffentlich bricht sich Bella dabei nicht die Beine. Aber sie sind unter Leuten. Das ist gut. Hauptsache sie sind nicht alleine…

„Ja. Es gibt dort eine Tanzschule. Bella meinte sie könne nicht tanzen und ich habe mir gedacht, dass ich ihr das Gegenteil beweisen sollte.“ Ich hörte Bella die Treppe herunter kommen. Sie trug einen kurzen schwarzen Mantel über ihrem Kleid. Ihre Schuhe hielt sie an den Riemchen in der Hand und mit geröteten Wangen sagte sie leise als Erklärung:

„Ich habe mich nicht getraut damit die Treppe herunter zu laufen. Ich weiß wirklich nicht, wie ich damit tanzen soll.“ Ich musste grinsen.
„Mit Absatzschuhen kann man besser tanzen, Bella. Hat mir jedenfalls bisher jede Tanzpartnerin gesagt. Ich werde schon aufpassen, dass du nicht hin fällst. Vertrau mir.“ Charlie machte sich Sorgen und er konnte sich nicht entscheiden, was ihm mehr Kopfzerbrechen verursachen sollte- die Schuhe oder ich.
„Vielleicht solltest du dir vorsichtshalber ein Paar andere Schuhe mitnehmen. Ich möchte nicht, dass du fällst und dir was brichst.“ Mühsam das Lachen unterdrückend antwortete ich mit einem leichten Schmunzeln.

„Für den Notfall bin ich ja gut in erster Hilfe ausgebildet.“

„Oh Bitte! Jetzt hört aber mal auf. Ich werd’s schon überleben“, antwortete Bella sarkastisch. Sie war dezent geschminkt und einige ihrer Haarstränen waren nach hinten zusammen gesteckt, der Rest ihrer Haare fiel in sanften Wellen bis auf ihren Rücken. Durch den offenen Mantel konnte ich das Kleid sehen und musste nun doch grinsen.

„Du siehst atemberaubend aus, Bella“, komplimentierte ich.

„Du siehst wirklich sehr hübsch aus. Ist das Kleid neu?“, fragte ihr Vater. Und in seinen Gedanken konnte ich Rührung hören und er war mir gegenüber misstrauisch. Er war hin und her gerissen. Ich wusste er wollte mich einem Verhör unterziehen und ich wunderte mich, dass er es nicht einfach tat.

Hat Bella ihn gebeten es zu lassen?
, sinnierte ich.

„Ja ist es. Ich komme nicht zu spät nach Hause. Bis später Dad“, antwortete sie und schlüpfte in ihre Schuhe.

„Ehm Bella?“ Sie drehte sich noch einmal zu ihm um.
„Hast du dein Handy und das andere in deiner Handtasche?“, fragte er leise. Bella wurde rot und nickte. Charlie dachte an die Flasche Pfefferspray in Bellas Handtasche. Ich schmunzelte.
„Ich werde Bella nicht zu spät nach Hause bringen, Sir.“ Ich bot Bella meinen Arm an und führte sie zur Beifahrertür meines Aston Martin.

„Was ist das denn für ein Auto?“, fragte sie verwirrt.

„Ein Aston Martin. Ich fahre ihn im Alltag nicht, sondern nur zu besonderen Anlässen.“
Nachdem wir auf der Straße nach Port Angeles waren, fragte sie plötzlich.
„Wo willst du eigentlich mit mir hin?“

„Du magst keine Überraschung, ich weiß, aber bitte gedulde dich noch ein bisschen.“

„Woher weißt du, das?“
Ups, nicht aufgepasst. Ich grinste. Sei ehrlich mit ihr.
„Sagen wir einfach, ich kann dich schon sehr gut einschätzen. Ich sagte dir ja bereits, dass ich das Gefühl habe dich schon viel länger zu kennen.“ Sie antwortete nicht sondern runzelte nur die Stirn und dachte darüber nach.

„Ich freue mich sehr darüber, dass du das Kleid trägst. Ich hatte ein bisschen Angst, dass du sauer wirst, weil ich es dir gekauft habe, aber es steht dir so verdammt gut…“

„Ich wollte dir noch für das Kleid danken, aber das war völlig überflüssig.“

„Ich sehe das anders. Der Anblick ist es mehr als Wert und du überwindest heute deine Angst vor dem Tanzen für mich, das ist mehr als genug Dank. Ich bin froh, dass Alice an die Schuhe gedacht hat.“ Bella zog das Kleid ein Stück zur Seite und drehte den Schuh, um ihn besser betrachten zu können. Dabei gewährte sie mir einen exquisiten Blick auf ihr nacktes Bein.

Nur gut, dass ich diese Strecke schon so oft gefahren bin…

„Ich war ziemlich überrascht, dass sie gepasst haben.“

„Ich nicht. Wenn Alice etwas kann, dann ist es einkaufen.“ Wir lachten beide.

„Darf ich fragen wieso du die Blumen in den Karton gelegt hast?“ Ich grinste wieder.

„Weil dann das Kleid danach duftet. Der Duft passt sehr gut zu dir Bella.“ Genüsslich sog ich die Luft in meine Lungen und warf ihr dann ein verschmitztes Augenzwinkern zu. Wieder gab ich ihr einen kleinen Hinweis auf meine wahre Identität. Bella schnüffelt kurz an ihrem Kleid und sah mich dann skeptisch an.

„Du ziehst mich auf, oder? Ich rieche gar nichts. Vielleicht hätte ich die Blumen dann im Karton lassen sollen.“ Ich lachte.

„Wieso denkst du immer, ich würde dich aufziehen wollen?“

„Weil du es ständig tust“, antwortete sie schulterzuckend. Eine Hand auf die ihre legend sagte ich nur:

„Ich weiß, dass ich in deiner Gegenwart immer etwas aufgedreht und albern bin. Aber ich möchte, dass du weißt, dass ich es mit dir sehr ernst meine. Ich bin so albern, weil ich es einfach liebe dein Lachen zu hören.“ Ich zog ihre Finger kurz an meine Lippen und änderte dann das Thema.

„Wie weit bist du mit deinem neuen Buch? Bist du schon deprimiert von den vielen Todessonetten?“ Bella grinste frech.
„Nein. Aber mich würde interessieren, woher du dieses eine Sonett auswendig konntest. Ist das deine Masche um Mädchen zu beeindrucken? Es steht nämlich auch in dem Buch, weißt du.“ Wieder ein kleines Puzzleteil zur Wahrheit.
„Ich kenne alle seine Sonette auswendig.“

„Was?“, fragte sie ungläubig.

„Ich habe ein photografisches Gedächtnis. Einmal gelesen und es ist in meinem Kopf gespeichert.“ Bella war kurz sprachlos.

„Hm, wow.“ Ich lächelte schwach.

„Es ist nicht so toll, wie man es sich vorstellt. Es prägen sich nicht nur die schönen Sachen ein sondern auch der ganze Mist dazu.“
„Ja, aber ist das nicht ein geringer Preis?“
„Kommt darauf an. Stell dir vor, du könntest jede Werbereklametafel auswendig zitieren. Jeden schlechten Witz, den du einmal gelesen hast. Viele schlechte Erinnerungen sind einfach da und verblassen nicht mehr. Niemals.“ Bella sah mich nachdenklich an.

„Du hast sehr schlimme Erinnerungen, die du nicht mehr vergessen kannst nehme ich an“, flüsterte sie und drückte sanft meine Hand. Ich konnte nichts sagen und nickte nur. „Das tut mir leid Edward. Aber formen uns nicht auch die schlimmen Erfahrungen? Machen uns unsere Erinnerungen nicht zu dem was wir sind? Bilden sie nicht unseren Charakter?“ Ja. Nur durch eine der schlimmsten meiner Erinnerungen, hatte ich meinen Durst überwinden können. Nur durch meine Erinnerungen an den Tod meiner Familie, wusste ich diese jetzt so sehr zu schätzen. Wir kamen am Tanzstudio an und ich stieg aus. Ich öffnete Bella die Tür und half ihr aus dem Auto.
„Du hast Recht“, flüsterte ich ihr zu, als wir auf den Eingang zugingen. Im Vorraum nahm ich ihr den Mantel ab und bat sie einen Moment zu warten. Ich ging in den Tanzsaal und zündete in Vampirgeschwindigkeit die Kerzen an. Mein Jackett hatte ich abgelegt und öffnete ihr die Tür.
„Schließ bitte die Augen, Bella!“ Als sie mein Gesicht sah, seufzte sie ergeben, schloss die Augen und ließ sich von mir auf die Tanzfläche führen. Ich zog die Fernbedienung aus meiner Tasche und startete die Musik. Ich legte meine Arme von hinten um ihre Taille und genoss ihre warme Haut an meiner Brust.

„Augen auf“, flüsterte ich aufgeregt an ihrem Ohr. Bella sah sich mit einem erstaunten Blick um.

„Ich verstehe das nicht. Wo sind denn die anderen? Ich dachte, wir gehen zu einem Tanzabend?“

„Ich sagte wir gehen tanzen und das tun wir auch. Ich nahm allerdings an, dass es dir lieber ist deine erste Tanzstunde in einem eher privaten Umfeld zu bekommen. Wenn du stolpern solltest wird es niemand außer mir sehen und du kannst mir so oft du willst auf die Füße treten - ich werde es niemandem erzählen“, flüsterte ich ihr mit einem Grinsen ins Ohr.

„Und für wen haben wir uns dann so heraus geputzt?“, fragte sie verwirrt.

„Na für einander. Wenn du allerdings ein bisschen Schaulaufen möchtest, können wir erst noch etwas essen gehen, oder wir gehen ins Theater oder ins Kino. Ich weiß zwar nicht was läuft, aber ich bin sicher, dass wir noch Karten bekommen können.“
Mit genug Geld kann man alles regeln…

„Nein, nein. Kein Schaulaufen. Ich bin nur überrascht. Das ist sehr lieb von dir. Ich hatte etwas Angst davor mich zu blamieren. Diese Schuhe sind der Horror. Ich hätte sie gar nicht erst anziehen sollen, aber ich hatte keine anderen zu so einem Kleid und ich wusste nicht, was ich sonst anziehen sollte“, plapperte sie nervös. Ich drehte sie in meinen Armen um und streichelte mit einer Hand über ihre nackte Wirbelsäule.

„Du siehst bezaubernd aus. Wir versuchen es mit den Schuhen und wenn es wirklich nicht geht, können wir ja barfuss tanzen. Was sagst du dazu?“, murmelte ich und sah ihr tief in die Augen. Bella nickte nur. Ihr Herz schlug schnell und wahnsinnig laut. Ohne einen weiteren Kommentar küsste ich sie.

„Also. Darf ich um diesen Tanz bitten?“, fragte ich mit einer tiefen Verbeugung. Ich erklärte ihr den Cha Cha Grundschritt als erstes und solange ich es vermied ihr in die Augen zu sehen, tanzte sie perfekt. Doch jedes Mal, wenn sich unsere Blicke ineinander verloren, stolperte sie, trat mir auf den Fuß oder vergaß die Schrittfolge vollständig. Ich hatte soviel Spaß beim Tanzen wie nie zuvor. Am Anfang war ihr jeder Patzer peinlich doch ich schaffte es jedes Mal sie mit kleinen Witzen wieder zum lachen zu bringen. Immer wieder brachen wir beide in Gelächter aus und ihre leuchtenden Augen wärmten mein kaltes Herz. Auch den Rumba und den Walzergrundschritt beherrschte sie erstaunlich schnell. Wir wiegten uns im Rumba, als ich wieder einmal zu lange im Braun ihrer Augen schmachtete. Bella stolperte über meinen Fuß und wäre gefallen, wenn ich sie nicht im letzten Moment aufgefangen hätte.

Gesegnet seien meine Vampirreflexe…

Sie lag im wahrsten Sinne des Wortes in meinen Armen und mit einem Seufzen gab ich mich meinem Verlangen hin.
Der Kuss war stürmisch. Ihre Hände krallten sich in meine Haare, meine freie Hand glitt an ihrer Seite entlang und strich über ihre Hüfte bis zu ihren nackten Oberschenkel. Es kostete mich meine ganze Kraft ihr Kleid nicht einfach hoch zu schieben. Stattdessen stellte ich sie wieder auf die Füße, ließ meine Hände noch ein letztes mal über ihren Rücken und ihre Hüfte gleiten, um ihr Kleid wieder zu glätten und löste dann widerwillig meine Lippen von den ihren.
„Wie wäre es mit einer Pause?“, flüsterte ich rau. Bella nickte nur und versuchte ihren zu schnellen Atem wieder unter Kontrolle zu bringen. Ich ging zu dem kleinen Tisch und schenkte ihr voll konzentriert ein Glas Sekt ein. Ich hatte mich wieder halbwegs unter Kontrolle, als ich ihr das Glas gab und mich neben sie auf das Sofa setzte.

„Erdbeeren?“

„Möchtest du nichts?“, fragte sie ruhig.

„Ich muss fahren und ich bin nicht durstig. Also? Ich habe Erdbeeren da. Ganz frisch.“

„Nein, danke. Mir ist eher nach was anderem“, murmelte sie und stellte ihr Glas auf dem Boden vor dem Sofa ab.

„Was darf es sein? Ich habe auch noch etwas…“ Weiter kam ich nicht. Bella drückte ihre Lippen auf meine und schlang ihre Arme fest um meinen Hals. Ich war völlig überrumpelt und mit einem Stöhnen zog ich sie fest in meine Arme.
Bella rutschte auf meinen Schoß und begann meinen Nacken und meine Brust zu streicheln. Ich weiß nicht wie es dazu kam, aber plötzlich lag Bella auf dem Sofa und ich auf ihr. Ich küsste ihren Hals, ihr Dekollete und immer wieder ihre Lippen. Ihre Hände wühlten durch meine Haare, streichelten meinen Rücken und sie griff mir sogar an den Hintern, um mich fester an sich zu ziehen. Ihr linkes Bein rutschte wieder durch den Schlitz in ihrem Kleid und sie schlang es um meine Hüfte. Ich streichelte die seidige Haut ihres Schenkels und küsste jede Stelle, die ich erreichen konnte. Eine meiner Hände krallte sich in die Seitenlehne, auf der ihr Kopf ruhte und ich hörte ein reißendes Geräusch. Schlagartig wurde mein Kopf wieder klar und ich hielt erschrocken inne.
Bella küsste meinen Hals und biss gerade sanft hinein. Ich schauderte.

Das hier ist nicht richtig. Das läuft ja ganz falsch! Das darf doch noch gar nicht passieren! Nicht solange sie nicht bescheid weiß
, dachte ich entsetzt.

„Stopp!“, brachte ich keuchend hervor und wand mich aus ihren Armen. Ich sprang förmlich vom Sofa und brachte sofort fluchtartig einige Entfernung zwischen uns. Ich drehte mich von ihrem Anblick weg und versuchte tief durch zu atmen; sie sah so verführerisch aus. Das Verlangen in meinem Körper brannte wie Lava. Ich dachte schon meine Sehnsucht würde mich umbringen oder wenigstens in den Wahn treiben, als ich hinter mir ein leises „Oh“, hörte.

Was hat sie gesehen? Habe ich die Lehne abgerissen? Wie groß ist wohl der Schaden?

Doch ich konnte mich nicht umdrehen, noch nicht. Ich konnte es noch nicht ertragen sie so zu sehen und sie nicht sofort wieder in meine Arme zu ziehen.
Ihre roten Lippen, die glänzenden Augen, die geröteten Wangen und ihr verrutschtes Kleid…
Zu viel!

„Bella es tut mir leid. Das war so nicht geplant. So etwas sollte eigentlich nicht passieren. Ich habe so was nicht geplant.“

„Edward ist alles okay? Hab ich was falsch gemacht?“

Wie?

Verwirrt drehte ich mich um.

„Falsch gemacht? Nein. Ich… Es tut mir leid, Bella. Ich wollte nicht dass das passiert.“ Bella sah verwirrt aus.

„Wieso nicht? Ich meine, wieso bist du plötzlich so aufgesprungen? Ich… Das was passiert? Wir haben doch nur…“ Das Rot ihrer Wangen intensivierte. Ihre Haare waren ein wenig zerzaust und sie biss sich leicht auf die Unterlippe.
Seufzend fuhr ich mir durch die Haare und bemerkte, dass die obersten drei Knöpfe meines Hemdes offen waren.
Wann ist das denn passiert? Wann hat sie die geöffnet?
Verwirrt schloss ich sie wieder. Das ich das nicht mal bemerkt habe… Sie hatte mich aber auch überrumpelt.
Ich lächelte schief.
„Wir haben uns ganz schön wegtragen lassen. Bella, es gibt immer noch Dinge, die du nicht von mir weißt und ich möchte nicht, dass etwas zwischen uns passiert, bevor sich das geändert hat.“ Möglichst unauffällig ließ ich meinen Blick zur Sofalehne gleiten. Ich konnte ein kleines Loch entdecken - wahrscheinlich war mein Daumen durch den Stoff in das Polster gedrungen.

Wie leichtsinnig! Das hätte Bella sein können. Solange Bella ein Mensch ist, brauche ich etwas an dem ich meine Kraft auslassen kann, wenn ich ihr so nah bin, das darf ich nicht vergessen. Nie wieder!

„Ich hatte nicht wirklich vor… Ich meine…“, murmelte Bella und sah peinlich berührt auf ihre Hände. Sie hatte ihr Kleid zurecht gerückt und begann ihre Haare wieder zu ordnen. Ich kniete mich vor sie hin und hob ihr Kinn an, um ihr in die Augen sehen zu können.

„Ich weiß. Ich auch nicht, aber wenn wir ehrlich sind: Glaubst du wir hätten uns bremsen können, wenn es noch ein bisschen weiter gegangen wäre?“ Meine Stimme bebte vor Verlangen. Bella antwortete nicht, sie kaute nur wieder nervös auf ihrer Unterlippe und dachte nach.

Bei Gott diese roten Lippen sollten wirklich verboten werden!

Ich grinste, als ich die Erkenntnis in ihren Augen aufblitzen sah.

Wir lieben einander so sehr, wir hätten uns nicht stoppen können. Unsere Gefühle waren von Anfang an schon zu tief verwurzelt.

Sie legte ihre Hände auf meine Wangen und sah mich nachdenklich an.

„Du hast es gewusst. Nicht wahr? Du hast gewusst, dass es so zwischen uns sein würde, dass ich so für dich empfinden würde“, flüsterte sie. Ich lächelte leicht.

„Ja. Ich hatte nicht erwartet, dass es so schnell gehen würde, aber ja.“ Bella sah mich eine ganze Weile nur nachdenklich an und ich wurde unruhig.

„Am Mittwoch hast du gesagt, dass du das Gefühl hast mich schon viel länger zu kennen, dass wir zusammengehören.“ Ich konnte nur nicken.

„Ich glaube, ich weiß, was du meinst.“ Verblufft sah ich sie an.
„Als wir uns in der Cafeteria das erste mal angesehen haben…“ Sie stockte.
„Ja?“

„Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll…“, rang sie um Worte.
„Ich hatte dieses komische Gefühl, am ersten Schultag, bevor ich zur Schule kam und als ich dich dann sah, hat es sich bestätigt. Ich wusste, dass etwas passieren würde. Ich weiß, das klingt komisch, aber… Ich weiß nicht wie ich es besser beschreiben soll. Ich wusste, dass etwas geschehen würde, das mein Leben verändern würde. Als wir uns in die Augen gesehen haben… Es kam mir vor, als würde ich dich kennen. Es fühlte sich an als würde etwas in mir… einrasten.“
Sie sah mich skeptisch an. Mein Mund wurde trocken.

„Bella, dieses Gefühl von dem du sprichst, bevor du zur Schule gefahren bist, weißt du wann genau das war? Wann hat das angefangen?“

Kann das sein? Ist das möglich? Spielt das Schicksal schon wieder mit uns? Kann sie es wissen? Kann sie von uns wissen?

„Kurz bevor ich losgefahren bin. Wieso?“ Ich legte meinen Kopf auf ihren Schoß und seufzte erleichtert.

Es gibt diese Verbindung wirklich zwischen uns. Ich habe mir das nicht eingebildet.

„Es ist der gleiche Moment gewesen“, flüsterte ich nur leise und Bella verstand mich sofort.

„Du also auch“, antwortete sie schlicht.

„So was in der Art.“ Wir saßen eine Weile nur so da, bis Bella plötzlich sagte, sie brauche frische Luft.

„Das ist alles ein bisschen viel.“ Doch als wir einander in die Augen sahen, als ich ihr in den Mantel half, lächelten wir beide. Es war als hätten wir jetzt ein gemeinsames Geheimnis.
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18

Monday, August 3rd 2009, 12:47am

Kapitel 17

Gefahrenmagnet


Wir liefen eine Zeit lang schweigend. Ich führte sie durch Port Angeles und war völlig vertieft in ihrem Anblick, in dem Gefühl ihre Hand in der meinen zu halten. Wir waren im Park angekommen und ich legte meinen Arm um ihre Schultern. Nur hin und wieder unterbrachen Laternen die Dunkelheit und der Mond schien zwischen den Baumkronen hindurch, auf uns herab.

„Worüber denkst du nach?“, fragte sie ruhig, als wir unter einem kleinen Blätterdach hindurch liefen.

Hm war das nicht normalerweise mein Text?

„Ich frage mich, wie ich dir von meinem Geheimnis erzählen soll, Bella.“

„Sag es doch einfach gerade heraus. Es kann doch nicht so schlimm sein.“

„Doch ich denke schon. Ich möchte dich nicht erschrecken. Ich habe Angst, dass du mich nicht mehr sehen möchtest, wenn du es weißt.“ Sie blieb stehen und hielt mich fest.
„Ich glaube nicht, dass es etwas gibt, was du zu mir sagen könntest, dass mich von dir fern hält.“ Ich musste lächeln.
„Du willst es also ganz gerade raus hören. Ohne Umschweife?“ Sie nickte. Ich wusste, sie musste es erfahren und nachdem ich von unserer Verbindung erfahren hatte, hatte ich mehr Mut. Sie hatte es schon einmal verstanden und das Schicksal wollte uns scheinbar unbedingt vereint sehen. Eine andere Erklärung konnte ich für dieses Phänomen beim besten Willen nicht finden.
Ich atmete also tief durch und sprach es aus.
„Bella, ich bin kein Mensch.“ Bella kicherte.

„Ja, so komme ich mir auch manchmal vor.“

Das kann doch wohl nicht wahr sein! Sie glaubt mir nicht.

Ich nahm also ihre Hand und legte sie auf meine Brust, direkt über mein stilles Herz und flüsterte:

„Hör genau hin Bella. Ich meine ernst was ich sage. Ich bin kein Mensch. Dir sind all die wichtigen Dinge bereits aufgefallen. Meine kalte, blasse Haut, die Tatsache, dass ich nie vor dir esse oder trinke. Sieh in meine Augen, Bella. Sehen sie nicht anders aus, als am ersten Tag? Ich bin kein Mensch, aber ich liebe dich wie nichts und niemanden zuvor. Du hast mein Leben erst zu etwas lebenswertem gemacht.“ Verwirrt sah sie mir in die Augen, suchte nach dem was ich gesagt hatte und fand es scheinbar auch. Ihr Blick glitt auf unsere Hände.

„Es schlägt nicht“, murmelte sie verwirrt. Sie sah zu mir auf.
„Wieso nicht? Wie ist das möglich? Wenn du kein Mensch bist, was bist du dann Edward?“
„Ich bin ein Unsterblicher, Bella.“ Ich brachte das Wort Vampir einfach nicht über die Lippen. Ich versuchte es erneut.
„Ich bin…“ und dann hörte ich sie.
Wie konnte ich nur so abgelenkt sein?

Ich hatte sie nicht gehört, bis es zu spät war. Sie kamen von allen Seiten.
Fünf Männer, drei von ihnen mit Pistolen bewaffnet. Keiner von ihnen war älter als 23 und sie trugen alle die gleiche dunkle Jeansjacke - eine Gang und sie waren auf uns aufmerksam geworden. Schnell sah ich mich um, nach einem Fluchtweg, doch es war zu spät denn der Erste trat bereits auf uns zu. Wir waren umzingelt. Bella spürte, wie ich mich versteifte.
„Was ist, Edward?“ Ich zog sie so, dass ich vor ihr stand, zwischen ihr und dem Mann mit der Pistole. Es half rein gar nichts. Um uns traten die anderen bereits aus den Schatten. Die drei mit den Pistolen, standen genau im Dreieck um mich herum. Ich konnte Bella alleine nicht mit meinem Körper schützen.
Ich überschlug meine Chancen, sie alle zu entwaffnen, bevor einer von ihnen abdrücken konnte.
Zu riskant. Sie könnten Bella treffen.

Die anderen beiden hatten jeweils Messer in der Hand und einer von ihnen roch nach Drogen. Keine Gefahr. Sie wären auf jeden fall zu langsam, aber die Pistolen machten mir Kopfschmerzen. Der Mann mir dem Dreitagebart und der zerrissenen Jeans vor mir hielt eine 9mm Beretta in seiner Hand. Seine zwei Kumpanen hinter mir eine Walther PPK und eine Clock 18.

Bella zu greifen und zu laufen wäre ebenfalls zu riskant. Sie könnten auf mich schießen und eine der Kugeln könnte vielleicht durch mich durch gehen und sie treffen.

Ich wusste es nicht genau. Man hatte noch nie auf mich geschossen. Nicht, dass man es noch nicht versucht hatte… Das kommt schon mal vor, wenn man Verbrecher auf der Speisekarte hatte.

Ich muss das hier also friedlich lösen.

Bella klammerte sich von hinten ängstlich an mich, als sie die Situation begriff.

„Edward“, wisperte sie leise und panisch. Angst um sie schnürte mir kurz die Kehle zu.

Wieso hat Alice mich nicht gewarnt?

Und dann viel es mir ein, mein Handy hatte ich im Auto gelassen.
„Alice ich brauche hier Hilfe“, presste ich in Vampirgeschwindigkeit und so leise wie möglich zwischen den Zähnen hervor. Ich wusste, sie würde das sehen und wäre bestimmt schon auf dem Weg, fragte sich nur, wie lange sie noch brauchen würde.
Wann hat sie das hier gesehen? Sie wird rennend nicht all zu lange brauchen, nur wenige Minuten. Ich muss nur durchhalten.

Ich zog Bella wieder vor mich und schloss schützend meine Arme um sie.

„Schon gut. Sie wollen bestimmt nur mein Geld.“ Ich ließ keinen der Männer aus den Augen und die Gedanken der beiden Messerträger sagten mir, dass ich richtig lag.

„Dann rück mal raus! Aber ganz langsam“, sagte der Mann mit der Pistole direkt vor uns. Ich öffnete mein Jackett und zog langsam mit zwei Fingern die Brieftasche heraus.

„Kein Problem, nur bitte nicht unruhig werden.“ In ihren Gedanken konnte ich sehen, dass unsere teure Kleidung zu auffällig gewesen war. Aber Bella wäre ja nicht Bella, sie wäre ja nicht mein Gefahrenmagnet gewesen, wenn die Situation nicht ausgeartet wäre. Ich wollte ihm die Brieftasche gerade vor die Füße werfen, als mich seine Gedanken inne halten ließen.

Heiß die Kleine. Vielleicht ist hier noch mehr drin als nur ein bisschen Bares. Der blasse Bubi kann es ihr ja wohl kaum richtig besorgt haben…

Seine Gedanken waren brutal und zu detailliert. Ein Knurren bildete sich in meiner Brust und ich konnte es nicht mehr zurück halten. Einer der anderen Pistolenträger hinter mir dachte ähnlich, wie der Typ vor mir. Ich versuchte Bella und mich in eine andere Position zu manövrieren, an einen Baum, hinter dem sie sich verstecken konnte, während ich diesem Abschaum die Köpfe abriss… Einer der Messerträger bemerkte meinen Kurs.

„Bleib stehen, wenn du nicht als Sieb enden willst, Junge.“
Mir blieb nichts anderes übrig. Ich warf die Brieftasche Schwein Nummer eins vor die Füße und sagte so ruhig wie ich konnte.
„Bitteschön. Die Kreditkartennummer könnt ihr auch gerne haben, wenn ihr sofort verschwindet. Es ist eine Black- card ohne Limit.“ Ich hatte gehofft, sie damit zu überzeugen. Fehlanzeige.

Was wäre mein Gefahrenmagnet, wenn die Lösung so leicht wäre
, dachte ich sauer.

„Ihr werdet sie nicht anrühren", knurrte ich leise und einer der Messerträger und der dritte Pistolenträger schauderten vor Angst, obwohl sie nicht recht verstanden wieso. Sie hatten Angst vor mir, obwohl sie die bewaffneten waren. Eigentlich wollten sie nur mein Geld und damit ganz schnell verschwinden.

Vielleicht sollte ich diese drei am Leben lassen…
Wo bleibt Alice nur so lange?
„Meinst du wirklich, du bist in der Lage hier irgendwelche Forderungen zu stellen?“, höhnte Schwein Nummer zwei schräg hinter mir. In seinen Gedanken konnte ich die Vorfreude auf sein Vergehen an Bella hören und mich packte die blanke Wut. Meine Sicht begann sich rot zu verfärben und ein noch lauteres Knurren entrang sich meiner Kehle.

„Geht solange ich euch noch lasse“, zischte ich. Sie begannen näher auf uns zu zulaufen. Und dann hörte ich sie endlich. Alice und Carlisle waren auf dem Weg und ich konnte ihre Gedanken hören.

Töte sie nicht Edward! Du würdest alles verlieren. Halte sie nur noch ein paar Sekunden hin! Bitte! Tu es nicht! Wir kommen!

Die Angst um Bella ließ mich auf Alice hören und ich entspannte mich wieder etwas.

„Keine Sorge Bella. Jetzt wird gleich alles gut“, murmelte ich ihr zu und zog sie fest in meine Arme. Alice und Carlisle kamen in Position. Ich kommunizierte in Vampirgeschwindigkeit und sehr, sehr leise mit ihnen.

„Die Pistolenträger zuerst. Ich nehme den Typen direkt vor mir. Ihr die Zwei anderen. Ich muss auf Bella aufpassen. Dann greift ihr euch die anderen beiden.“ Ich konnte die Zustimmung in ihren Gedanken hören und dann ging alles rasend schnell. Ich sah noch einmal grinsend in die Runde und sagte:
„Schlaft gut.“ Alice und Carlisle stürmten vor und griffen sich ihre ersten beiden Opfer. Sie schlugen sie einfach K.O. Ich drehte Bella und mich herum. Schützte sie mit meinem Körper vor den Kugeln und brachte sie auf den Boden, eine Kugel traf mich dabei im Rücken, sie drang schräg unter mein Schulterblatt. In der nächsten Sekunde rannte ich wieder auf mein Opfer zu. Er konnte noch ein zweites Mal abdrücken, bevor ich den Lauf der Pistole einfach zusammendrückte und ihn am Kragen packte. Die Kugel war ebenfalls schräg eingedrungen und saß genau hinter einer Rippe.
Kann der Typ nicht mal eine Waffe gerade halten?

Im selben Augenblick setzten Carlisle und Alice die Messerträger außer Gefecht. Ich warf ihn mit einem wütenden Knurren gegen einen Baum, an dem er bewusstlos zu Boden sackte. Bevor er unten ankam war ich schon wieder über ihm. Ich zog ihn wieder hoch und holte aus, um ihm den Kopf vom Körper zu schlagen. Meine Sicht war blutrot vor Wut. Er hatte es gewagt daran zu denken Bella zu verletzen. Ich wollte Bella nicht noch einmal verlieren, weder durch einen Vampir noch durch einen Menschen. Ich konnte sie nicht noch einmal verlieren, denn ich würde es nicht überstehen. Der Schmerz des Verlustes, den ich durchlitten hatte war mir wieder gegenwärtig, versuchte mich in den Wahn zu treiben und schaffte es auch fast. Ich wollte all meinen erlittenen Kummer und die durchlebte Trauer zusammen mit seinem Leben auslöschen.

„Edward. Nicht!“, hörte ich Carlisle und Alice im Chor. Das war seine Rettung, denn Dank den Beiden fand ich mich wieder. Meine Hand hatte im letzten Moment vor seinem Gesicht gestoppt.

Bella
, war mein einziger Gedanke. Ich ließ den Mann fallen und war im nächsten Augenblick wieder bei ihr.

„Bella bist du verletzt? Geht es dir gut? Sag doch etwas.“ Sie sah nur geschockt zu mir hoch. Ich wollte sie berühren, nachsehen, ob sie verletzt war, doch die Angst in ihrem Gesicht ließ mich inne halten.

„Ich weiß, dass hat dir bestimmt Angst gemacht, aber du bist jetzt in Sicherheit. Wir werden dir nicht wehtun. Ich könnte dich niemals verletzen, dass weißt du doch“, flüsterte ich beruhigend auf sie ein und berührte vorsichtig ihre Wange.
„Sag mir Liebes, bist du verletzt? Tut dir etwas weh? Bitte sag etwas!“ Erschrocken blickte sie an mir herunter. Dann schnellten ihre Hände plötzlich vor und drückten auf meine Brust.
„Oh Gott! Ruft einen Krankenwagen!“, schrie sie hysterisch.
„Sie haben Edward erwischt! Tut doch etwas!“ Ihre Hände drückten fest auf das Einschussloch in meiner Brust.
Nach allem was sie gerade gesehen hat ist das ihre einzige Sorge?
, fragte sich Alice.
Die Einschüsse taten weh, aber nicht sehr dolle. Bluten konnte ich nicht wirklich, aber die Kugeln steckten fest. Sie saßen auf jeden Fall nicht sehr tief, aber ich spürte, wie sich die Wunden zu schließen begannen. Carlisle musste sie möglichst schnell herausholen, doch auch das war erst einmal Nebensache. Bella war hysterisch. Ich nahm ihre Hände in die meinen.
„Beruhige dich Bella! Es geht mir gut. Ich werde nicht sterben. Ich habe es dir doch gesagt. Es braucht wesentlich mehr, um mich zu töten. Beruhige dich.“

„Er hat auf dich geschossen! Zweimal!“

„Sie ist hysterisch. Vielleicht solltest du ihr eine Ohrfeige geben“, sagte Alice ruhig. Ich warf ihr einen drohenden Blick zu.

„Bella sieh genau hin. Es geht mir gut!“ Ich umfasste ihr Gesicht mit beiden Händen und zwang sie mir in die Augen zu sehen. Ich konnte die Panik darin sehen, als sie leise trocken schluchzte. Ihre Hände lagen wieder auf meiner Wunde sobald ich sie losgelassen hatte und drückten fest darauf. Carlisle hatte in der Zwischenzeit den Gangmitgliedern je eine Spritze mit ziemlich starken Drogen verpasst. Sie würden nicht so schnell aufwachen. Alice sollte sie zum nächsten Polizeirevier bringen und vor die Tür legen. Sie warf Carlisle meine Brieftasche zu und fing mit ihrer Arbeit an.

„Wenn du noch mal dein Handy irgendwo rum liegen lässt werde ich dir übrigens den Kopf abreißen, Brüderchen!“ Ich lächelte.

„Sieh genau hin Bella. Es geht mir gut. Siehst du, ich blute nicht einmal.“ Ich riss mein Hemd mit einer Hand auf, um es ihr zu zeigen. Das Hemd und der Anzug waren sowieso hin. Alice würde mir deswegen später noch die Hölle heiß machen. Die Wunde sah merkwürdig aus, ein nicht blutendes kleines Loch.

„Siehst du.“ murmelte ich und zwang sie wieder mir in die Augen zu sehen.

„Und jetzt sag mir bitte, ob dir etwas weh tut, bevor ich noch irre werde.“
Tränen traten in ihre Augen und sie schüttelte den Kopf.
„Es geht mir gut.“

„Nicht weinen Bella bitte!“, flüsterte ich hilflos und zog sie in meine Arme. Meine Schulter protestierte dabei etwas, doch ich ignorierte es.

Ich hab schon wesentlich Schlimmeres durch gemacht…

„Bitte weine nicht, dass ertrage ich nicht. Es geht mir gut und wir sind jetzt in Sicherheit. Dir kann nichts passieren.“

„Und es tut dir nicht weh?“, schniefte sie. Ich lachte leise und meine Rippe beschwerte sich darüber.

„Sie macht sich nur Sorgen um mich. Ist sie nicht wahnsinnig mutig Carlisle? Ist sie nicht unglaublich?“

„Ja ist sie. Wir sollten jetzt aber schnell nach Hause. Ich muss die Kugeln raus holen und außerdem könnte es sein, dass jemand die Schüsse gehört und die Polizei verständigt hat“, antwortete er nervös in geschäftigem Ton. Ich nickte und hob Bella auf meine Arme, um sie zum Auto zu tragen.

„Was soll das denn?“, fragte sie erschrocken. „Setz mich sofort ab! Du bist verletzt.“

„Halte einfach still“, hauchte ich in ihre Haare, ich konnte sie einfach noch nicht loslassen, der Schock saß noch zu tief.
Fast hätte ich dich schon wieder verloren. Warum nur immer du?
Vor dem Auto setzte ich sie ab und öffnete die Beifahrertür. Ich warf den Schlüssel über meine Schulter. Carlisle fing ihn auf und setzte sich hinter das Steuer. Alice würde laufen müssen. Bella saß auf meinem Schoß. Die Typen wurden bereits alle gesucht und so hatte es gereicht, sie vor dem Polizeirevier einfach abzuladen. Die Drogen würden jede Aussage unglaubwürdig machen.
Ich zog Bella wieder an meine Brust. Ich war so erleichtert, dass sie nicht verletzt war. Nach einer Weile löste sie sich aus meiner Umarmung und sah mich nachdenklich an.
„Das läuft irgendwie verkehrt herum. Du wurdest angeschossen, ich sollte dich trösten“, murmelte sie. Grinsend legte ich meinen Kopf auf ihre Schulter. Sie streichelte meine Haare und fragte immer wieder, ob es sehr wehtun würde.
„Ich denke mal, du hast jetzt viele Fragen“, wisperte ich.

„Die können warten, bis es dir wieder gut geht“, antwortet sie und küsste zärtlich meine Stirn. Ihre Hände lagen auf meinen Wangen, als sie tief und vorwurfsvoll in meine Augen sah.

„Du hast mir Angst eingejagt.“ Ich lächelte entschuldigend.

„Es war bestimmt schockierend, dass ich mich so schnell bewegt habe und dass ich diesen Typen fast…“ Ich unterbrach mich selbst, denn Bella sah mich unverständlich an.

„Ich meinte eigentlich, dass du Kugelschutz für mich spielst und mir vorher nicht sagst, dass du kugelsicher bist. Ich dachte, du stirbst vor meinen Augen. Tu so was nie wieder. Hörst du!“ Ich grinste sie an.

„Versprochen.“ Carlisle keuchte überrascht.

Wie kann sie so cool bleiben? Hat sie keine Fragen? Hat sie keine Angst? Sie müsste unter Schock stehen, aber sie scheint völlig in Ordnung zu sein. Okay er hatte gesagt, er weiß, dass sie es akzeptieren würde. Aber so?!
Ohne Fragen? Einfach so?

Er warf einen Blick zu uns herüber und schüttelte mit gerunzelter Stirn verwirrt den Kopf.

Ihr seid ein sehr schönes Paar. Rosalie wird ganz schön Konkurrenz bekommen, wenn sie erst mal eine von uns ist, weißt du das? Wenn sie eine von uns wird. Es ist merkwürdig, dass sie das so einfach akzeptiert.

Ich grinste ihn an.

„Carlisle, wir sollten Bella erst einmal zu Hause abliefern, bevor wir zu uns fahren.“

„Was, nein!“, widersprach sie sofort.

„Bella, bitte. Es geht mir gut und du musst pünktlich zu Hause sein. Ich möchte nicht, dass dein Vater einen Grund findet, warum ich nicht mehr mit dir ausgehen darf. Er misstraut mir sowieso schon. Er macht sich sonst Sorgen um dich. Bitte.“

„Ich will nicht jetzt schon nach Hause. Ich will bei dir bleiben“, bat sie verzweifelt. Ich rückte mich vorsichtig in eine bequemere Position und zog sie wieder in meine Arme.

„Es gäbe da noch eine Möglichkeit, wenn du dich etwas gedulden kannst, komme ich später zu dir. Aber ich muss erst die Kugeln loswerden und ich diskutiere nicht mit dir. Du musst pünktlich zu Hause sein und du wirst sicher nicht zusehen, wie Carlisle die Patronen aus mir herausholt. Das lasse ich nicht zu.“ Bella sah fragend zu mir auf.

„Wenn du möchtest, komme ich zu dir. Lass einfach dein Fenster offen“, raunte ich in ihr Ohr. Carlisle versuchte nicht hin zu hören, um uns etwas Privatsphäre zu geben, was in dem kleinen Auto schier unmöglich war.
Und schon standen wir vor Bellas Haus. Mein Vater hatte das Pedal vollständig durchgetreten. Gut das Bella so abgelenkt gewesen war. Ich strich ihr noch einmal über die Wange und küsste ihre Schläfe.

„Du solltest deinem Vater nicht in zu hellem Licht begegnen. Du siehst etwas verweint aus. Sag am Besten einfach gute Nacht und geh ins Bett. Lässt es sich nicht verhindern reib dir die Augen und sag du bist zu müde. Vielleicht lässt er sich davon täuschen. Er darf nicht wissen, was passiert ist. Das gäbe zu viele Fragen. Er darf nicht wissen, dass wir anders sind, Bella“, sagte ich eindringlich.

„Hab ich mir gedacht“, murmelte sie. „Ich hatte nicht vor es jemandem zu erzählen.“ Daraufhin musste ich grinsen. Die gleichen Worte. Sie versprach zu schweigen, ohne genaue Informationen. Und dann gaben wir uns einem leidenschaftlichen Kuss hin, bis Carlisle sich verlegen räusperte.

„Gute Nacht“, sagte Bella verlegen. „Ich warte auf dich“, flüsterte sie mir zu und ich drückte noch einmal kurz meine Lippen auf die ihren.

„Ich komme so schnell ich kann zu dir“, versprach ich. Dann stieg sie aus und ging zur Tür. Kaum waren wir um die Ecke stöhnte ich und ließ mich tiefer in den Sitz fallen.

„Die wieder raus zu kriegen wird bestimmt sehr schmerzhaft.“

„Darauf möchte ich wetten“, antwortete Carlisle nur und trat aufs Gaspedal.
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19

Wednesday, August 5th 2009, 7:02pm

Kapitel 18

Besuch vom Violinenspieler


Ich schleppte mich alleine durch die Haustür während Carlisle den Küchentisch frei machte und das „Spezialbesteck“ holte. Es war aus Diamanten geschliffen und war unglaublich wertvoll. Es war natürlich nur für uns gedacht und nicht für seine reguläre Arbeit. Wir hatten es bisher noch nie benutzt. Er hatte aber immer mindestens eines dabei, seit einmal ein Nomade mit Schusswunden bei uns aufgetaucht war. Er hatte ihm nicht helfen können, weil kein Messer scharf genug war und die Kugeln blieben so in seinem Körper. Er hatte Carlisle einige Jahre später berichtet, dass er sie nicht mehr spüren könne und dass sie sich scheinbar aufgelöst hatten und irgendwie aus dem Körper transportiert wurden. Dieser Prozess war aber ziemlich langwierig und schmerzhaft gewesen. Als erstes sah er sich beide Einschüsse an und beschloss dann als erstes die aus der Schulter heraus zu holen. Esme stand trocken schluchzend neben mir und bestand darauf meine Hand zu halten.

„Mom, es geht mir gut. Es tut nicht sehr weh. Wirklich. Bitte beruhige dich!“
„Wenigstens ist Bella wohl auf.“ Alice hatte ihr und Jasper schnell berichtet, was passiert war. Sie war durch unseren Umweg fast gleichzeitig mit uns angekommen. Ich lag auf dem Tisch und Carlisle schnitt die Einschussstelle etwas mehr auf, bevor er begann mit einer Pinzette darin herum zu bohren.
„Dad“, zischte ich. „Ich bin zwar unsterblich, aber Schmerz fühle ich trotzdem!“ Er zuckte nur gleichgültig mit den Schultern.

„Wenn du sie mich gleich hättest raus holen lassen… Selbst Schuld und jetzt halte bitte still. Sie ist schon eingekapselt.“ Alice meldete sich nun zu Wort.

„Weißt du, ich würde glatt sagen geschieht dir ganz recht, du hast den schönen Anzug ruiniert, aber du hast damit Bella gerettet und deshalb vergebe ich dir noch mal.“ Ich musste trotz der Schmerzen lachen.

„Ach komm! Jetzt hast du noch eine Ausrede, um einkaufen zu gehen. Kauf mir einfach ’nen neuen und lass mich in Frieden.“ Sie kicherte.

„Na wenn du mich so liebevoll bittest…“

„Ihr hattet wohl wieder den ganzen Spaß alleine?“ Emmett kam zu uns und blickte mich skeptisch an. „Kommst in die Jahre was? Erst brauchst du ewig um dich an zu ziehen und jetzt kannst du nicht mal mehr einer Pistolenkugel ausweichen. Traurig.“

„Falsch Emmett. Ich habe gar nicht erst versucht auszuweichen.“

„Also sind wir schon bei Alzheimer… Oh weh.“ Jasper kicherte.

„Wie hat Bella die Aktion denn eigentlich aufgenommen? Oder hast du ihr vorher gesagt was wir sind?“

„Ich war gerade dabei, als sie uns überraschten. Ich war zu sehr in Gedanken, um sie zu bemerken. Sie hat es ziemlich gut aufgenommen. Ich habe ihr versprochen ihr ihre Fragen nachher noch zu beantworten.“

„Ich weiß nicht ob das eine so gute Idee ist. Du solltest heute bestimmt nicht mehr durch irgendwelche Fenster klettern. Du solltest lieber eine Zeit lang ruhig liegen.“

„Das hättest du vorhin sagen sollen, Dad. Ich hab es ihr versprochen.“

„Sag mal, Edward, was hat Bella eigentlich gedacht, als sie uns so hat flitzen sehen?“, fragte Alice plötzlich und ich fing an zu lachen.

„Keine Ahnug.“

„Du lässt ganz schön nach. Bro’ “, fiel Jasper ein. Ich räusperte mich.

„Ehm hab ich das noch nicht erwähnt? Ich kann Bellas Gedanken nicht hören. Niemals. Sie hat ein mentales Schild, das hat sie von ihrem Vater, glaube ich. Ihn kann ich immer nur sehr schlecht verstehen.“ Alle sahen mich verdutzt an. Alice war sauer.

„Das hast du mir nicht erzählt. Hast du mir noch mehr verschwiegen?“

„Hey ich kann doch nicht an alles denken! War nicht absichtlich.“ Ich legte mich auf den Rücke und Carlisle arbeitete sich an die Kugel hinter meiner Rippe heran.

„Sie hat wirklich ziemlich cool reagiert. Ich war darüber etwas geschockt“, begann Carlisle. „Jetzt wo sie es weiß, sollten wir unseren kleinen Romtrip vielleicht etwas verschieben.“ Ich sah ihn verdutzt an.

„Wieso? Ich sagte doch, macht euch keine Sorgen. Es wird schon alles gut gehen. Fahrt ruhig. Allerdings möchte ich dich um einen kleinen Gefallen bitten. Erzähle den Volturi nicht von uns. Und schon gar nicht von unseren Talenten.“ Carlisle sah mich verwirrt an.

„Wieso? Ich meine ich hatte es eh nicht vor aber wieso soll ich das lassen?“ Alice zog scharf die Luft ein. Ich warf ihr einen warnenden Blick zu.

„Sagen wir mal, ich weiß, dass das zu Problemen führen könnte, belassen wir es einfach dabei. Sie sollten nichts von uns wissen. Also gib Aro nicht die Hand und erzähl ihm nicht von uns. Esme natürlich auch nicht.“ Carlisle sah mich an als wollte er missmutig knurren.

Immer diese Ausreden! Ich will wissen was hier los ist, Edward. Ich will eine Erklärung!

„Die bekommst du, Dad, aber noch nicht gleich. Vertrau mir bitte noch dieses eine Mal.“ Er schnauft kurz und nickte dann.

„Fein! Du wolltest mir noch ’nen Brief mitgeben. Vergiss das bitte nicht“, knurrte er verärgert. Ich nickte.

„Oh!“, machte Alice plötzlich. „Wir bekommen Besuch. Ich kenne ihn nicht.“

Wieso kann ich ihn erst jetzt sehen? Das ist merkwürdig. Als ob er überlegt hat, ob er wirklich herkommen soll, bis er direkt vor der Tür gestanden hat. Was hat das zu bedeuten?

Ich konnte ihn in ihrer Vision sehen und grinste.

„Ich schon. Sein Name ist Tempes.“ Es klingelte an der Tür.
„Komm rein!“, rief ich und Carlisle zog mit einem Ruck die Kugel aus meiner Brust. „Aua, Dad!“ Er klebte einen kleinen Verband über die Wunde.
„Du solltest dich heute noch schonen. Sprich morgen mit Bella.“ Und dann trat er zögernd in die Küche und ich setzte mich auf, um ihn zu begrüßen: „Hallo Tempes! Mensch lange nicht gesehen. Wie geht es dir?“ Er sah mich fragend an.

„Ehm gut.“ Er zögerte leicht. „Edward.“ Es klang ein bisschen wie eine Frage und nicht wie eine Begrüßung.

„Ich nehme an, du hast meinen Brief bekommen“, grinste ich ihn an. Das war etwas verwirrend, aber mein Verstand hatte sofort geschaltet, als Alice ihn gesehen hatte. Seine Fähigkeit musste man genauso handhaben wie die ihre. In dem Moment, wo die Entscheidung gefallen war, das Carlisle den Brief überbringen würde, wurde die Aktion überflüssig.

Dabei habe ich mir solche Mühe mit dem Brief gegeben…

Er sah erleichtert aus und nickte.

„Ich möchte ja nicht unhöflich sein, aber ich müsste dringend mal mit dir unter vier Augen sprechen. Geht das?“

Ich frage mich wirklich was ich hier soll. Die sehen zwar alle ganz nett aus, aber ich weiß nicht was ich hier machen soll. Scheinbar hat er damit gerechnet, dass ich nicht weiß wer er ist, also weiß er wirklich von meiner Gabe. Komischer Brief war das ja schon. Ganz gut, dass ich her gekommen bin, bevor er ihn abschicken konnte, nicht das den noch einer in die Hände bekommt…

Ich grinste ihn breit an. Ich schuldete ihm soviel.

„Darf ich dir erst mal unsere Familie vorstellen?“
Hat er das unsere gehört?

Ich machte ihn mit allen bekannt und er gab jedem die Hand. „Und irgendwo läuft hier noch so eine ganz hübsche Blondine herum. Das ist Rosalie, sie gehört zu Emmett. Tempes ist auch ein Vegetarier und er ist um Meilen besser darin als wir, muss ich hinzufügen. Aber wir haben ja Zeit uns richtig kennen zu lernen. Ich denke erst einmal muss ich mich alleine mit ihm unterhalten. Wollen wir in mein Zimmer gehen? Wir haben uns viel zu erzählen.“ Er nickte verwirrt. Carlisle sah mich neugierig an.

Wer ist das und was will er hier? Ist das der Tempes, dem ich den Brief geben sollte?

„Ja, Dad. Hat sich also erledigt. Ich lege mich oben solange auf mein Sofa. Dann kann ich ja danach zu Bella, nehme ich an.“

„Ich glaube ja nicht, dass ich dich davon abhalten kann, also bitte bleib solange still liegen wie möglich. Wir lassen euch etwas Privatsphäre, wenn du möchtest.“ Ich nickte ihm zu.

„Folge mir unauffällig!“, lachte ich und ging vor in mein Zimmer, wo ich mich auf mein Sofa warf und ihn eine Weile nur ansah, während die Musik aus meiner Anlage dröhnte.

„Wir sollten uns vielleicht einen Ort suchen, wo wir nicht belauscht werden können“, begann er.

„Wir sind hier abhörsicher. Meine Familie lauscht nicht, selbst wenn es ihnen möglich wäre. Ich kann Gedanken lesen, deshalb könnten sie sich nicht anschleichen, selbst wenn sie es wollten. Aber das ist eh nicht nötig. Wir vertrauen einander und deshalb hoffe ich sehr, dass ich ihnen bald erzählen kann, was du kannst und was du für uns getan hast. Ich hoffe, dass du ihnen auch bald traust. Genauso, wie du mir vertraut hast.“ Eine Weile sah er mich mit seinen schwarzen Augen nur nachdenklich an.

Du kannst Gedanken lesen?

Ich nickte nur. Er setzte sich vor mich auf den Fußboden und verschränkte die Beine im Schneidersitz. Er trug wieder ein schwarzes Hemd, Lederjacke und Jeans.

Und was genau habe ich für euch getan? Ich habe dich zurück geschickt, nehme ich an.

Ich nickte wieder.

Ich wusste nicht, dass ich das auch mit anderen machen kann. Interessant. Wie weit?

„Etwas über zwei Jahre.“

Wieso?

„Die Volturi haben meine gesamte Familie zerstört, weil sie Akquirieren wollten und wir nicht mitspielen wollten.“

Dich?

„Vor allem meine Schwester Alice und mich. Jasper hat ebenfalls eine seltene Gabe. Dazu später.“

Du scheinst ja öfter in Schwierigkeiten zu stecken. Wie ist das denn passiert?
Er blickte auf meine Brust.
„Ich musste meine Freundin vor einer Straßengang beschützen. Sie gerät leider öfter in solche Schwierigkeiten.“ Ich seufzte entnervt. Er runzelte nur kurz die Stirn, weil er meine Aussage merkwürdig fand.

Von welcher Rechnung hast du gesprochen?

„Ich habe dir versprochen, dass du ein Teil unserer Familie werden kannst. Also: herzlich willkommen Onkel T.“ Ich grinste ihn übermütig an.
„Na ja, Opa wäre wohl besser. 5000 Jahre – ich meine… Wow. Du solltest deinen Namen übrigens mal wieder ändern. Er ist ein bisschen auffällig und ich finde die Anspielung zu deiner Gabe ja ganz witzig, aber irgendwie passt der Name nicht so recht zu dir.“ Tempes fing an zu lachen.
Oh man du weißt ja echt ne Menge über mich! Ich habe noch einen zweiten Vornamen. Ich könnte ihn mal wieder verwenden. Ich wechsle gerne mal. Aber ich bin verwirrt. Das war meine Bedingung? Ich wollte ein Teil deines Coven werden? Ich kann es gar nicht glauben. Wieso?

„Du hast mir von Godolewa erzählt, weil du mich in Tränen aufgelöst im Kerker gefunden hast. Du wolltest meiner Familie beitreten - Keinem Coven. Wir sehen uns nicht als solchen. Das ist der Grund, warum du mir geholfen hast. Du hast gesehen, dass wir anders sind. Du hast mir gesagt, dass du dich alleine fühlst. Ich biete dir also hiermit an, bei uns zu bleiben. Du solltest uns allerdings auch dein Vertrauen schenken. Wir haben keine Geheimnisse, weil es bei uns nicht möglich ist. Alice kann in die Zukunft sehen und Jasper kann Emotionen spüren und beeinflussen. Wir teilen alles und deshalb solltest du ihnen auch von deiner Gabe berichten. Ich habe dein Geheimnis bisher gewahrt, weil ich es dir versprochen habe und weil wir alle tief in deiner Schuld stehen. Aber wenn du bleiben willst, solltest du uns vertrauen, genauso, wie wir dir vertrauen werden. Denk darüber nach.“

„Hm. Das ist ziemlich viel. So viele Begabte in einem Coven, ich meine in einer Familie. Kein Wunder, dass die Volturi neidisch wurden. Ich nehme mal an Aro war die treibende Kraft dahinter.“ Ich nickte nur.

„Du hast gesagt, du hattest Tränen? Wegen dem Verlust deiner Familie?“

„Und wegen dem Verlust von Bella. Sie ist derzeit noch ein Mensch, aber sie gehört zu mir. Wir mussten mich soweit zurück schicken. Wenn du dich entscheiden solltest, hier zu bleiben und den anderen von deiner Gabe zu erzählen, dann berichte ich gerne allen zusammen die ganze Geschichte.
Du kannst gerne erst einmal mein Zimmer haben, bis wir dir eines eingerichtet haben. Ich brauche nur ab und zu meinen Kleiderschrank. Ich bin sowieso die meiste Zeit bei Bella oder sitze am Klavier. Du kannst dich auch gerne an meinem Kleiderschrank bedienen, bis Alice dir einen eingerichtet hat. Und da würde ich nicht mit ihr diskutieren. Sie übernimmt das Einkleiden für die gesamte Familie und sie würde es dir übel nehmen, wenn du ihr diesen Spaß nicht gönnst.“ Ich lachte wieder beim Gedanken an eine solche Diskussion.
„Danke Edward. Ich denke, ich werde dein Angebot erst einmal annehmen und mir deine Familie ansehen und ich denke, wir sollten sie erst einmal fragen, ob sie mich überhaupt hier haben wollen.“ Ich grinste.

„Das dürfte kein Problem sein, solange du zu keinem wirst. Rosalie kann sehr zickig sein. Ich will dich nur vorwarnen. Wenn dich jemand fragt sagst du einfach, du bist ein Cousin von Carlisle. Wir können uns hier relativ frei bewegen, aber wir dürfen nicht in das Reservat der Quileute. Lass dir die Grenze am besten ganz schnell von einem aus der Familie zeigen. Wir haben einen Vertrag mit den Formwandlern, die dort leben.“

„Formwandler?“, unterbrach er mich verwirrt.

„Das kann ich dir später genau erzählen. Sie halten sich für Werwölfe und sind fähig einen Vampir zu töten. Halte dich von ihnen fern. Sieh dich ruhig im Haus um, unterhalte dich mit den anderen, aber wundere dich nicht, ich musste meiner Schwester Alice aus logischen Gründen etwas mehr erzählen als den anderen. Es könnte sein, dass sie drauf kommt, dass du mir geholfen hast. Das sind erst einmal die grundsätzlichen Spielregeln.“ Ich zögerte kurz. „Ich möchte dir noch etwas sagen. Du bist nicht wegen deinem Talent hier. Ich habe dir den Brief nicht einfach wegen dem geschickt, was du kannst. Ich möchte dich hier haben, weil ich dich mag. Du hast die richtige Einstellung zu Richtig und Falsch. Ich denke, dass wir noch viel von dir lernen können und du bist mir einfach sympathisch. Außerdem“ Ich grinste. „wird Emmett es lieben sich mit dir zu raufen. Carlisle könnte einen besten Freund gebrauchen. Er hat seine Frau und uns als seine Kinder, auch wenn er uns nicht immer so sieht, so fehlt ihm doch ein Kumpel, ein Vertrauter. Vielleicht könntest du diese Lücke füllen. Ich denke, du würdest gut zu uns passen und dass sie dich mögen werden.“

„Danke Edward, es ist nett von dir, dass zu sagen. Okay. Du spielst also Klavier, ja?“ Ich lachte, als ich ihn in Gedanken mit einer Violine neben mir am Klavier spielen sah.

„Carlisle und Rosalie spielen auch. Wir können bald ein Orchester gründen!“

„Mein zweiter Vorname ist übrigens Raik.“

„Raik. Gefällt mir. Okay Onkel Raik. Machen wir dich mal mit deinem neuen Cousin bekannt!“
Carlisle und Esme saßen draußen im Garten und unterhielten sich Händchen haltend über ihren Kurztrip. Sie hatten nun doch beschlossen nach Paris zu fliegen, man konnte dort einfach besser einkaufen. Ich stellte sie einander vor und es dauerte nicht lange, bis Raik und Carlisle in ein Gespräch über seinen Job vertieft waren. Erleichtert stellte ich fest, dass Raik schon nach wenigen Minuten darüber nachdachte den beiden von seiner Gabe zu erzählen, aber er war sich noch nicht sicher.
„Ich werde mich auf den Weg zu Bella machen. Sie schläft zwar bestimmt schon, aber ich habe es ihr versprochen. Raik: Warte damit, bis ich Zeit habe, ihnen auch meinen Teil der Geschichte zu erzählen. Ja?“ Verblufft sah er mich an und fing dann an zu lachen.

„Einen Gedankenleser in der Nähe zu haben ist merkwürdig. Ich muss mich wohl daran gewöhnen. Na ja, das heißt, wenn ich hier willkommen bin und eine Weile bleiben darf.“ Esme sah ihn strahlend an.

„Aber natürlich! Wir haben gerne Gäste, solange sie sich benehmen können. Wir haben viel mit den Menschen hier zu tun.“

„Wir hoffen du verstehst das, aber wenn du eh Vegetarier bist, dürfte das ja kein Problem darstellen. Du siehst durstig aus. Wir könnten dir die Grenzen unseres Jagdgebietes zeigen, wenn du möchtest gehen wir zusammen jagen“, fügte Carlisle mit einem Blick in seine schwarzen Augen hinzu. Ich verabschiedete mich und hörte noch hinter mir, wie sie übereinkamen gleich aufzubrechen.
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20

Wednesday, August 5th 2009, 10:42pm

Kapitel 19

Die Wahrheit


Bellas Fenster war noch immer offen, doch dahinter war es dunkel.
Ich kletterte hindurch und sah auf sie herunter. Sie saß auf dem Bett, die Knie angezogen und die Arme darauf verschränkt. Ihr Kopf ruhte darauf und sie schlief. Ich horchte. Im Haus war es still, denn Charlie schlief ebenfalls. Ich schloss das Fenster und drehte die Heizung ein Stück höher. Danach holte ich ihr noch eine zusätzliche Decke und schob vorsichtig meine Arme unter Bellas Körper. Ich wollte sie bequemer hinlegen und dafür sorgen, dass sie es warm hatte, denn es war ziemlich kühl im Zimmer. Sie öffnete die Augen und sah mich mit einem müden Lächeln an.
„Hallo Edward. Ich bin wohl beim warten eingeschlafen.“

„Es tut mir leid, Bella. Ich hätte nicht gedacht, dass es so lange dauert. Schlaf erst einmal, wir können morgen noch reden.“ Sie schüttelte widerwillig den Kopf und ihre noch feuchten Haare streiften meine Hand. Sie kuschelte sich in meine Arme und ich legte mich zu ihr auf das schmale Bett.

„Geh nicht!“

„Das hatte ich gar nicht vor, aber ich denke, du solltest erst mal etwas schlafen. Ich bleibe hier und du kannst mir morgen früh Löcher in den Bauch fragen, soviel du willst.“
Okay das klang jetzt komisch…

„Wie geht es dir? Die Kugeln sind raus?“, fragte sie mit einem ängstlichen und besorgten Ton. Ich nickte.

„Ja sind sie.“ Sie strich vorsichtig über meine Brust, bis sie den kleinen Verband unter meinem weißen Hemd spüren konnte.

„Tut es noch sehr weh?“

„Nein. Alice hat mich allerdings furchtbar ausgeschimpft, weil ich meinen Anzug ruiniert habe“, wisperte ich ihr zu, um das Ganze etwas ins Lächerliche zu ziehen, denn ich wollte nicht, dass sie sich weiter Sorgen machte.

„Die war für mich bestimmt. Habe ich mich eigentlich schon bedankt?“

„Das brauchst du nicht, Bella. Ich bin nämlich eigentlich sehr egoistisch. Du bist mein Leben. Da ist es doch nur logisch, dass ich dich beschütze. Ich könnte es nicht ertragen, dich zu verlieren. Ich würde daran zu Grunde gehen.“
Bella schlang ihre Arme um meinen Nacken und zog mein Gesicht zu ihrem hinunter, um mich zu küssen. Eine ganze Weile später beendete ich den Kuss schwer atmend und zog Bella fest an meine Brust. Die zweite Decke über uns drapiert, summte ich ihr, ihr Schlaflied und sie schlief schnell ein. Sie war viel zu erschöpft, um mit mir zu diskutieren. Bella hatte Alpträume und mir tat jedes Mal das Herz weh, wenn sie entsetzt meinen Namen sagte. Sie träumte davon, dass auf mich geschossen wurde und ich es nicht überlebte. Ich redete beruhigend auf sie ein, als sie einmal sogar begann leise zu schluchzen, weckte ich sie leicht und sagte ihr, dass ich bei ihr sei und dass es mir gut ging. Danach wurde sie ruhiger und schlief traumlos. Ich dachte über das Geschehene nach und musste missmutig feststellen, dass Bella immer noch nicht die ganze Wahrheit wusste.
Ich sollte es endlich hinter mich bringen und ihr sagen, dass ich ein Vampir bin.
Am nächsten Morgen ließ ich Bella ausschlafen. Sie lag quer über meiner Brust und seufzte immer wieder im Schlaf und dann war sie schlagartig wach. Verblufft sah sie mich mit aufgerissenen Augen an.

„Edward. Du bist hier.“ Und dann sah ich die Erkenntnis in ihren Augen blitzen.

„Das habe ich doch versprochen.“ Ich beugte mich über sie und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. „Willst du erst ins Bad und etwas essen, oder willst du mich gleich ausfragen?“ Ich grinste sie an. Sie dachte kurz nach und beschloss dann kurz im Badezimmer zu verschwinden. Ich wartete auf sie. Sie kam nur wenige Minuten später frisch gekämmt zurück und hatte sich die Zähne geputzt. Ich lag noch immer auf ihrem Bett und hatte die Arme hinter dem Kopf verschränkt, während ich sie betrachtete. Sie trug ihr altes Schlafshirt und Shorts.

Bei Gott, wie kann sie in so einem Fetzen nur so sexy aussehen?

Sie setzte sich zu mir und strich mir sanft über die Wange.

„Wie geht es den Verletzungen?“

„Schon verheilt, denke ich. Ich kann sie nicht mehr spüren.“

„Das ging ja schnell.“ Ich grinste sie an.

„Ich sagte dir doch, du sollst dir keine Sorgen machen.“

„Wieso haben sie nicht einfach das Geld genommen und sind gegangen?“ Ich knirschte mit den Zähnen.

„Weil sie dich wollten, Bella, das ist auch der Grund, warum ich gestern fast die Beherrschung verloren hätte. Ich wollte ihnen die Köpfe abreißen, für die schändlichen Gedanken die sie hatten. Ich werde niemals zulassen, dass dir jemand wehtut!“

„Du wolltest ihnen die Köpfe abreißen, für ihre Gedanken? Woher willst du wissen, dass sie mir etwas antun wollten?“ Ich seufzte.

Wie bringe ich ihr das alles nur schonend bei? Okay. Einfach gerade raus.

„Wir sind nicht nur fast unverwundbar, sehr schnell und stark, wir können auch sehr gut hören und wir haben einen ausgesprochen ausgeprägten Geruchssinn. Das ist normal für unsere Art. Ich habe überdies allerdings noch ein zusätzliches Talent. Ich kann die Gedanken aller um mich herum hören, Bella.“ Ich hörte wie sie die Luft einzog. „Ich kann alle um mich herum hören, alle außer dir. Du bist die einzige Ausnahme.“ Ich sah ihr tief in die Augen und strich ihr sanft mit den Fingerspitzen über die Wange.

„Alle außer mir? Wieso? Stimmt etwas nicht mit mir?“ Ich musste lachen.
Das kam einem anderen Gespräch zu nahe! Aber diesmal hatte ich die richtige Antwort parat.
„Du bist begabt! Du hast eine Art mentales Schutzschild. Das ist sehr, sehr selten. Es scheint irgendwie genetisch zu sein. Deinen Vater kann ich immer nur sehr schlecht verstehen, aber ich kann ihn hören. Dich dagegen- nichts- kein einziger Gedanke! Das macht es für mich immer wieder spannend mich mit dir zu unterhalten und gleichzeitig frustriert es mich über alle Maßen.“ Ich grinste sie breit an. „Scheinbar hat das Schicksal dich extra und nur für mich kreiert. Wer sonst könnte es aushalten, mit einem Gedankenleser zusammen zu sein?“ Sie kuschelte sich in meine Arme und lachte leise mit mir.

„Also wollten sie mich und du wurdest deswegen angeschossen.“ Sie seufzte tief. „Es tut mir leid.“

„Nein, Bella. Mir tut es leid, wenn ich mich besser konzentriert hätte, wäre es gar nicht so weit gekommen.“

„Woher wusste Alice, dass wir Hilfe brauchen?“

„Auch sie ist zusätzlich begabt. Sie kann die Zukunft sehen, deshalb wusste sie, dass wir in Schwierigkeiten geraten würden. Sie hat auch versucht mich zu warnen, wenn ich mein Handy nicht im Auto gelassen hätte, dann wäre das alles nicht passiert.“

„Hm wow.“ Bella sagte eine Weile nichts und ich wurde nervös. Ihr Herzschlag war gleichmäßig, doch sie war so still.

„Sag mir bitte was du denkst“, bat ich sie mit zittriger Stimme.

„Ich versuche meine Gedanken zu sortieren. Das ist ziemlich heftig. Gib mir einen Moment.“ Wir schwiegen wieder und ich streichelte ihr sanft über den Rücken. Ich wusste, dass ich es ihr immer noch nicht gesagt hatte. Das Wichtigste wusste sie nicht und ich hatte Angst davor es ihr zu sagen.
„Also habe ich mich in einen Unsterblichen verliebt“, murmelte sie und richtete sich auf, um mich anzusehen. „Also bist du ein Unsterblicher, so ähnlich wie in „Highlander“?“ Ich zuckte zusammen.
Jetzt muss es sein.
Ich schluckte hart.

„Nein. Eher so wie in… Bram Stocker’s Dracula“, flüsterte ich und sah auf meine Finger. Es dauerte einen Moment, dann sog Bella scharf die Luft ein.

„Soll das heißen…?“ Ich sah auf als sie ihre Hände hob und sie sich erschrocken an den Hals legte. Panik lag in ihrem Blick, als sie sich aufsetzte, auch ich schnellte hoch; ich wollte ihre Hände in meine nehmen, sie beruhigen. Zu unbedacht war diese Handlung, denn damit erschreckte ich sie noch mehr.
„Du brauchst keine Angst haben! Ich schwöre dir bei allem was mir heilig ist, ich würde dir nie wehtun! Wir trinken kein Menschenblut, sondern ernähren uns nur von Tierblut.“
„Der spezielle Ernährungsplan…“, keuchte sie und wurde ungesund blass.
Und dann geschah das, wovor ich mich immer so gefürchtet hatte. Bella sprang hastig vom Bett, stolperte fast und rannte zur Tür. Ich konnte das Brechen meines Herzens fast hören. Die Leere in meiner Brust riss auf und erfüllte meinen Brustkorb mit einem flüssigen Schatten, der sich durch meinen ganzen Körper zu schwemmen drohte. „Du ernährst dich von Blut? Du bist ein… ein…“
„Ich bin ein Vampir“, flüsterte ich und ich konnte den Schmerz in mir fühlen. Diesmal würde alles anders laufen, das hatte ich mir wenige Tage zuvor noch gewünscht, doch in diesem Moment klang dieser Wunsch sauer und höhnisch. Bella würde es diesmal nicht einfach so akzeptieren.

„Oh mein Gott. Wo bin ich da nur rein geraten? Ich kann das nicht, Edward. Das ist zu viel. Ich kann das nicht!“, rief sie schockiert. Ich stand ganz langsam auf und sah sie traurig an. Sie trat noch einen weiteren Schritt zurück und stieß mit dem Rücken gegen die Tür. Eine Hand lag immer noch an ihrem Hals, die andere auf ihrem Herzen. Es klopfte vor Panik laut und unregelmäßig. Bella hatte Angst vor mir und mir zerrieb es das Herz. Ich spürte wieder, wie mir eine Träne über die Wange lief. Eine Mischung aus Entsetzen und Trauer lag auf ihrem hübschen Gesicht. Sie fürchtete das Monster in mir und wollte am liebsten vor mir fliehen. Mein persönlicher Alptraum wurde Wirklichkeit.

Bella wollte mich nicht.

Mein rücksichtsloser Engel nahm mir genau dann alles, was ich liebe, als ich endlich akzeptiert hatte, dass es zu mir gehörte – in dem Moment, in dem ich mein Schicksal angenommen hatte, wurde es mir entrissen. Ich versuchte einen Rest Stolz zu retten und drückte meinen Rücken durch; ich war dankbar, dass meine Stimme nicht brach.

„Ich werde deine Entscheidung natürlich akzeptieren und dich nicht mehr belästigen. Ich möchte nur, dass du eines weißt: Ich liebe dich und ich werde dich für den Rest meiner Existenz lieben Bella. Ich werde immer auf dich warten.“ Ich ging langsam in Richtung Fenster, was mir schwer fiel. Am liebsten wäre ich gerannt, doch das hätte sie noch mehr erschreckt und das wollte ich nicht. Ich sprang nach einem letzten Blick zu ihr hinaus.

Das war es also.
Es würde nie ein uns geben, niemals ein wir.
Das war unser Ende.
Ich begann zu rennen und versuchte nicht zu denken, meine Umgebung nicht mehr wahr zu nehmen. Meine Beine bewegten sich wie von allein, ohne mein zutun und so schnell wie nie zuvor.
Irgendwann war alles in mir und um mich herum dumpf und ich war dankbar dafür, denn ich hatte Angst vor dem Schmerz, der folgen würde. Ich weiß nicht mehr, wie lange ich gelaufen war, als ich ein Vibrieren in meiner Tasche fühlte. Ich wusste es war Alice und ich wollte nicht mit ihr sprechen, denn dann hätte ich denken müssen. Doch zu spät.
Genau dieser ablehnende Gedanke brachte alles zu mir. Ich spürte den Schmerz und brach auf der Stelle zusammen.
Ich hatte keine Ahnung wo ich mich befand, alles um mich herum war fast kahl. Die Bäume trugen kaum Blätter und der Boden war kalt, steinig und fest. Ich rollte mich auf die Seite, krümmte mich zusammen und versuchte vergeblich mein Herz zu finden, um es wieder zusammen zu setzen. Es war einfach nicht mehr da. Tränen liefen über meine Wangen und das Einzige, was ich denken konnte war ihr Name.
Bella Bella Bella warum liebst du mich nicht?

Mein Telefon vibrierte wieder, ich zog es aus der Hosentasche und wollte es gegen einen Baum werfen, doch meine Kraft reichte Witzloserweise nicht dazu aus. Ich drückte den Annahmeknopf, meine Hand fiel zur Seite und ich flüsterte, ohne es mir an das Ohr zu halten:

„Lass mich in Ruhe Alice. Ich will alleine sein.“

„Es geht um Bella“, kam als Antwort aus dem kleinen Lautsprecher.
„Sie ist im Krankenhaus. Du sollst sofort hinkommen.“ Dann legte sie einfach auf. Ich saß im Bruchteil einer Sekunde aufrecht und fand mein Herz, um mir im selben Moment zu wünschen, es nicht gefunden zu haben.
Bella ist im Krankenhaus.
Was kann in so kurzer Zeit geschehen sein?
Ich schauderte und mir fielen sofort tausende Dinge ein und panisch begann ich wieder zu laufen. Diesmal in entgegen gesetzter Richtung. Bella wollte mich nicht mehr, aber ich würde immer für sie da sein und auf sie aufpassen. Ich würde sie nie mehr alleine lassen. Nie wieder.
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um es mit Sarinas Worten zu sagen: Lass dich nicht einschüchtern!
*Zur Zeit nur selten online!*

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